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Zitterpartie um Hortplätze

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Berufstätige Eltern wissen vor der Einschulung oft nicht, wo ihre Kinder betreut werden. Ein zentrales Anmeldesystem soll Planungssicherheit für die Eltern schaffen. Im Herbst soll dies in Darmstadt installiert werden.

Berufstätige Eltern wissen vor der Einschulung oft nicht, wo ihre Kinder betreut werden. Ein zentrales Anmeldesystem soll Planungssicherheit für die Eltern schaffen. Im Herbst soll dies in Darmstadt installiert werden.

Wenn alles läuft wie geplant, sind die Kinder, die nach den Sommerferien in die Schule kommen, der letzte in der Luft hängende Jahrgang, was ihre Betreuung betrifft. Fürs kommende Jahr soll das zentrale Anmeldesystem in Darmstadt endlich stehen. Für die Eltern ist die jetzige Situation unerträglich.

Stadt sucht nach Lösung

Im Hort ihrer Tochter hatte man ihr keine Hoffnung gemacht. Alle vier Plätze, die in diesem Jahr frei wurden, mussten an Härtefälle vergeben werden. In der vergangenen Woche kam dann doch die Entwarnung: Auch der Sohn hat noch bei seiner großen Schwester im Hort der städtischen Kita einen Platz bis spätnachmittags gefunden. Doppelt Glück gehabt. Denn die Hortplätze mit ihrer Regelbetreuungszeit bis 17 Uhr werden nicht weiter ausgebaut, wie Jugenddezernentin Barbara Akdeniz (Grüne) berichtet. Sie ist für Kitas und damit für die Betreuung von Schulkindern in Horten zuständig, Schuldezernent Rafael Reißer (CDU) für die Betreuung von Kindern an Grundschulen. Auf den Ausbau dieser Betreuung will die Stadt künftig den Schwerpunkt legen. Hintergrund ist die vom Land beschlossene Einführung der Ganztagsschule bis 2016. Kuriosum am Rande: Drei- bis Sechsjährige haben seit 1996 Anspruch auf einen Kindergartenplatz. Für Kinder zwischen eins und drei Jahren (U3) tritt der Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz am 1. August in Kraft. Für Schulkinder (Ü6) gibt es zwar eine Schulpflicht, aber keinen gesetzlichen Anspruch auf Betreuung. Ihr Ausbau durch die Stadt ist also keine Pflichtleistung, wie Schuldezernent Reißer betont.

Gleichwohl könne man die Eltern nicht im Regen stehen lassen, sagt Akdeniz. „Wir versuchen, das strategisch zu entwickeln, aber das braucht Zeit.“ Für die Grundschulbetreuung müssten Schulgebäude ausgebaut werden. Wie Reißer betont auch Akdeniz, sich in jedem Fall um eine Lösung zu bemühen. Das erkennt die Initiative 1Kind, 1Platz ausdrücklich an. „Aber es gibt Jahr für Jahr zwei Probleme“, stellt Natascha Bagherpour fest. Erst komme die Absage, dann bemühe sich die Stadt um eine kurzfristige Lösung. Und die werde in der Regel auch gefunden – aber so kurzfristig, dass die Eltern keine Planungssicherheit haben.

Die Initiative bemängelt daher in einem offenen Brief, dass die Darmstädter Familien bis zur geplanten Umsetzung der Ganztagsschule weitgehend im Stich gelassen würden. „Wir müssen Betreuungsketten aufstellen“, stimmt Jugenddezernentin Akdeniz zu. Dass die bei Sechsjährigen nicht enden könne, sei völlig klar. Die Frage sei die der Ausgestaltung. Die grün-schwarze Koalition habe sich auf den Ausbau der Ganztagsschule mit pädagogischem Konzept verständigt. Der „riesige Druck“ von vor den Sommerferien falle ohnehin mit Schuljahresbeginn oft „ins Nichts zusammen“, wenn die Mehrfachanmeldungen bereinigt würden, beschreibt Reißer. Immerhin soll dieses Problem künftig wegfallen: Im Herbst will die Stadt ihr zentrales Anmeldesystem installieren. Damit wird jedes Kind nur einmal registriert und nicht mehr in jeder Einrichtung, in der es vorsorglich angemeldet wurde. rwb

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