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Im Westwald mit seinen sandigen Böden sind etliche Bäume in einem sehr kritischen Zustand.
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Im Westwald mit seinen sandigen Böden sind etliche Bäume in einem sehr kritischen Zustand.

Darmstadt

Zustand des Stadtwalds in Darmstadt ist „besorgniserregend“

  • Jens Joachim
    vonJens Joachim
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In Darmstadt ist eine Bestandsaufnahme und ein Bericht über Tagungen des „Runden Tischs Wald“ vorgestellt worden. Vorgesehen ist, kaum noch Bäume zu fällen und mehr zu jagen.

Nach mehr als einem Jahr Vorarbeit hat die Stadt Darmstadt einen Bericht über die Sitzungen des „Runden Tischs Wald“ und eine Bestandsaufnahme zum Zustand des Darmstädter Stadtwalds vorgelegt. Die Berichte basieren nach den Worten von Umweltdezernentin Barbara Akdeniz (Grüne) auf der Basis wissenschaftlicher Erhebungen. Während der elf Sitzungen hat der „Runde Tisch“ ein Leitbild erstellt, das als „Grundlage für ein breit fundiertes, abgestimmtes Vorgehen in den kommenden Jahren“ dienen soll, wie es in dem knapp 40-seitigen Bericht heißt. Zudem enthalten die Berichte Handlungsempfehlungen, um künftig den Darmstädter Stadtwald besser zu schützen.

In der 23-seitigen Bestandsaufnahme wird der Zustand des Darmstädter Stadtwalds als „besorgniserregend“ bezeichnet. Insbesondere im Westwald seien die Baumschäden „extrem hoch“, weil es dort einen „sehr hohen Anteil an stehend toten Bäumen“ gebe. Aber auch im Ostwald im Vorland des Odenwalds seien „gebietsweise deutliche Schäden vor allem an älteren Buchen zu erkennen“.

Klimatische Faktoren werden in dem Waldzustandsbericht als Ursache für die akute Schädigung der Wälder genannt. So habe eine Zunahme von sommerlichen Hitzeperioden sowie langanhaltenden Dürrephasen in Kombination mit milden Wintern und niederschlagsarmen Frühjahrsmonaten in den vergangenen Jahren zu einer deutlichen Belastung der Wälder geführt. Nach dem sehr trockenen Sommer des Jahres 2018 habe sich auch im Darmstädter Stadtwald der Waldzustand „deutlich verschlechtert“. Eine Erholung sei nach den ebenfalls heißen und trockenen Sommern in den Jahren 2019 und 2020 bislang nicht zu erkennen, heißt es in dem Bericht.

Anke Bosch, die Leiterin des Darmstädter Grünflächenamts, berichtete, dass der Stadtwald zu 32 Prozent mit Buchen, zu 21 Prozent mit Kiefern und zu 17 Prozent mit Eichen bewachsen sei. Laubbäume wie Birken, Linden oder Ahorn würde weitere 27 Prozent ausmachen. Mit über 40 Prozent sei der mittlere Nadel- und Blattverlust im südlichen Westwald im Vergleich zum Landesdurchschnitt überdurchschnittlich hoch, sagte Bosch.

Der „Runde Tisch Wald“ hatte sich nach Angaben von Stadträtin Akdeniz nach einem einstimmigem Beschluss der Stadtverordnetenversammlung Mitte Oktober 2019 konstituiert. Dem Gremium unter dem Vorsitz von Akdeniz gehörten mehr als zwei Dutzend Akteurinnen und Akteure aus der Wissenschaft, von Naturschutzverbänden, der Politik, der Stadtverwaltung und dem Sektor Umweltbildung an.

Ursprünglich, so Akdeniz, seien sechs Sitzungen geplant gewesen. Schließlich habe der „Runde Tisch“ sogar elfmal getagt, um zahlreiche Fachvorträge zu den Themen Waldzustand, naturnahe Waldbewirtschaftung, Biodiversität, Wasser, Jagd, externe Stressfaktoren oder Naturverjüngung zu hören. Auf Anregung des „Runden Tischs“ sei dann im vorigen Jahr die „erste dezidierte, engmaschige Erhebung des Waldzustands im Stadtwald“ durchgeführt worden, um präzise Angaben zur Situation der sehr unterschiedlichen Waldgebiete im West- und Ostwald machen zu können. Die Ergebnisse seien „leider nicht überraschend und dennoch alarmierend“. Insbesondere im Westwald mit seinen sandigen Böden sei der Waldzustand „in einem sehr kritischen Zustand“, so Akdeniz.

Seien im Ostwald noch mehr als die Hälfte der erfassten Bäume ungeschädigt oder nur schwach geschädigt, seien im Westwald nur noch ein Drittel ungeschädigt oder nur schwach geschädigt, 58 Prozent wiesen mittelstarke oder starke Schädigungen auf, und 9 Prozent der Bäume waren zum Zeitpunkt der Erhebung bereits abgestorben.

Vorgesehen ist nun laut Akdeniz, ein bereits 2019 begonnenes Moratorium fortzusetzen und im Stadtwald nur noch so wenige Bäume wie möglich aus Sicherheitsgründen und nicht aus forstwirtschaftlichen Gründen zu fällen. Vorgeschlagen wird auch, totes Holz im Wald liegen zu lassen, um die Biodiversität, den Humusaufbau und die Wasserspeicherfähigkeit zu fördern. Ferner soll intensiver gejagt und der Baumbestand verjüngt werden.

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