Darmstadt

Zusammenschluss für Freiheit der Kunst in Darmstadt

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Kultureinrichtungen und Künstler geben gemeinsame Erklärung ab.

Hitler-Schmierereien am Theater Mollerhaus in Darmstadt. Auf dem Internationalen Waldkunstpfad: Zerstörung von Kunstwerken, die an NS-Opfer unter jüdischen Kindern in Polen erinnern. Das sind nur zwei Beispiele, wie Kunstschaffende vor Ort von Diffamierungen aus rechtsextremen Kreisen betroffen sind. Auch von Versuchen der Einflussnahme etwa auf Spielpläne oder auf die Nationalität der Schauspieler hat Karsten Wiegand, Intendant des Staatstheaters Darmstadt, nach eigenen Worten schon von Kollegen aus anderen Häusern gehört. Ein Transparent am Schauspielhaus Leipzig mit dem Goethe-Zitat „Das Land, das die Fremden nicht beschützt, geht bald unter“, sorgte etwa 2015 bei der AfD für Ärger. Sie sah „die politische Neutralität eines öffentlichen Unternehmens verletzt“.

„Wer nur eine Institution angreift, greift alle an“, sagte Wiegand, der am Mittwoch im Foyer des Staatstheaters gemeinsam mit anderen Kunstschaffenden aus Darmstadt und Umgebung die Darmstädter „Erklärung der Vielen“ präsentierte. Diese sei allerdings keine Erklärung gegen rechts, sondern eine für Vielfalt, betonte der Intendant.

Die zweiseitige Stellungnahme ist Teil der bundesweiten Aktion „Die Vielen“. 22 Kunstschaffende und Kultureinrichtungen aus Darmstadt machen darin ihre Position gegen jede Form von Rassismus, Homo- und Transphobie, Frauenfeindlichkeit, Antisemitismus und Islamophobie deutlich. „Demokratie und künstlerische Freiheit ist nicht ohne Widersprüche und niemals einfach. Aber wir verteidigen sie gegen alles, was sie bedroht“, heißt es in der Erklärung, die sich

am Berliner Vorbild orientiert.

In Darmstadt, der früheren Hochburg des Nationalsozialismus, wo heute 140 Nationen zusammenlebten, gelte es, den liberalen Geist zu bewahren und weiterzuentwickeln, heißt es weiter. Darmstadt ist nach Frankfurt die zweite hessische Stadt, die eine eigene Erklärung abgibt. Angeregt hatte die Teilnahme die Initiative der Kulturfrauen. Das ist ein seit zehn Jahren bestehender Zusammenschluss von kunstschaffenden Frauen. Mit der Erklärung „stehen wir für Akzeptanz und Divergenzkultur“, sagte Ann Dargies, Leiterin des Theater Transit. Jetzt gehe es darum, die Idee zu verbreiten. Jede Stadt könne ihre eigene Erklärung abfassen. Laut Meike Heinigk, Geschäftsführerin der Centralstation, sollen alle Unterzeichner das Wahrzeichen der Kampagne, das Bild einer goldenen Rettungsdecke, auf ihren Webseiten oder in ihren Institutionen zeigen.

Bisher habe sich nur ein Bruchteil hiesiger Institutionen angeschlossen, so Heinigk. Andere könnten jedoch hinzukommen. Mit dabei sind bisher neben Staatstheater und Centralstation unter anderem das Kino Citydome, das Internationale Musikinstitut, das Stadtmarketing, das städtische Kulturamt, die Freie Szene, das Theater Die Stromer und das Theater Transit sowie die Restaurants Bellville und Jagdhofkeller. „Es ist schön, zu wissen, dass ihr da seid“, sagte Ute Ritschel, Leiterin des Internationalen Waldkunst-Zentrums.

Die Kampagne „Erklärung der Vielen“ hat einen regionalen Charakter: Alle Kultureinrichtungen werden gebeten, sich regional oder stadtweit zusammenzuschließen. Bislang beteiligen sich an die 2500 Unterzeichner.
Diskussionen, Veranstaltungen und Aktionen sind Teil der Kampagne.
Für Sonntag , 19. Mai, rufen „Die Vielen“ ab 12 Uhr zu bundesweiten Demos für die Freiheit der Kunst und eine offene Gesellschaft auf. Auch in Frankfurt ist eine Veranstaltung geplant. cka
Infos unter www.dievielen.de

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