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Darmstadtium-Entdecker verstorben

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Von: Annette Schlegl

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Professor Sigurd Hofmann, der Entdecker des chemischen Elements Darmstadtium, ist im Alter von 78 Jahren verstorben.
Professor Sigurd Hofmann, der Entdecker des chemischen Elements Darmstadtium, ist im Alter von 78 Jahren verstorben. © G. Otto, GSI Helmholtzzentrum

Das GSI-Helmholtzzentrum in Darmstadt hat den renommierten Forscher Sigurd Hofmann verloren. Er entdeckte neue schwere Elemente, unter anderem das Darmstadtium.

Trauer beim GSI-Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt: Einer seiner renommiertesten Wissenschaftler ist im Alter von 78 Jahren verstorben – Professor Sigurd Hofmann, der unter anderem das künstlich erzeugte chemische Element Darmstadtium entdeckt hat. Die GSI macht aber auch mit anderen Nachrichten Schlagzeilen: Der Teilchenbeschleuniger Fair (Facility for Antiproton and Ion Research), eines der größten Forschungsvorhaben weltweit, wird erneut teurer.

1994 beschoss Sigurd Hofmann als Leiter des Forschungsbereichs „Schwere Elemente“ im GSI-Helmholtzzentrum Bleifolie mit Nickelionen mit sehr hoher Geschwindigkeit. Wenige Atome verschmolzen zu einem neuen Atomkern, zerfielen aber innerhalb weniger Millisekunden wieder. Dennoch: Ein neues chemisches Element war entdeckt, für das Hofmann und seine Kollegen einen Namen vorschlagen durften. Da viele Mitarbeiter der GSI aus Darmstadt und Umgebung kamen, entschieden sie sich für eine Benennung nach dem Entdeckungsort. Darmstadt ist die einzige deutsche Stadt, nach der ein Element benannt wurde. Auch für das Kongresszentrum ist das Element mit der Ordnungszahl 110 im Periodensystem der Namensgeber.

Bis 1996 entdeckte Hofmann auch noch die künstlich erzeugten Elemente Roentgenium und Copernicium. Gut zehn Jahre zuvor hatte er schon wesentlich zur Synthese der schweren Elemente Hassium, Bohrium und Meitnerium beigetragen. Für die Suche nach diesen neuen chemischen Elementen entwickelte Hofmann Halbleiter-Detektoren – und war damit seiner Zeit weit voraus. Heute werden solche Detektoren weltweit eingesetzt. Hofmanns Beharrlichkeit sei eine der Grundlagen für die bahnbrechenden wissenschaftlichen Erfolge gewesen, die er für die GSI erzielte, schreibt das Unternehmen in einem Nachruf.

Das GSI-Helmholtzzentrum betreibt auch weiterhin Grundlagenforschung, und zwar im Wald zwischen den Stadtteilen Wixhausen und Arheilgen. Dort begann 2017 auf 20 Hektar Fläche das Megabauprojekt Fair. Herzstück ist der supraleitende Ringbeschleuniger mit 1,1 Kilometer Umfang – eine Vakuumröhre, in der elektrisch geladene Atome auf 285 000 Kilometer in der Sekunde beschleunigt werden können, bevor sie für die Experimenten in die Labore geleitet werden. Das Beschleunigerzentrum macht künftig Experimente für 3000 Wissenschaftler möglich, bislang sind es deren 1000 im Jahr.

Die Kostensteigerung für das Fair ist enorm: Ursprünglich waren 1,3 Milliarden Euro geplant, im Frühjahr dieses Jahres wurden sie mit 3,1 Milliarden Euro beziffert. Aufgrund von Corona-Pandemie, Baupreisentwicklung und gestörten globalen Lieferketten wurde das Projekt laut Bundesforschungsministerium im vorigen Jahr extern begutachtet; der Krieg in der Ukraine ist darin freilich noch nicht berücksichtigt.

Jörg Blaurock, technischer Geschäftsführer von GSI und Fair, ist sich sicher, dass es nicht bei dem Kostenrahmen bleibt. „Es wird eine weitere Erhöhung geben müssen. Das ist durch die Gesamtsituation zu erwarten“, sagt der Spezialist für Großbauprojekte. Mit welchen neuen Summen gerechnet werden muss, war am Montag allerdings nicht zu erfahren. mit dpa

So sah die Baustelle des Fair-Teilchenbeschleunigerzentrums in Darmstadt im Mai 2022 aus.
So sah die Baustelle des Fair-Teilchenbeschleunigerzentrums in Darmstadt im Mai 2022 aus. © D.Fehrenz, GSI/Fair

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