Teddys zum Kuscheln und Knuddeln in einer Einrichtung in Darmstadt, in der ausschließlich Geschwister betreut werden, die vom Jugendamt in Obhut genommen wurden.
+
Teddys zum Kuscheln und Knuddeln in einer Einrichtung in Darmstadt, in der ausschließlich Geschwister betreut werden, die vom Jugendamt in Obhut genommen wurden.

Blick nach Darmstadt

Zahl der Inobhutnahmen steigt in Darmstadt

  • Jens Joachim
    vonJens Joachim
    schließen

150 Kinder und Jugendliche wurden im vergangenen Jahr vom Darmstädter Jugendamt in Obhut genommen. Das waren 17 Kinder und Jugendliche mehr als 2018 und 39 mehr als 2017.

In Darmstadt sind im vergangenen Jahr 150 Kinder und Jugendliche vom Jugendamt in die Obhut genommen worden. Das waren nach Angaben der Stadt 17 Kinder und Jugendliche mehr als 2018 und 39 mehr als 2017.

Nach Auskunft von Klaus Fischer, dem Leiter des städtischen Sozialdienstes und stellvertretenden Jugendamtsleiter, hat die Behörde in den vergangenen Jahren „moderate Steigerungen“ bei den Inobhutnahmen registriert. Es sei dabei jedoch zu bedenken, dass es immer zu Schwankungen kommen könne, die nur schwer einzuschätzen seien, so Fischer.

Knapp 4200 Inobhutnahmen jährlich in Hessen

Die hessischen Jugendämter meldeten für das Jahr 2018 insgesamt 4181 Inobhutnahmen. Nach Angaben des Statistischen Landesamts in Wiesbaden waren dies 310 Personen oder sieben Prozent weniger als noch 2017. Bei den sogenannten „Schutzmaßnahmen für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren“, wie es bürokratisch heißt, habe es sich um die Inobhutnahme oder Herausnahme aus einem Heim, der eigenen Familie oder einer Pflegefamilie aufgrund einer akuten Gefahr für das Wohl der Kinder oder Jugendlichen gehandelt. Die Zahlen für 2019 werden derzeit im Statistischen Landesamt aufbereitet und sollen Ende Juli veröffentlicht werden.

Inobhutnahme bei Vernachlässigung

Durch die gesetzlichen Bestimmungen haben die Jugendämter nach Angaben des stellvertretenden Leiters des Darmstädter Jugendamts die Möglichkeit, Kinder und Jugendliche in Obhut zu nehmen, wenn eine akute Kindeswohlgefährdung festgestellt werde. Diese müsse von mehreren Fachkräften entschieden werden. Dieser Inobhutnahme müssten die sorgeberechtigten Eltern zustimmen oder die Behörde müsse in einer angemessenen Zeit das Familiengericht informieren, das dann entscheide.

Triftige Gründe für eine Inobhutnahme können laut Fischer etwa fehlende erzieherische Kompetenzen, Suchtprobleme, die Vernachlässigung der Kinder, Gewalt, psychische Erkrankungen oder Überforderung sein.

Jugendamt koordiniert Unterbringung

Eine Inobhutnahme sei zudem „die letzte Möglichkeit, wenn alle übrigen Hilfe- und Unterstützungsmaßnahmen nicht greifen“. Da es sich um einen Eingriff in das elterliche Sorgerecht handele, was im Grundgesetz verankert sei, müsse damit „sensibel umgegangen werden“, sagt Fischer.

Je nach Alter der Kinder und der Jugendlichen werden sie in Pflegefamilien oder in einer Inobhutnahmestelle untergebracht. Dies werde seitens des Jugendamtes koordiniert. Die Inobhutnahme sei auch nur „eine Krisenintervention und keinesfalls auf Dauer angelegt“.

Häufig ende eine Inobhutnahme mit der Rückführung ins Elternhaus, wobei das Jugendamt im Rahmen des Sozialgesetzbuchs intensive ambulante Unterstützung leiste.

Zum Thema:

In der größten Not nicht ohne die Geschwister: Geschwister werden oft getrennt. In Darmstadt hat das Projekt Petra das bundesweit erste Geschwisterhaus eröffnet.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare