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Sanierung am Rhönring: Unter anderem sollen alle Loggien wieder geöffnet werden.

Darmstadt

Darmstädter Mieter beklagen Modernisierung

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Eigentlich müssten sie sich freuen, aber die Bewohner der Mietshäuser an Spessart- und Rhönring sind stinksauer: Ihre Mieten sollen steigen und Wohnraum falle weg.

„Mieter in Not“ steht auf dem knallroten Transparent, das eine Hand voll Leute vor dem Justus-Liebig-Haus in Darmstadt hochhält. Drinnen beginnt gerade die Stadtverordnetenversammlung. Draußen haben sich die „Rhönring-Fighter“ postiert, um die Parlamentarier am Dienstag über einen aus ihrer Sicht „nicht hinnehmbaren“ Missstand zu informieren. Es geht um die Großmodernisierung des historischen, von August Buxbaum vor 120 Jahren entworfenen Straßenzugs entlang von Spessart- und Rhönring. Diese hatte der Eigentümer, die Bauverein AG, im Juli 2016 in enger Abstimmung mit dem Denkmalschutz gestartet.

Betroffen seien etwa 1600 bis 2000 Mieter in 52 Mietshäusern, sagt Bernd Münk, Sprecher der Mieterinitiative. Die Bewohner beklagen, dass sie durch den geplanten Rückbau der verglasten Loggien Wohnraum verlieren. Etliche Mieter hätten in den vergangenen Jahren auf eigene Kosten, aber in Absprache mit dem Bauverein, einer städtischen Tochter, Fenster eingebaut, um die Balkone auch in der kalten Jahreszeit nutzen zu können. „Da wird bezahlbarer Wohnraum durch überflüssige Maßnahmen vernichtet“, sagt Münk. Außerdem sei eine Mieterhöhung von 1,50 Euro pro Quadratmeter im Gespräch. Auch der Anschluss an eine Fernwärmeanlage solle auf die Mieter umgelegt werden.

Paul Musielak, Admin der Facebookseite der Initiative, zahlt für seine 56 Quadratmeter große Wohnung am Rhönring, die er in einer Wohngemeinschaft bewohnt, 420 Euro kalt. Nach der Sanierung wären es 510 Euro, sagt er. Doch viel härter treffe es viele ältere langjährige Mieter, die inzwischen Rentner seien. Etwa eine 84-Jährige, die für 93 Quadratmeter 150 Euro mehr im Monat zahlen müsste.

Bäder künftig ohne Fenster

Weiter kritisieren die Mieter, dass die Sanierung im bewohnten Zustand ablaufe, dass Bäder ins Innere verlegt würden und künftig keine Fenster mehr hätten, dass Holzsprossenfenster eingebaut werden sollen, weil dies dem Denkmalschutz entspreche, diese aber weniger Licht in die Räume ließen. Zudem monieren sie, dass der Bauverein in den vergangenen 40 Jahren nichts mehr instand gesetzt habe, sondern die Mieter selbst Hand angelegt hätten, und „jetzt soll es zu einem Museumsdorf werden“, regt sich Münk auf.

Doch den verärgerten Mietern könnte Hilfe nahen. Am heutigen Mittwoch soll ein Treffen mit dem Bauverein stattfinden. Bereits in den vergangenen Wochen hatte es mit Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) ein „gutes Gespräch“ gegeben, wie es der Rathauschef am Dienstag formuliert. „Wir müssen eine Lösung, einen Kompromiss finden, das ist keine Frage“, sagt Partsch bevor er ins Stadtparlament entschwindet. Man wolle versuchen, vor Weihnachten erste Ergebnisse zu bekommen. Auch rechtlich haben sich die Rhönring-Fighter informiert und erfahren, dass sie „die Sanierung nicht in ganzem Umfang hinnehmen müssen“, so Musielak. Denn Sanierungs- beziehungsweise Instandsetzungkosten habe der Vermieter in vollem Umfang zu tragen, und sie könnten von ihm nicht auf die Miete umgelegt werden.

2018 soll es laut Bauverein in den dritten Abschnitt der bis 2021 geplanten Modernisierung gehen. Insgesamt würden 50 Millionen Euro investiert.

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