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Zeitreise in Bildern

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Dieses Foto, vermutlich aus dem Winter 1938/39, zeigt die Stadtkapelle, deren Ruine heute Mahnmal für die Brandnacht ist.
Dieses Foto, vermutlich aus dem Winter 1938/39, zeigt die Stadtkapelle, deren Ruine heute Mahnmal für die Brandnacht ist. © Sammlung Ludwig

Aus Liebe zu seiner Heimatstadt hat Grafikdesigner Michael Grim ein Internetportal errichtet. Dort können Darmstädter ihre historischen Fotos der Stadt einstellen, so dass ein nostalgisches Bilderbuch der Stadt entsteht.

"Warum in die Stadt reinlaufen? Bei Künzel kannst du günstig kaufen!“ Mit diesem Sprüchlein warb einst ein Kiosk in der Bessunger Straße für sich. Alten Bessungern bleibt so was im Gedächtnis – Lothar Grim (63) zum Beispiel, der in seinem Herzen alles speichert, was mit der Heimat zu tun hat. Kein Wunder also, dass Michael Grim (51) sich immer dann an den älteren Bruder wendet, wenn er etwas Darmstädtisches ganz genau wissen will.

Auch Michael Grim ist in der Wolle gewirkter Heiner, geboren in der Kiesstraße 27. Michael Grim hat neuerdings viele Fragen zu Darmstadt, denn er hat ein nostalgisches Heimat-Portal im Internet errichtet: „www.dein-darmstadt.de“. Nicht „mein Darmstadt“ – das ist entscheidend. Hier trägt nicht ein leidenschaftlicher Darmstädter seine Lieblingsanekdoten vor – hier sammelt jemand, was ihm die Darmstädter zutragen.

Und zwar Fotos. „Dein Darmstadt“ ist eine Art digitales Fotoalbum, in das jeder einkleben kann, was er daheim in alten Schachteln findet. Egal, ob Papierbilder, Postkarten, Dias. Wie jeder Sammler hofft Grim natürlich auf den sensationellen Dachbodenfund – die Koffer des Urgroßvaters, die in den vergangenen 60 Jahren keiner mehr angerührt hat.

Darmstadt-Fotos sammeln und publizieren: Warum macht man das? Michael Grims Antwort ist lapidar: „Eine natürliche historische Verbundenheit zu Darmstadt hat doch jeder, der hier aufgewachsen ist.“

Fotos nicht einfach sammeln, sondern ordnen

Sein Bruder hätte es wohl genauso formuliert. Beide arbeiten übrigens in artverwandten Berufen, Lothar Grim, gelernter Werbefotograf, in einer Frankfurter Agentur, Michael Grim, gelernter Tiefdruckretuscheur, als selbstständiger Grafikdesigner. Der Weg, die Heimatliebe digital zu verankern, war da naheliegend – und dennoch weit. Zwei Jahre hat es gedauert, das Internetportal professionell einzurichten. Die Gestaltung hatte Grim in der Hand – programmieren mussten andere.

Grim will damit nicht in Konkurrenz zum Stadtarchiv treten. Zumal manche der Fotos, die bei Grim eintreffen, schon veröffentlicht sind oder aus bekannten Beständen stammen – das oben gezeigte Farbbild etwa aus der reichen Dia-Sammlung des legendären Altstadt-Fotografen Ernst Luckow, die im Stadtarchiv von Friedrich Wilhelm Knieß mit großer Hingabe betreut wird.

Grim sieht sich einfach als Vermittler „von Darmstädtern für Darmstädter“. Aber wie kommen die historischen Ansichten ins Netz? „Ältere Leute haben ja kaum einen Scanner zuhause stehen“, weiß Grim. Also hat er sich was ausgedacht – und kooperiert nun mit dem Fotogeschäft Hauschildt. Dort kann jedermann kostenlos alte Darmstadtfotos scannen lassen und bekommt sie danach wieder zurück.

Seit zwei Wochen ist die Seite freigeschaltet, und so langsam spricht sich der Service herum. Ein Eberstädter Orthopäde schickte dieser Tage Grim eine CD mit hundert historischen Bildern. Grim will die Fotos nicht einfach sammeln, sondern ordnen, und die drei meistbetrachteten werden jeweils zu „Bildern des Monats“ erklärt. Allerdings fehlt ihm die Zeit, Aufnahmeort und -datum zu recherchieren. Auch da ist er auf die Hilfe alter Darmstädter angewiesen.

Was aber soll aus dem allmählich anwachsenden Schatz werden? Bilder im Computer kann man schließlich nicht anfassen, und den Computer selbst auch nicht so komfortabel mit sich führen wie ein Buch. „Ein Buch?“ fragt Grim. „Ach, daran habe ich überhaupt nicht gedacht. Ich bin einer, der beginnt mit kleinen Schritten.“ (ers.)

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