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Wunschkandidatin Zypries

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Wird Brigitte Zypries kandidieren?
Wird Brigitte Zypries kandidieren? © getty

Die Darmstädter SPD steht nach der gescheiterten Nominierung Walter Hoffmanns zum OB-Kandidaten vor einem Trümmerhaufen. Jetzt soll Brigitte Zypries bei der Wahl ins Rennen geschickt werden. Von Frank Schuster

Von Frank Schuster

Ein Scherbenhaufen. Am Tag zwei nach dem überraschenden Votum des Unterbezirksvorstands gegen eine Kandidatur von Oberbürgermeister Walter Hoffmann für eine zweite Amtszeit steht die Darmstädter SPD, die seit über 60 Jahren in der Südhessenmetropole regiert, vor einem Trümmerfeld. Der OB, direkt von den Bürgern gewählt, hat nun keinen Rückhalt in seiner eigenen Partei. Er schloss in einem Interview nicht aus, 2011 auch als unabhängiger Kandidat anzutreten.

Ein großer politischer Schaden für die SPD, die bereits bei der vergangenen Kommunalwahl ihr schlechtestes Nachkriegsergebnis erzielte und sich nur über ein Bündnis mit Grünen und FDP in die Regierung retten konnte. "Das ist eine der schwierigsten Situationen, in der die Darmstädter Sozialdemokraten seit dem Krieg stecken", sagt der Darmstädter Landtagsabgeordnete und Mitglied des SPD-Unterbezirksvorstands, Michael Siebel.

Dennoch geht sein Blick nach vorne: Er sitzt in der achtköpfigen Findungskommission, die nun einen neuen Kandidaten für die OB-Wahl im nächsten Jahr suchen muss. Siebel benennt seine Wunschkandidatin: die Darmstädter Bundestagsabgeordnete und ehemalige Bundesjustizministerin Brigitte Zypries. Er folgt damit der Aussage des SPD-Unterbezirkschefs und Stadtkämmerers Wolfgang Glenz, wonach sich momentan kein Kandidat aus der Darmstädter Kommunalpolitik anbiete. Zypries wollte sich am Mittwoch nicht zu einer Kandidatur äußern.

Führungsstil kritisiert

Für Zypries sprächen ihre Prominenz und Beliebtheit, so Siebel. "Sie spricht alle Bevölkerungsschichten mit Herz und Verstand an." Siebel und Fraktionschef Hanno Benz, Sohn des ehemaligen OB Peter Benz, wurden zunächst ebenfalls als Kandidaten gehandelt. Sie treten jedoch beide nicht an und sind Mitglieder der Findungskommission.

Auch eine weitere prominente Sozialdemokratin scheidet aus: die als Abweichlerin vom Linkspartei-Kurs von Andrea Ypsilanti in die Schlagzeilen geratene ehemalige hessische Landtagsabgeordnete Dagmar Metzger. Sie stammt aus einer Darmstädter Familiendynastie, die sie geradezu für das OB-Amt prädestiniert: Sie ist Schwiegertochter des ehemaligen OB Günther Metzger, der wiederum Sohn des ersten Darmstädter Nachkriegs-OB, Ludwig Metzger, ist. Metzger will sich jedoch nach eigener Aussage nicht für das Amt zur Verfügung stellen.

Hoffmann war bei seinen Parteifreunden in Ungnade gefallen, weil er nicht zugleich als Spitzenkandidat bei der nächsten Kommunalwahl und als OB-Kandidat antreten wollte. "Das kann man dem Bürger doch gar nicht vermitteln", sagte Hoffmann. Er schließt nicht aus, dass der Grund vorgeschoben ist. Die SPD hatte seinen Führungs- und Kommunikationsstil kritisiert. Sie warf ihm Alleingänge bei wichtigen Themen wie dem ICE-Halt oder der Nordostumgehung vor. Elf von 21 Vorstandsmitgliedern hatten sich in einer geheimen Wahl gegen Hoffmann ausgesprochen, acht für ihn, zwei enthielten sich.

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