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Ein Zuhause der anderen Art

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Die Jungs vom Bau (v.l.): Frank Reichert, Erhard Botta, Olaf Renken, Michael Heist.
Die Jungs vom Bau (v.l.): Frank Reichert, Erhard Botta, Olaf Renken, Michael Heist. © Andreas Kelm

Das genossenschaftliche Neubauprojekt Agora feiert Richtfest. Wo früher hohe Zäune Schotterberge umspannten, soll nun ein diffiziles Geflecht aus Privatheit, Gemeinschaft und Öffentlichkeit wachsen.

Am Ende ging es doch schnell. Jahrelang hatte man geträumt, gedacht, Pläne ent- und verworfen, diskutiert, gestritten, gezählt; bald gab es fast mehr Arbeitsgruppen als Mitglieder. Doch nun steht fast die ganze Siedlung der Genossenschaft Agora fertig im Rohbau; im Winter war Grundsteinlegung, und am heutigen Donnerstag wird bereits Richtfest gefeiert.

Im Zwickel zwischen Rosenhöhe und Ostbahnhof, am nördlichen Zipfel des Edelsteinviertels, entstehen vier Gebäuderiegel; drei mit einer Längsseite nach Südwesten gerichtet, der vierte sogar nach Süden. Zu Beginn der Planung, mit der das Darmstädter Büro Werk-um betraut ist, erregten Höhe und Ausmaß der Blocks den Argwohn der Nachbarschaft.

Nun zeigt sich, dass die Neubauten nicht länger ausfallen als die Eigenheimreihen direkt daneben und mit vier bis fünf Etagen nicht höher als die Wohnbauten aus den zwanziger und fünfziger Jahren am Schwarzwaldring gleich gegenüber. Städtebaulich wird damit ein klarer Abschluss des besiedelten Raums vor dem Übergang in Park und Landschaft formuliert – anstelle des einstigen Güterumschlagplatzes der Bahn, der nach Brand und Abriss des Stückgutschuppens jahrzehntelang als Baustofflager der Firma Held ein deformiertes Dasein fristete.

Wo früher hohe Zäune Schotterberge umspannten, soll nun ein diffiziles Geflecht aus Privatheit, Gemeinschaft und Öffentlichkeit wachsen. Öffentlich werden Wege, Gärten, Spielorte und Plätze sein – die eigentliche Agora etwa, eine Bucht im östlichen Hügelansatz, „bildet einen amphitheatralischen Treffpunkt für alle“, wie Architekt Erhard Botta erklärt. Sie ist zugleich der Vorhof für das Restaurant mit Café, das die Genossenschaft selbst betreiben will.

Soziale Mischung

Die Genossenschaft: Das sind 130 Erwachsene, von denen 70 mit 20 Kindern in die Siedlung am Ostbahnhof einziehen werden. Die soziale Mischung unter allen Aspekten ist ein Anliegen des Agora-Projekts. Singles standen von Anfang an auf der Interessentenliste; „Familien dagegen entschließen sich erst, wenn der Bau auch physisch zu sehen ist“, erklärt Olaf Renken vom Agora-Vorstand.

„Zum Schluss haben wir Einzelbewerber zugunsten der Familien abweisen müssen.“ Gemischt werden auch die Altersstufen; so gibt es eine „Flexi-WG“ für Studenten. Einige der zwischen 45 und 115 Quadratmeter großen Wohnungen sind zudem öffentlich gefördert.

Die Wohnungen sind kleiner als bei Neubauten üblich – hier eingesparte Quadratmeter kommen den von allen finanzierten Gemeinschaftsflächen zugute. Außerdem können die Bewohner flexibel Zimmer hinzumieten, wenn die Familie wächst oder sich die Schwiegermutter einquartiert.

Dieses über die eigene Wohnungstür hinausreichende Denken ist letztlich der Grund, warum die Werk-um-Architekten dieses Projekt auf einem zudem äußerst kompliziert geschnittenen Grundstück so lang und hingebungsvoll betreut haben. „Das ist zukunftsweisend“, sagt Erich Botta. „Wohnen in der Stadt, das wird irgendwann für alle so sein. Auch mit Blick auf die demografische Entwicklung.“

Die städtische Stellplatzsatzung hat bei Agora keine Ausnahme gemacht, so dass pflichtgemäß eine Tiefgarage eingeplant wurde. „Die wird freilich“, orakelt Botta, „kaum mit Autos vollstehen. Da bleibt viel Platz für Fahrräder frei.“ (ers)

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