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Macht Computerspielen aggressiv? Mit zwei Sozialpädagogikstudenten  wird vor dem Messebesuch diskutiert.
Macht Computerspielen aggressiv? Mit zwei Sozialpädagogikstudenten wird vor dem Messebesuch diskutiert. © Günther Jockel

Computerspiele testen und schauen, was es Neues auf dem Markt gibt – das wollen 14 Jugendliche aus dem Landkreis. Am Samstag fahren sie zur Computerspielmesse nach Köln. Zwei Studenten kommen mit.

Computerspiele testen und schauen, was es Neues auf dem Markt gibt – das wollen 14 Jugendliche aus dem Landkreis zwischen zwölf und 16 Jahre auf der Gamescom in Köln. Gemeinsam mit zwei Studenten der Sozialpädagogik fahren sie am Samstag zur größten Messe für interaktive Spiele und Unterhaltung in Europa.

Im Vordergrund soll dabei aber nicht der Spaß stehen, sondern der Bildungsaspekt: Das große Thema lautet Computersucht: „Wir wollen den Kindern beibringen, den PC zu nutzen, aber genussorientiert“, sagt Daniela Hirsch, Leiterin der Kinder- und Jugendförderung im Landkreis Darmstadt-Dieburg. „Bei manchen Kindern besteht schon die Gefahr, dass sie den Aus-Schalter nicht mehr finden.“

Vergangene Woche haben sich Betreuer und Teilnehmer vorab im Landratsamt in Kranichstein getroffen, um die Fahrt nach Köln vorzubereiten. Dafür haben sich die Betreuer Jasmin Enders und Johannes Adami Gedanken im Vorfeld gemacht. „Die Kinder sollen verstehen, warum es auf manche Spiele eine Altersbeschränkung gibt und dass diese durchaus sinnvoll sind“, erklärt Hirsch. So wie auch bei Filmen seien betont gewaltätige Spiele nur für Erwachsene geeignet, deren Persönlichkeit bereits entwickelt sei.Nicht alle minderjährigen Teilnehmer spielen zu Hause ausschließlich ihrem Alter entsprechende Spiele. Kai (12) aus Münster zum Beispiel spielt am liebsten „God of War 3“. Das ist erst ab 18 freigegeben, „aber meine Mutter hat es mir trotzdem erlaubt, weil ich mich so darauf gefreut habe“, sagt er. „God of War“ (Kriegsgott) ist ein Kriegsspiel. Verursacht das beim Spieler Aggressionen oder bleibt das Zocken ohne Wirkung?

Solche Fragen sollen geklärt, Vorurteile geprüft und gegebenenfalls ausgeräumt werden. Dafür hat Betreuerin Jasmin Enders Thesen vorgelesen, die die Kinder bewerten und einordnen sollen. Eine davon ist: „Ballerspiele verursachen Amokläufe“.

Fast alle Kinder sind überzeugt, dass diese These grundsätzlich nicht zutrifft. Sarah (14) aus Groß-Umstadt denkt allerdings differenzierter: „Es kommt darauf an, welche Spiele man spielt und wie oft“, und ihr Bruder Johannes (12) fügt hinzu: „Es kommt auch auf den Charakter des Spielers an.“ Felix (13) aus Weiterstadt hält dagegen: „Die Spiele sind doch alle unrealistisch. Im wahren Leben kann man nicht einfach wieder aufstehen, nachdem man erschossen wurde.“ Deswegen könne man einen Zusammenhang ausschließen, sagt er.

Beide Parteien haben gute Argumente. Betreuerin Jasmin Enders erklärt: „Ballerspiele alleine können keine Amokläufe verursachen, da müssen schon mehrere Faktoren zusammen kommen.“ Wenn zum Beispiel Außenseiter, die keine Freunde haben oder Menschen, die nie gelernt haben, mit Frust umzugehen, solche Spiele spielen, könne das einen Amoklauf begünstigen. „Aber auch dann muss jemand sehr gewaltbereit sein“, ergänzt ihr Kollege Johannes Adami.

Auch das Suchtpotenzial von Computerspielen sei gering: „Grundsätzlich machen die Spiele nicht süchtig, insgesamt bergen nur fünf bis neun Prozent der Spiele Gefahren“, sagen die Betreuer. Aber auch hier müssten mehrere Faktoren zusammenkommen, bis sich eine Sucht entwickeln könne. Grundsätzlich versuchen sie, den Kindern einen kritischen Umgang mit den Spielen in Köln zu vermitteln. ( stin)

Die Gamescom beginnt heute und geht bis Sonntag, 22. August. Mehr als 480 Aussteller sind in Köln dabei.

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