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Zwei fürs Herz

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Das katholische Rochus-Krankenhaus in Dieburg und die nur wenige Kilometer entfernte Kreisklinik in Groß-Umstadt machen sich Konkurrenz. Am Ende könnte es für beide eng werden.

Am katholischen Rochus-Krankenhaus in Dieburg mit rund 80 Betten können schon in wenigen Tagen schwer kranke Herzpatienten behandelt werden. Mit moderner Diagnostik und Therapie wird ein Linksherzkathetermessplatz eingerichtet. Investitionsumfang: 1,5 Millionen Euro. Die gleiche Summe wendet die nur wenige Kilometer entfernte Kreisklinik in Groß-Umstadt auf, um ab Juni das gleiche Angebot zu machen.

"Das ist unabgesprochener Wettbewerb, das war unsere Idee", schimpft Christian Keller, Betriebsleiter der Kreisklinik. Fürs Rochus-Krankenhaus hält der Intensivmediziner Patrick Schmenger dagegen: "Wir waren nachweislich die ersten mit der Planung und sind nun auch die ersten am Start. Vielleicht lenkt ja jetzt die Kreisklinik auf Kooperation um, statt auf Verdrängungswettbewerb auf Kosten der Steuerzahler zu setzen".

Dem Schritt ist in Dieburg eine zweijährige Planungs- und Bauphase vorangegangen. Nun schließe sich eine Lücke in der ambulanten wie auch auch in der stationären Versorgung kardiologischer Patienten in der Region Dieburg. Der Kardiologe Sebastian Sonnenschein (37) wird das Team leiten. Er kommt vom Uniklinikum Mainz und bringt von dort zwei Ärzte mit. Außerdem gibt es fünf Stellen für Pflegekräfte.

Dieburg stehe mit seiner Intensivabteilung dem Angebot der Kliniken mit Maximalversorgung in nichts nach, sagt Schmenger selbstbewusst. "Damit vervollständigen wir unser Ziel, aus dem Rochus-Krankenhaus eine regionale Portalklinik auch in der Kardiologie zu entwickeln", so Markus Bazan, Bevollmächtigter der Rochus-Stiftung. Selbstbewusst ist man in Dieburg auch hinsichtlich der Refinanzierung. Fürs erste Jahr, so Mitarbeiter Dirk Errestink, plane man für jeden Tag eine Herzuntersuchung. Danach seien 600 Fälle im Jahr realistisch und ausreichend, einen Überschuss zu erzielen. Dieser trage dazu bei, die weniger lukrative medizinische Grundversorgung mitzufinanzieren.

In Groß-Umstadt nimmt man diese Pläne mit Kopfschütteln auf. Dort will die Kreisklinik 800 bis 1000 Coronaruntersuchungen im Jahr erreichen. Durch das parallele Angebot in Dieburg werde es nun für beide schwer, auf die erforderlichen Zahlen zu kommen, sagt Christian Keller: "Das ist erst einmal für beide schlecht. Aber wir sind besser aufgestellt und werden es überleben."

Aus Darmstadt blickt Gerald Werner auf das Gerangel. Der Direktor für Kardiologie und Intensivmedizin am Städtischen Klinikum, wo bislang auch die meisten Herzinfarktpatienten aus Darmstadt-Dieburg aufgenommen werden, sieht im doppelten Angebot die Gefahr, dass Herzpatienten künftig schlechter behandelt werden könnten. "Beide kleine Häuser werden zu wenig Fälle und damit zu wenig Erfahrung vorweisen können." (piz)

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