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Zwei Häuser, ein Chefarzt

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Dem geplanten Klinikverbund erteilt das Marienhospital eine Absage – Kooperationen nicht.
Dem geplanten Klinikverbund erteilt das Marienhospital eine Absage – Kooperationen nicht. © Guido Schiek

Das kommunale Klinikum Darmstadt und das katholische Marienhospital haben einen bemerkenswerten Ausbau ihrer Zusammenarbeit verkündet. Ab Frühjahr nächsten Jahres teilen sich beide Häuser zu fast gleichen Teilen einen Chefarzt.

Der Krankenhausmarkt in Südhessen ist in Bewegung – nicht zuletzt durch wirtschaftliche Zwänge. Kliniken als Einzelkämpfer haben nur geringe Überlebenschancen. Daher steigt die Bereitschaft, sich zusammenzuschließen oder zumindest zu kooperieren.

So haben das kommunale Klinikum Darmstadt und das katholische Marienhospital gestern einen bemerkenswerten Ausbau ihrer bestehenden Zusammenarbeit verkündet. Ab Frühjahr nächsten Jahres teilen sich beide Häuser zu fast gleichen Teilen einen Chefarzt.

Christoph Schimanski (39) ist seit 2012 am Marienhospital Chefarzt der von ihm maßgeblich aufgebauten Klinik für Innere Medizin. Ab März 2015 wird er auch am Klinikum tätig sein, und zwar als Direktor der Medizinischen Klinik II; das umfasst die medizinischen Gebiete Gastroenterologie (Magen-Darm-Trakt), Stoffwechselerkrankungen und Pneumologie (Lungenheilkunde). Er tritt damit die Nachfolge von Hubertus Wietholtz an, der in den Ruhestand geht. Schimanski wird mit jedem der beiden Häuser aus einen eigenen Arbeitsvertrag abschließen.

Lob von Seiten der Stadt

„Solche Zusammenarbeit ist seit vielen Jahren gelebte Realität, und dies kommt dem politischen Willen nach mehr Kooperationen im Gesundheitswesen entgegen“, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung von Schwester Liberata Ricker, Leiterin des Marienhospitals sowie der beiden Geschäftsführer der Klinikum Darmstadt GmbH, Clemens Maurer und Steffen Gramminger.

Klinikdezernent André Schellenberg (CDU) erklärte, die Stadt unterstütze Kooperationen im Gesundheitswesen. Sie leisteten einen wichtigen Beitrag für die ambulante und stationäre Patientenversorgung. „Der Vorsprung durch Zusammenarbeit“ komme allen zugute, die auf ärztliche Hilfe angewiesen seien.

Auch von Seiten der Ärzte wird die neue Kooperation begrüßt. Am Marienhospital gebe es eine sehr gute Auslastung und so viele Anfragen, dass man weitere Kapazitäten brauche, sagte Schimanski: „Daher ist es eine große Chance, die Klinik für Innere Medizin am Marienhospital und die Medizinische Klinik II am Klinikum durch einen gemeinsamen Chefarzt vertreten zu lassen.“ Dass beide Verwaltungen diesem Schritt zugestimmt hätten, zeuge von Weitsicht. Dadurch werde eine bessere gemeinsame Versorgung der Patienten ermöglicht.

Ähnlich äußerte sich der ärztliche Klinikum-Geschäftsführer Gramminger. Er verspreche sich von der Kooperation einen großen Nutzen für die Patienten in Darmstadt und Südhessen. So profitierten sie von der Nutzung einer besseren und größeren Infrastruktur, ergänzte der kaufmännische Geschäftsführer Maurer. „Wir stärken damit die Position beider Häuser in Südhessen“, betonte Schwester Liberata.

Seit einiger Zeit sind die Verantwortlichen in Stadt und Landkreis Darmstadt-Dieburg dabei, einen südhessischen Klinikverbund zu schmieden. Recht weit gediehen ist ein Zusammenschluss des Klinikums Darmstadt mit den Kreiskliniken Groß-Umstadt und Jugenheim. Das Kartellamt hat keine Bedenken. Noch haben die beiden Parlamente sich nicht damit befasst, der Zusammenschluss soll Anfang 2015 organisatorisch beginnen.

Das katholische Rochus in Dieburg, anfangs ebenfalls mit im Boot, ist ausgestiegen. Das Marienhospital dementierte Mitte Dezember jegliche Absicht, dem entstehenden Klinikverbund beizutreten.

„Wir würden eine Fusion begrüßen“, sagte Klinikum-Geschäftsführer Maurer gestern auf Nachfrage. Derzeit setze das Klinikum aber auf weitere Kooperationen: „Wir sind leistungsstark und können auch Leistungen für andere Häuser anbieten.“ (ryp)

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