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Zeichen stehen auf Wechsel

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Partsch (Grüne, links) und Hoffmann (SPD) treten an.
Partsch (Grüne, links) und Hoffmann (SPD) treten an. © Roman Grösser

Für den erstaunlichen Erfolg von Jochen Partsch im ersten Durchgang der Oberbürgermeister-Wahl hat der städtische Statistik-Leiter Günther Bachmann einen entscheidenden Faktor ausgemacht: die Senioren.

Für den erstaunlichen Erfolg von Jochen Partsch im ersten Durchgang der Oberbürgermeister-Wahl hat der städtische Statistik-Leiter Günther Bachmann einen entscheidenden Faktor ausgemacht: die Senioren. Dem Grünen-Kandidaten sei es gelungen, tief in diese bisher zu SPD und CDU neigende Wählerklientel einzubrechen. Partsch hatte mit 37,4 Prozent Amtsinhaber Walter Hoffmann (SPD, 29 Prozent) weit hinter sich gelassen. Beide treten am Sonntag, 10. April, in einer Stichwahl gegeneinander an.

Das Ergebnis einer nicht repräsentativen Befragung um die Mittagszeit auf dem Marktplatz fiel tatsächlich deutlich aus: Die Wechselstimmung in der Stadt hat sich seit dem ersten Wahlsonntag keineswegs verflüchtigt.

„Ich würde für einen Wechsel plädieren“, sagt beispielsweise Sieglinde Arnold. Die 61-jährige Bessungerin hat sich „zu 90 Prozent entschieden“, dem Herausforderer Partsch ihre Stimme zu geben. „Es soll einmal eine andere Konstellation zum Zuge kommen.“

„Ein Wechsel ist grundsätzlich richtig in der Politik“, meint auch ein 67-jährige Bessunger, der seinen Namen nicht nennen möchte. „Ich halte Herrn Partsch für einen soliden, aufgeschlossenen, politisch munteren Menschen. Herr Hoffmann hat sich dagegen in Parteiquerelen verstrickt und wirkt langsam politisch ermüdet.“

„Ich denke Walter Hoffmann ist schon ein Guter“, findet hingegen Klaus Hoffmann (64). „Aber er hat in den eigenen Reihen zu kämpfen. Es wird wohl der Herr Partsch sein. Neue Power ist gut, aber er wird sich bewähren müssen – das ist kein leichtes Amt.“ „Den Grünen“ will Ulrike Petri wählen. „Ich bin sowieso für die Grünen. Das ist ein neuer Mann, der neue Ideen bringt und ganz sympathisch wirkt. In Hoffmanns Partei gibt es viel Neid und Missgunst.“

Stichwahl am Sonntag

Wolfgang Haefele hat sich noch nicht entschieden. Grundsätzlich sympathisiere er mit den Grünen, sagt der 65-Jährige aus dem Johannesviertel – „aber für mich kommt der Kandidat nicht in Frage, weil er meine Interessen nicht vertritt. Er tut nichts für die Entlastung vom Autoverkehr. Walter Hoffmann hat mich allerdings auch enttäuscht – vor allem bei dem Schlamassel mit seiner Partei. Da kam von ihm keine Gegenwehr.“

Die Präferenz von Anne Stärker lässt sich schon an ihrem Anti-AKW-Anstecker erahnen. „Ich bin seit über 30 Jahren Atomkraft-Gegnerin“, erzählt die 54-Jährige aus dem Martinsviertel. „Für mich kommt nur der Jochen Partsch in Frage. Bei Hoffmann haben mir einige Sachen nicht gefallen, etwa die Hinterzimmer-Politik beim Sander-Museum.“

Das Sander-Museum wird auch von weiteren Befragten als klarer Minuspunkt für den Amtsinhaber genannt. Bei der Bekanntgabe der umstrittenen Baupläne an der Mathildenhöhe hatte Hoffmann am 24. Juli 2009 noch verkündet: „Dass dies die ganze Zeit unter der Decke geblieben ist, das macht mich richtig stolz.“ Dieser Satz ist ihm böse auf die Füße gefallen. Viele Senioren lesen besonders aufmerksam die Zeitung – und haben ein gutes Gedächtnis.

„Das fand ich nicht in Ordnung mit dem Museum, und dass er sich dann noch öffentlich hinstellt und stolz verkündet, dass er alles geheim gehalten hat“, erinnert sich eine grauhaarige Darmstädterin, die ihren Namen nicht nennen will. „Ich wähle den Grünen.“

Auf „unverbrauchte, ausgeruhte Kräfte“ setzt auch ein Paar aus dem Bürgerparkviertel, 68 und 71 Jahre alt. „Hier ist Stillstand eingekehrt“, sagt der Mann und betont: „Wir möchten einen Neuanfang.“ ( bad)

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