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Zeuge will nicht aussagen

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Ein verurteilter Mörder will in einem Prozess gegen Dealer nur dann aussagen, wenn ihm ein Anwalt als Beistand gewährt wird. Die Richter lehnen dies ab.

Der seit Ende 2015 vor dem Darmstädter Landgericht laufende Prozess gegen drei Männer aus Darmstadt-Eberstadt kommt nicht voran. Den Angeklagten im Alter zwischen 25 und 31 Jahren wird Handel mit Marihuana, Amphetamin und Kokain im Kilogramm-Bereich vorgeworfen.

Der Prozess dreht sich derzeit noch immer um einen weiteren Mann, der Ende Mai 2012 einen Drogendealer in einer Anlage der TG Bessungen erschossen hatte und nun als Zeuge aussagen soll. 2013 war er wegen Mordes verurteilt worden und wegen seiner Drogensucht in eine Klinik für forensische Psychiatrie eingewiesen worden. Dieser Zeuge hatte allerdings Anfang Juni erklärt, nur dann aussagen zu wollen, wenn er einen Anwalt als Beistand bekomme.

Gericht lehnt Anträge ab

Das Gericht sieht aber keinen rechtlichen Grund, diesen Beistand zu gewähren und lehnte entsprechende Anträge der Verteidiger ab. Das Gericht glaubt nicht daran, dass der Zeuge mit Beistand aussagen würde. Eine erste Aussage im Januar endete rasch im Schweigen. Beugehaft schien den Mann, der zu zehn Jahren Haft verurteilt worden war, nicht zu schrecken.

Auch die Staatsanwaltschaft glaubt nicht an die Aussagewilligkeit des Zeugen. Dessen Briefe ließen diesen Schluss ebenfalls nicht zu. „Wenn er aussagen wollte, hätte er das einfach so formulieren können“, lautete die Einschätzung von Staatsanwalt Jens Neubauer.

„Man scheint den Zeugen zu scheuen, wie der Teufel das Weihwasser“, vermutete hingegen dessen Verteidiger Michael Oberwinder. Man habe doch schließlich nur diesen Zeugen sowie die Freundin des Erschossenen: „Ich erwarte ja nicht, dass die Aussage für uns günstig ist“, aber man müsse das doch aufklären.

Die Verteidiger mutmaßten zudem, dass die Polizei „nicht mit der gebotenen Neutralität“ gegen ihre Mandanten ermittelt habe. Die Verteidiger sahen zudem Hinweise darauf, dass die Freundin des Erschossenen wusste, wer die unter den Zuschauern sitzende Mutter eines Angeklagten ist, obwohl sie offiziell erklärt hatte, die Frau nicht zu kennen.

Der Prozess wurde nach kurzer Verhandlung auf den kommenden Dienstag, 5. Juli, vertagt. Verteidiger Rüdiger Böhm kündigte an, ihm jetzt überlassene Briefe des aussageunwilligen Zeugen und dessen früheren Anwalts zunächst durcharbeiten zu müssen. mawi

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