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Wenn der Beschützerinstinkt zu stark wird: Mischling Kyras Schicksal.
Wenn der Beschützerinstinkt zu stark wird: Mischling Kyras Schicksal. © Guido Schiek

Im Darmstädter Tierheim sind große Hunde schwer zu vermitteln, besonders wenn es sich um Schäferhund-Mischlinge handelt. Tierheim-Mitarbeiterin Stefanie Fleu gibt die Hoffnung aber nicht auf: „Für jeden Topf gibt es doch einen Deckel.“

Kyra ist ein Bild von Hütehund. Ohren, die alles hören und Augen, die alles sehen. Kyra entscheidet gern selbst, was zu tun ist. Und weil sie sich in einem Garten selbst überlassen war und den bewacht hat, hat sie, als sie ins Tierheim kam, genauso weiter gemacht. Wenn Tierheims-Vizevorsitzende Rebecca Aghayanian mit ihr spazieren ging, „hat sie alle Autos, Jogger, Hunde und Fahrradfahrer vertrieben“, erzählt sie. „Es war schwierig, mit ihr draußen zu sein.“

Die neunjährige Kyra ist seit November im Tierheim und findet einfach kein neues Frauchen oder Herrchen. Damit teilt sie das Schicksal einiger großer Hunde, die grundsätzlich schwieriger zu vermitteln sind, sagt Tierheim-Mitarbeiterin Stefanie Fleu. „Kleine Hunde sind unkomplizierter zu halten und zu handhaben, bei großen sind die Anforderungen höher.“

Noch schwieriger wird’s, wenn Schäferhund mit drin steckt. Wie bei Kyra. Sie hat mittlerweile die Führungsrolle von Rebecca Aghayanian akzeptiert. Und so müsste das neue Frauchen oder Herrchen auch beschaffen sein: liebevoll und konsequent. „Die Arbeit mit ihr ist definitiv noch nicht zu Ende“, führt Aghayanian aus. „Aber ich wäre dabei und würde unterstützen.“

Das gilt auch für Flap (10), einen Schäferhundmischling „mit irgendwas Großem drin“, wie Tierheim-Mitarbeiterin Anja Pöllner sagt. Er kam aus Portugal und lebte in einer Familie, in der nach und nach drei Kinder geboren wurden und jede Menge Trubel herrschte. Zuviel Trubel für Flap. „Das ist ein Hund, der knurrt, um sich einen Freiraum zu erhalten“, sagt Anja Pöllner.

Hütehunde sind Arbeitstiere

Im Tierheim ließ er sich anfangs nicht anfassen, wollte kaum etwas fressen. Seit sechs Wochen arbeitet Anja Pöllner mit ihm und inzwischen ist er aufgetaut. „Er bindet sich eng an einen Menschen und kann dann auch mal entspannen und es genießen, wenn seine Vertrauensperson dabei ist“, weiß Stefanie Fleu. Ideal wäre ein ruhiger Ein- oder Zweipersonenhaushalt mit erfahrenen Hundemenschen.

Hütehunde sind Arbeitstiere, die gefördert und gefordert werden wollen, sagen die Expertinnen. Bei älteren Hütehunden ist nicht nur dies bekannt, sondern auch der Charakter. „Man weiß, was man kriegt“, bringt es Rebecca Aghayanian auf den Punkt. Trotzdem, oder gerade deswegen, werden diese Hunde nur schwer vermittelt. Im Darmstädter Tierheim warten fünf Schäferhundmischlinge auf ein neues Herrchen oder Frauchen. Neben Jango (2) und Tango (4) – ein hellbrauner Schäferhund mit Dogge- und Labradorgenen und eine Bilderbuchschönheit im Schäferhundmaßstab 1:0,75 – gehört auch Robbie zu ihnen.

Der sechsjährige Rüde will sich nicht nur durchsetzen und schnappt, um dies zu unterstreichen, er hat auch vergessen „hier!“ zu bellen, als die Kulleraugen, Flatterohren und Stupsnasen verteilt worden sind. Ganz so, als wären ihre sonstigen Vermittlungshemmnisse nicht ausreichend, präsentieren sich die Kandidaten eben auch nicht immer unbedingt vorbildlich. Dennoch gibt Stefanie Fleu die Hoffnung nicht auf: „Für jeden Topf gibt es doch einen Deckel.“ (rwb)

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