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Der Woogplatz verwildert

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Hier könnte ein Schattenplatz zum Verweilen entstehen.
Hier könnte ein Schattenplatz zum Verweilen entstehen. © Roman Grösser

"Junge Alte" wollen den unwirtlichen Anti-Ort verschönern. Ihr Vorschlag: Aufräumen. Weniger Parkplätze und eine freie mit Kies und Rasen gestaltete Innenfläche.

Die junge Frau hält entgeistert das blaue Papierchen hoch. "Jetzt habe ich zehn Minuten hier gestanden. Wieso kriege ich einen Strafzettel?" - "Weil Sie die Parkscheibe nicht ausgelegt haben. Dann hätten Sie hier sogar zwei Stunden lang stehen dürfen", sagt Horst Hansmann. "Aber wo steht, dass man die Parkscheibe braucht?" - "Ja sehen Sie", antwortet Hansmann, "das ist wieder so eine Spezialität dieses Platzes. Ein Schild gibt es hier nirgends, das steht oben an der Mühlstraße."

"Dieser Platz", das ist der Woogsplatz, ein unwirtlicher Anti-Ort, umgrenzt von ebenso unansehnlichen Straßen. Zugleich ein authentischer Rest der ehemaligen Altstadt, denn das Plätzchen gab es seit jeher. Einst eine der wenigen Gelegenheiten, inmitten der winkligen und muffigen Gassen einmal richtig Luft zu schnappen.

Ort mit Geschichte

Am nördlichen Rand - jetzt der Spielplatz - stand die neugotische städtische Turnhalle; auch die anderen Seiten waren dicht bebaut; die Stadtmauer war, anders als heute, nicht zu sehen. Bis auf das Weinhaus Schulz sank alles in den Bombennächten von 1943 und 1944 in Trümmer.

Und heute? Hansmann steht auf dem Bürgersteig der Gasse "Am Kleinen Woog" und ist einfach nur sprachlos. "Da braucht man doch auch nichts mehr zu sagen, oder?" Hansmann begutachtet die Situation mit seinem Kollegen Reinhard Naumann; beide gehören der Initiative "Junge Alte mischen sich ein" an. Die Gruppe besteht seit 2002; "der Woogsplatz war einer unserer ersten Ortstermine", entsinnt sich Naumann.

Hoffnung auf Besserung keimte mit dem Projekt der Offenlegung des Darmbachs. Denn dessen Verfechter hatten sich auch des Woogsplatzes und des Geländes nördlich davon angenommen und eine durchdachte Grünplanung vorgelegt. Deswegen verfolgten die "Jungen Alten" die Entwicklung des Woogsplatzes zunächst nicht weiter.

Dann aber platzte das Darmbachprojekt und die "Jungen Alten" setzen sich wieder verstärkt für den Woogsplatz ein. Die beiden Männer verweisen darauf, dass erst vor wenigen Jahren der südlich gelegene Kapellplatz umgestaltet wurde - sehr manierlich, zugleich ohne allzu großen Aufwand. "So stellen wir uns das hier auch vor", sagt Naumann. "Da muss nichts Bombastisches geschehen. Bloß ein bisschen aufräumen und die Straßen machen."

Autos parken kreuz und quer

Die Straßen sind das eine. Sie tragen noch das Altstadtpflaster, doch es wurde immer wieder darüber asphaltiert, so dass eine Flickenlandschaft entstand. Das andere ist der Verkehr auf den Straßen. Der Woogsplatz dient seit Jahrzehnten als Parkplatz - allerdings als besonders chaotischer. Es kommen hier etwa 30 Autos, mehr oder minder kreuz und quer, unter.

"Aufräumen" hieße, das Parken zu ordnen, auf die Ränder zu beschränken, die Platzinnenfläche freizulegen und mit Kies oder Rasen zu gestalten. Das würde zwar den Verlust von zwölf Parkplätzen bedeuten, aber auch den Gewinn eines Ruhepols wie es nahe der Innenstadt keinen zweiten gibt.

Immerhin stehen auf dem Woogsplatz nicht nur Autos, sondern auch Bäume. Zehn Platanen, dazu Kastanien und Linden. Wo sonst im Stadtkern hat man ein so schattiges Plätzchen? "Dann noch einige Bänke - das wär´s", sagt Naumann. (ers)

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