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Zäher Wiederaufbau

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Von der Dampfwäscherei "Ernst Beck" sind nach dem Großfeuer nur noch Ruinen übrig.
Von der Dampfwäscherei "Ernst Beck" sind nach dem Großfeuer nur noch Ruinen übrig. © André Hirtz

Ende Dezember 2012 brennt die Wäscherei in der Darmstädter Karlstraße vollkommen nieder. Doch mit dem Wiederaufbau der Traditionswäscherei kann Besitzer Manfred Beck erst demnächst beginnen.

Es war vor neun Monaten, kurz vor Silvester. In den frühen Morgenstunden des 28. Dezember bemerkte Manfred Beck Brandgeruch. In den Lagerräumen gegenüber seiner Wohnung war Feuer ausgebrochen. Obwohl er eiligst die Feuerwehr rief, vernichtete der Brand rund 75 Prozent seiner Wäscherei in der Darmstädter Karlstraße.

Aufhören ging nicht

Auch Becks Wohnung brannte komplett aus. „Bücher, vom Großvater gemalte Bilder – alles weg“, erzählt er. Beck, dessen Vater Ernst den Wäschereibetrieb 1934 gegründet und nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut hatte, stand mit seinen 66 Jahren vor einer gravierenden Entscheidung: den Betrieb ganz schließen oder die Ärmel hochkrempeln und noch einmal von vorn anzufangen. „Einfach aufhören – das ging nicht“, meint er heute ohne den Hauch eines Zweifels. „Da hängt ja auch emotional zu viel dran. Ich fühle mich einfach den Kunden und den Mitarbeitern verpflichtet.“ Die Solidarität, die er erfahren hat, habe ihn darin bestärkt, weiterzumachen.

Und für seinen langjährigen Mitarbeiter Majdi Amro, der das Unternehmen zusammen mit Beck leitet, ist klar: „So ein Traditionsgeschäft kann man nicht einfach dichtmachen. Wir waren hier immer eine große Familie. Das soll auch so bleiben.“ Doch die Hoffnung auf einen schnellen Wiederaufbau hat sich zerschlagen. Die Entsorgung der Brandabfälle zog sich in die Länge, erst im Mai waren sie schließlich abgeräumt. Und noch immer zeugen ausgebrannte Ruinen von dem Großfeuer. Decken, wo noch vorhanden, sind abgestützt. Rußig verfärbte Fensteröffnungen sind mit Planen verhängt. Eine ausgebrannte Mangel steht noch an ihrem Platz.

Provisorisches Büro

„Mit der Versicherung ist soweit alles geklärt, so dass wir mit dem Wiederaufbau beginnen könnten“, sagt Manfred Beck. Vor zwei, drei Monaten hat er deshalb einen Abrissantrag gestellt. Ist dieser genehmigt, kann er die verbliebenen Gebäudereste abtragen lassen und dann einen Bauantrag stellen. „Bis auf einige Details soll alles wieder so werden wie vorher“, erklärt er. Baurechtlich gesehen handelt es sich jedoch um einen Neubau, so dass die Planung auch mit den Nachbarn abgestimmt werden muss. Beck schätzt, dass dafür weitere Monate ins Land ziehen. Zum Glück hat der Stillstand beim Wiederaufbau nicht auf den Wäschereibetrieb abgefärbt. „Die ersten drei Monate nach dem Brand waren zwar katastrophal“, berichtet Majdi Amro. Mittlerweile laufe das Geschäft aber „zu 70 bis 80 Prozent wieder normal“.

Ein ehemaliger Aufenthaltsraum dient nun als Büro und Wäscheannahmestelle. Auf beengtem Raum wird nebenan gewaschen und gebügelt. Von den ehemals 15 fest angestellten Mitarbeitern konnten fünf nach der zunächst ausgesprochenen Kündigung wieder eingestellt werden. „Die meisten anderen helfen stundenweise aus und bleiben so weiterhin mit uns verbunden“, sagt Amro. Den Wiederaufbau wollen er und Beck nutzen, um den Betrieb zu modernisieren, umweltfreundlicher zu machen. „Wir schauen uns schon jetzt nach entsprechenden Maschinen um“, erzählt Beck, der schätzt, dass die Versicherungssumme dafür nicht komplett ausreicht. „Aber ich häng’ mich da noch mal richtig rein. Und wenn in zwei bis drei Jahren alles wieder läuft, kann ich mich langsam aus dem Geschäft zurückziehen.“ Da Becks Tochter kein Interesse an der Wäscherei hat, will Majdi Amro den Betrieb weiterführen. Er ist sicher: „Mit Qualität und Service werden wir auch in Zukunft unsere Kunden überzeugen.“ (wka)

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