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Züge brausen durch Brückenbaustelle

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Von: Claudia Kabel

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Die Züge fahren durch das neue Bauwerk in der Hilpertstraße.
Die Züge fahren durch das neue Bauwerk in der Hilpertstraße. © C. Kabel

Die Stadt Darmstadt erneuert unter schwierigen Bedingungen drei Überführungen über die Rhein-Neckar-Bahn. Der erste Rohbau steht.

Datenkabel, die nicht da in der Erde liegen, wo sie sollen, ein 30 000-Volt-Kabel, von dem keiner weiß, was es tut, und Arbeiten, bis der nächste ICE vorbeirauscht: Unter schwierigsten Bedingungen erneuert die Stadt Darmstadt derzeit zwei marode Straßenbrücken über die Bahnstrecke Frankfurt–Mannheim. Erst vor wenigen Wochen wurde für die Installation der Fertigteile des neuen Bauwerks im Bereich der Hilpertstraße und den Abriss der Stirnwegbrücke Am Kavalleriesand der Zugverkehr ein ganzes Wochenende lang gesperrt.

Zwölf Bauteile – 30 Meter lang, 80 Tonnen schwer – wurden per Schwertransport und Polizeibegleitung angeliefert und mit einem Spezialkran zentimetergenau eingepasst. Parallel dazu brachen vier Bagger die nahe gelegene Stirnwegbrücke ab, die Schläge hörte man kilometerweit. „Ein wichtiger Meilenstein im Gesamtprojekt ist damit erreicht“, sagte Baudezernentin Barbara Boczek (Grüne) bei einer Besichtigung am Dienstag. Das künftige Brückenbauwerk ist im Rohbau bereits sichtbar. Eine spezielle Schalung ermögliche die von den Architekten vorgegebene Form. Zu erkennen ist eine in beide Achsen räumlich gekrümmte Fläche. Die neue Brücke, die neben der bestehenden errichtet wird, wird mit 18 Metern sechs Meter breiter sein und über einen zusätzlichen Radfahrstreifen verfügen. Auch sollen Gehweg sowie Rechts- und Linksabbiegespuren breiter werden. Geplant ist, dass die Brücke ab August befahrbar ist. Im September soll die mehr als 100 Jahre alte bisherige Brücke abgerissen werden. Gleichzeitig sollen während einer erneuten Sperrpause bei der Bahn die neuen Träger für die Stirnwegbrücke eingehoben werden. Auch sie wird breiter sein als die alte; ihre Fertigstellung peilt die Stadt fürs Frühjahr 2019 an.

„Die beiden Brücken sind wichtig für die Erschließung des neuen Gewerbegebiets Süd-West“, betonte Boczek. Es sei eines der größten Bauprojekte in diesem Jahr. Die Kosten für das Gesamtprojekt beziffert der Abteilungsleiter des Straßenverkehrs- und Tiefbauamtes, Reinhold Schuster, auf 11,8 Millionen Euro. 53 Prozent davon übernehme die Deutsche Bahn. Doch bei der Stadt kalkuliert man bereits mit einer noch nicht bezifferbaren Kostensteigerung durch Verzögerungen im Bauablauf. Im Vorfeld hatten etwa fehlerhafte Angaben zur Lage von Kabeln auf dem Bahnareal den Beginn einzelner Arbeiten gestört, sagte Schuster. Es kam zu Nachzahlungsforderungen, die derzeit geprüft würden.

Ein solches Großprojekt könne man nicht in allen Details durchplanen. Auch sei man es nicht gewohnt, um jede Stunde zu verhandeln, die man frei arbeiten könne. „Eine Vollsperrung hat bei der Bahn einen Vorlauf von 31 Wochen“, erläuterte Projektleiter Taghi Nazari. Wenn beide Brücken fertig sind, könne der Neubau der Brücke in der Rheinstraße beginnen, kündigte Boczek an. Auch diese sei sehr marode, wie jüngste Untersuchungen gezeigt hätten.

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