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Ruth Werbeck hat Telefongebimmel gegen Waldruhe getauscht.

Zurück auf Los

Von der Verbraucherzentrale zum Natur-Coaching: Ruth Werbeck wagt den Neuanfang

Ihr Blick ist ruhig und nachdenklich. Ruth Werbeck (50) kann gut zuhören und geduldig auf Menschen eingehen. Das hat sie lange für ihren Beruf gebraucht: Sie war knapp zehn Jahre Leiterin der Erbacher, anschließend acht Jahre der Darmstädter Beratungsstelle der Verbraucherzentrale – und das kommt ihr jetzt auch in ihrem aktuellen Lebensabschnitt zugute: in ihrer Ein-Frau-Coaching-Firma Lichtblick.

In der Mitte des Lebens ist sie zurück auf Start gegangen. Mitten im Odenwaldidyll, etwa 33 Kilometer von der Darmstädter Innenstadt entfernt, steht ein umgebautes Bauernhaus, in dem Ruth Werbeck wohnt und in dem sie weitergibt, was ihr selbst geholfen hat: Coaching. Jetzt unterstützt sie andere, die neue Wege einschlagen wollen, hilft ihnen, „vom Kopf auf die Füße zu kommen“, sich zu „erden“.

Vor einem Jahr spürte sie von Tag zu Tag deutlicher, dass die Zeit reif für eine berufliche Veränderung war. Sie fragte sich: Was kann ich mit meinen Talenten und Studiengängen Gutes bewirken und gestalten? Und wobei darf ich auch meinen Idealismus ausleben?Die Diplom-Biologin und Erwachsenenpädagogin aus der Eifel will alles, was sie je gelernt hat, anwenden. Schon als kleines Mädchen war sie von der Natur beeindruckt. Nach dem Abitur zog sie mit Yucca-Palme und Rucksack zum Studium nach Bonn. An die Aufbruchstimmung dieser Jahre erinnerte sie sich in Gesprächen mit der Geschäftsleiterin der Gesellschaft für Perspektivenentwicklung, Brigitte Marx-Lang. Bei ihr absolvierte sie ein klassisches Coaching. Um wahrnehmen zu können, was im Arbeitsleben viel zu kurz komme, so wie dort ja auch der Mensch viel zu kurz komme, brauche man Entschleunigung, sagt Ruth Werbeck.

Schließlich entschloss sie sich zur Kombination von Strategieentwicklung und Naturerleben. Die Natur, hat Werbeck immer wieder festgestellt, regt auf und an und bringt den Menschen auf andere Gedanken. „Wichtig ist, dass die Klienten Zeit haben, sich selbst zu begegnen.“

Sie versteht sich als „Spiegel in der Wegbegleitung“. Denn jeder sei Experte in seiner Sache, trage die Lösungskompetenz in sich und werde seinen Weg autonom finden.

Zu ihren Klienten zählen Studenten mit Prüfungsangst, Arbeitnehmer, die sich auf das Bewerbungsgespräch vorbereiten wollen und Frauen zwischen 40 und 50 Jahren, die sich ausgebrannt fühlen, zu viel Arbeit und zu wenig Zeit haben. „Coachen ist etwas für gesunde Menschen“, macht Ruth Werbeck deutlich. Wenn die Probleme psychologischer Natur sind, stößt sie an ihre Grenzen.

Mitarbeitermotivation ist ein weiterer Schwerpunkt von Werbecks Unternehmen. „Da, wo die Probleme entstehen, können sie meistens nicht gelöst werden,“ meint sie. Aber weil sich Kollegen beispielsweise im Kletterwald in ganz ungewohnten Situationen erleben, können selbst Menschen einander näherkommen, die vorher keinen Zugang zueinander hatten. ( pyp)

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