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Zuverlässig am Örtchen

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Rosa Wehmuth ist Klofrau in dritter Generation. Von den Spenden kauft sie Geschenke für ihre Enkel.
Rosa Wehmuth ist Klofrau in dritter Generation. Von den Spenden kauft sie Geschenke für ihre Enkel. © Karl-Heinz Bärtl

Seit 22 Jahren sorgt Rosa Wehmuth bei Festen im Kreis für saubere Toiletten

An Selbstbewusstsein mangelt es Rosa Wehmuth nicht. „Wenn’s mich nicht gäbe, könnte nicht gefeiert werden. Wer trinkt, braucht auch ein stilles Örtchen.“ Wehmuth ist Klofrau. Bei Festen sitzt sie auf einem Campingstuhl und bewacht den Toilettenwagen.

Ob Schlossgartenfest oder Martinsmarkt in Dieburg, Doaschdefest in Münster oder Winzerfest in Groß-Umstadt, auf Rosa Wehmuth können sich die Besucher verlassen. Auch wenn’s regnet: „Dann stelle ich den Sonnenschirm als Regenschutz auf.“

Wenn vier bis sechs Festbesucher die Toilette benutzt haben, macht sie einen Kontrollgang, füllt Toilettenpapier auf und reinigt die Klobrillen. Mancher Gast gibt einige Cent in die Büchse auf ihrem Tisch, andere gehen grußlos vorbei. „Die Spende ist freiwillig. Wenn ein bisschen was zusammenkommt, kaufe ich den Enkelchen was.“ Seit 22 Jahren betreut Wehmuth die Toilettenwagen. Als Mädchen habe sie sich geschämt, weil Oma Marie und Mama Martha als Klofrau arbeiteten. Sie seufzt: „Ich habe immer gesagt: Oh, Mutti, Klofrau werde ich nie.“ Heute ist ihr die Familie das Wichtigste. „Die Enkelchen kommen zu mir, wenn sie was auf dem Herzen haben. Und wenn ich selbst mutlos bin, guck ich zum Himmel und rede mit meiner Mutti.“ Mutter Martha, allerorts bekannt als „die Madda“, ist 1999 gestorben. Und 32 Jahre ist Oma Marie schon tot. 1959 wurde Rosa, genannt Rosel, in Groß-Zimmern geboren und lebte mit Oma und Mutter in der Reinheimer Straße. „Meine Mutti war herzensgut und hat mich und meine fünf Geschwister allein groß gezogen. Wir gehörten zu den Gemeinde-Häuslern, den Armen im Ort“, sagt Rosa Wehmuth und zieht nachdenklich an ihrer Zigarette. „Ich wurde verlacht, und die anderen Kinder durften nicht mit uns spielen. Ich hab gelernt, mich zur Wehr zu setzen. Nach der Schule habe ich Tankwart gelernt.“

Dumme Sprüche prallen ab

Das erste Mal war Rosa Wehmuth 1988 als Klofrau im Einsatz. „Meiner Mutti ging es nicht gut, da fragte sie: Rosel, hilfst du mir? So bin ich über meinen Schatten gesprungen.“ Viele Leute loben Wehmuths saubere Toiletten. Aber auch dumme Bemerkungen bekommt die Klofrau zu hören. „Das perlt an mir ab“, sagt sie. Nur einmal sei ihr übel mitgespielt worden. „Da haben junge Leute eine Toilette vorsätzlich verstopft, und während ich saubermachte, sind sie mit der Gelddose abgehauen.“

Mancher Arbeitsgang kostet auch heute noch Überwindung, etwa bei mit Damenbinden verstopften Toiletten. „Wenn ich jemanden erwische, frage ich, ob sie das daheim auch so machen. Ich bin die, die hinterher putzt. Dafür verlange ich Respekt.“ Saugglocke, Reinigungsspirale, Desinfektionsmittel und Gummihandschuhe hat Rosa Wehmuth immer dabei. „Damen in Not bekommen bei mir auch mal Hygieneartikel.“

Und nicht nur das: Die Klofrau hat am Rand der Feste schon manche Kummerträne getrocknet. „Sie ahnen nicht, was man am stillen Örtchen alles zu hören bekommt.“ ( lot)

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