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Der Woog hält was aus

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Nur wenige Großstädte haben einen richtigen Badesee in ihren Grenzen - die Darmstädter wissen, was sie an ihrem Großen Woog haben.
Nur wenige Großstädte haben einen richtigen Badesee in ihren Grenzen - die Darmstädter wissen, was sie an ihrem Großen Woog haben. © Joachim Storch

Die Wasserqualität des Badesees ist nach wie vor gut - trotz 9000 Schwimmern am Tag. 26 Grad ist er zurzeit warm.

Dass der Große Woog wegen Salmonellen geschlossen werden soll, stellt sich an der Kasse der Insel als Gerücht heraus. "Das wüssten wir", sagen die Mitarbeiter. "Hier werden regelmäßig Wasserproben genommen, alles ist in Ordnung." Die beiden jungen Männer, die gestern früh nach den Salmonellen gefragt haben, gehen beruhigt zur Liegewiese und schwimmen kurz darauf im 26 Grad warmen Wasser.

Auch dass es in diesem Jahr mehr Algen gebe als in den Vorjahren, kann Schwimmmeister Uwe Bauer nicht bestätigen. Zu Beginn der Saison habe es tatsächlich ein paar Tage lang seltsame Rückstände gegeben, die sich auf der Haut absetzten, erinnert sich Bauer. "Das war Anfang Juni, an zwei oder drei Tagen."

Der Bademeister führt das auf den kalten Saisonstart zurück. Das Wasser hatte 14 Grad, und das bis in den Juni hinein, sagt Bauer. Dann erwärmte sich das Wasser in wenigen Tagen auf 18 Grad, "und dann kamen diese kleinen Ablagerungen". Bauer ließ sofort Proben nehmen und das Wasser überprüfen - "aber es war okay".

Das Wasser im Woog und den anderen Naturbadeseen muss regelmäßig vom Hessischen Institut für Umwelt und Geologiekontrolliert werden. "Die Qualität ist biologisch gesehen sehr gut", sagt Heinrich Mink, Betriebsingenieur des Eigenbetriebs Bäder. "Wir haben Spitzenwerte, die Bakteriologie ist in Ordnung."

Die letzte Messung habe einen Blaualgenanteil von lediglich drei Prozent ergeben. Kritisch werde es erst ab 50 Prozent, erklärt Mink. Allerdings habe das Woogswasser in diesem Jahr eine etwas andere Färbung, es sei bräunlicher als in den Vorjahren. Untersuchungen ergaben jedoch nichts Auffälliges - "im Gegenteil", sagt Mink. Was die Schwimmer zum Teil spüren, sei krauses Laichkraut. "Diese Unterwasserpflanzen fördern die Wasserqualität", sagt er. An den Schilfwurzeln und dem Laichkraut setze sich der Schlamm ab, "das hat die Wirkung eines Filters". Den Woog zu entschlammen, sei nicht so einfach, sagt Mink. Der Badesee müsste dann mindestens eine Saison geschlossen werden, die Unterwasserflora wäre weg.

Derzeit werde ein Gutachten erstellt, das Einflüsse durch Badegäste, Enten, Wasservögel, Fische und den Darmbach berücksichtigt. "Erst danach können wir Rückschlüsse ziehen, wie die Qualität des Badens noch verbessert werden kann." Die Sichttiefe im Woog beträgt 80 Zentimeter, vor Jahren konnte man noch bis zum Grund schauen.

Die hohen Temperaturen und die vielen Besucher belasten den See sehr. An heißen Wochenenden wie vor einer Woche kommen 9000 Badegäste pro Tag. "Danach muss sich das Wasser erst mal regenerieren", sagt Bauer. Mehr Sorgen bereiten dem Schwimmmeister die nächtlichen Gäste, die nach Ende der Badezeit über den Zaun steigen, Unrat ins Wasser werfen und Müll liegen lassen. "Wir fangen morgens eine Stunde früher an, um alles aufzuräumen", sagt Bauer. "Das ist die andere Seite des schönen Wetters." (an)

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