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Zwischen Dada und Shantel

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Designstudenten zeigen ihre Abschlussarbeiten auf der Mathildenhöhe - darin geht es zum Beispiel um die Schönheit von Fehlern oder das ewig Wiederkehrende. 40 Arbeiten sind zu sehen.

Die Diplomarbeiten der Studenten des Fachbereichs Gestaltung der Hochschule Darmstadt werden in diesem Jahr im Alfred-Messel-Haus gezeigt. Das Hochschulgebäude am Olbrichweg auf der Mathildenhöhe, wo die Abschlussarbeiten sonst ausgestellt werden, wird derzeit saniert. 40 Arbeiten aus den Bereichen Kommunikationsdesign und Fotografie sind zu sehen.

An prominenter Stelle in der Eingangshalle blickt der Besucher auf mehrere Monitore, die grafische Kreise zeigen und permanent in Bewegung sind. Es ist die Diplomarbeit von Julia Voit, die sie mit dem Titel Alltagsrhythmen überschrieben hat. Mit Hilfe neuer Darstellungsformen möchte die Designerin den Blick auf das immer Wiederkehrende wie Aufwachen, Duschen, Essen oder Telefonieren, aber auch auf die Einzigartigkeit einzelner Tage lenken. Herausgekommen sind ästhetische Gebilde, eine Art Lebensspiralen.

Melanie Dörsam war mit dem Frankfurter DJ und Musikproduzenten Shantel auf Tour und hat sich mit ihm und seinen Balkanbeats auseinandergesetzt. Ihre Erlebnisse hat sie in einem dicken Band dokumentiert. "Ein Paket aus CD, DVD und Fotobuch", erklärt Design-Professor Mike Richter. Das Büchlein "Sein scheinen" von Sebastian Thönnes wiederum ist eine Hommage an die Schönheit des Fehlers. Der Student lenkt den Blick auf Satzfehler im Text: Als Schusterjunge wird eine Textzeile bezeichnet, die als letzte Zeile in einer Spalte steht, aber schon die erste Zeile des nächsten Absatzes ist. Hurenkind nennt man ein Absatzende in der ersten Zeile einer Spalte.

Ansatzpunkt für Melanie Maiers Arbeit "Grenzenlos - neue Bewegung im städtischen Raum" ist die unorganisierte Sportart Parkour. Hierbei werden sämtliche Hindernisse wie Mauern oder Treppen überwunden, um den schnellsten und effizientesten Weg von A nach B zu nehmen. Die halsbrecherische Akrobatik durch die Stadt überspitzt die Fotografin noch, indem sie Unmögliches per Computermanipulation realisiert.

"Die Arbeiten sind von hoher Qualität, absolut professionell gemacht", urteilt Michael Kerstgens. "Eine wahnsinnig verstörende Arbeit hingegen", wie der Professor sagt, sei die von Tim Hoffmann mit dem Titel "Queen inside". Zu sehen sind kleine Mädchen, die für Schönheitswettbewerbe in Kalifornien zu großen Stars im wahrsten Sinne des Wortes hergerichtet werden.

Den Kindern werde bei solchen Events beigebracht, wie sie mit den Reizen einer Frau werben sollen. Betrachtern drängt sich das Gefühl auf, das auf den Körperchen die falschen Köpfe sitzen. Tim Hoffmann dokumentiert, wie die Eltern den Kleinen drohten, wenn sie nicht richtig mitmachen oder gar weinen. Ein Foto zeigt, wie der Mundwinkel eines Kleinkindes von einem Finger hochgezogen wird. Bitte lächeln!

Janina Ritters Arbeit handelt von der Dada-Bewegung und visualisiert Hans Arps Gedichtband "Wolkenpumpe" von 1920. In ihrem Leporello bewegt sich eine Welt voller merkwürdiger Wesen: Alles geschieht gleichzeitig und ineinander fließend. (eda)

Die Ausstellung der Sommerdiplome 2010 ist von Donnerstag, 22. Juli, bis Samstag, 24. Juli, von 12 bis 18 Uhr im Alfred-Messel-Haus, Eugen-Bracht-Weg 6, zu sehen. Im Internet: www.fbg.h-da.de.

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