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Ein Zugunglück, das keines ist

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Katastrophenschutz-Übung bei der Feuerwehr in Darmstadt. Einsatzkräfte besprechen den Ablauf.
Katastrophenschutz-Übung bei der Feuerwehr in Darmstadt. Einsatzkräfte besprechen den Ablauf. © Daniel Wydra

Berufsfeuerwehr probt den Ernstfall. Computerprogramm hilft Einsatzkräften bei Notaufnahmen.

Von Daniel Wydra

Dichter Rauch steigt in der Fahrzeughalle der Darmstädter Berufsfeuerwehr auf. Sirenenalarm deutet darauf hin, dass ein Einsatz unmittelbar bevorsteht. Zwei Feuerwehrleute begutachten weiße Gegenstände auf dem Boden, die aus der Ferne nicht zu erkennen sind. Anschließend geben sie über Funk Informationen zu den bisher bekannten Verletzten weiter und bitten die Kollegen, Krankenhäuser zu kontaktieren. Doch danach haben es die Einsatzkräfte nicht eilig, den Unfallort zu verlassen. Stattdessen gehen sie ruhig zu ihren Kollegen auf der anderen Seite der Halle und besprechen, was als nächstes zu tun ist. Als sich der Rauch lichtet, wird klar: Es gibt keine Opfer und gebrannt hat es auch nicht.

An diesem Tag findet auf dem Gelände der Feuerwehr eine große Katastrophenschutzübung statt. Statisten gibt es keine, an ihrer Stelle liegen Zettel auf dem Boden, auf denen erdachte Verletzungen geschildert sind. Simuliert wird ein schwerer Verkehrsunfall an einem Bahnübergang. Ein Zug ist mit einem Kleinbus kollidiert, so dass die Rettungskräfte den Unfallort von beiden Seiten anfahren müssen. „In solch einem Fall ist es besonders wichtig, dass die Kommunikation der Helfer untereinander sichergestellt ist“, sagt Roland Kirschenlohr, Sprecher der organisatori-schen Leitung des Rettungsdienstes. Insbesondere bei Zugunfällen sei die Unfallstelle schwer zu überblicken. Als Zug dient die Wand zwischen zwei Räumen der Fahrzeughalle.

Damit die Verwundeten im Ernstfall möglichst schnell versorgt werden könnten, benötigt die Feuerwehr Unterstützung. „Die Einsatzkräfte müssen nicht nur mit der Leitstelle, sondern auch mit den Krankenhäusern gut zusammenarbeiten“, sagt Johann Braxenthaler, Leiter der Berufsfeuerwehr. Dementsprechend sind auch Notärzte, alle Darmstädter Kliniken sowie das Kreiskrankenhaus Groß-Umstadt an der Übung beteiligt.

Bei der Simulation wird auch ein Computerprogramm eingesetzt. Die Einsatzkräfte tragen direkt am Unfallort in das System ein, ob eine verletzte Person sofort behandelt werden muss. „Das System wird bundesweit verwendet, alle Krankenhäuser haben darauf Zugriff“, sagt Eberhard Göckel, organisatorischer Leiter des Einsatzes. Anhand der Schwere der Verletzung empfiehlt das Programm ein geeignetes Krankenhaus, welches daraufhin automatisch informiert wird. Die Kliniken geben im Programm an, wie viele Patienten sie aktuell ambulant, stationär oder intensivmedizinisch versorgen können.

Laut Kirschenlohr kann mit dem Programm viel Zeit gespart werden, da die Leitstelle nicht kontaktiert werden muss. Diese werde somit entlastet und der Patient könne schneller behandelt werden. „Ab der Diagnose dauert es nur wenige Sekunden, bis feststeht, welches Krankenhaus angefahren wird.“ Die Notaufnahmen könnten sich auch besser vorbereiten. „Gerade bei Unfällen mit vielen Verletzten ist es wichtig, dass die Ärzte vor der Behandlung so viele Informationen wie möglich bekommen“, erklärt Göckel. Zusätzlich würden die Kliniken durch ein akustisches Signal verständigt. Die Einsatzkräfte benötigten lediglich ein Tablet mit Internetzugang, um das Programm zu nutzen.

„Bis die Übung vollständig ausgewertet ist, dauert es etwa ein halbes Jahr“, sagt Jens Rönnfeldt, stellvertretender Leiter der Berufsfeuerwehr. Seine erste Einschätzung ist jedoch positiv. Zu Beginn der Übung habe es zwar kleinere technische Probleme mit den Funkgeräten gegeben. Doch im Notfall hätten alle 25 Verletzten innerhalb von einer Stunde versorgt werden können. Braxenthaler betont, dass es durch das Computerprogramm bei Großeinsätzen deutlich seltener zu Fehlinformationen komme. „Es hilft uns, aufzupassen, dass keine Informationen verlorengehen.“

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