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Darmstadt, 16.12.2021
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Darmstadt, 16.12.2021

Darmstadt

Wohnungslos in Darmstadt: 80 Menschen feiern schon mal Weihnachten

  • Claudia Kabel
    VonClaudia Kabel
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Manche schlafen auf dem Friedhof in Darmstadt, andere in leerstehenden Häusern: Für viele Wohnungslose wird Heiligabend dunkel, kalt und einsam.

Durch Corona fallen die, die sowieso schon unten sind, noch tiefer“, sagt Alex. Der 45-Jährige ist gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Betty zur Weihnachtsfeier in die Teestube in Darmstadt gekommen – einer Anlaufstelle für Wohnungslose.

Der Austausch mit anderen sei sehr wichtig, sagt Alex. Die meisten würden sich hier täglich treffen, „durch Corona ist alles schwieriger geworden“. Das Paar schläft gewöhnlich auf einem Darmstädter Friedhof, denn in Bettys Einzimmerapartment dürfe Alex nicht wohnen – so stehe es im Mietvertrag, berichtet Betty. Auch Rodwan musste bei seiner Freundin ausziehen, als sie ihn anmelden wollte. Jetzt wohne er bei „Horizont“, einer Obdachlosenunterkunft der Stadt, sagt er.

Im vergangenen Jahr fiel die Feier pandemiebedingt aus. Umso mehr hätten sich alle in diesem Jahr gefreut, sagt Ibolya Reti, Koordinatorin beim Träger der Beratungsstelle, dem Diakonischen Werk Darmstadt-Dieburg. Für die 80 erwarteten Gäste gelten die 3G-Regeln. 70 bis 80 Prozent seien geimpft, schätzt Reti. Die Bereitschaft sei sehr hoch. Es habe spezielle Impfaktionen gegeben, jetzt kämen mobile Teams zum Boostern, auch biete man in der Einrichtung Schnelltests an.

Im normalen Betrieb gelte „bewusst kein 3G“, denn einige der etwa 40 Menschen, die täglich kämen, seien hilflos. Anders als im Lockdown, als die Besuchszeiten auf zwei Stunden begrenzt wurden, könnten sie seit Mai wieder den ganzen Tag in der Teestube verbringen. Dort, in der Alicenstraße 29, können sie duschen, den Friseur nutzen oder eine Krankenschwester konsultieren.

Im Stundentakt werden an diesem Donnerstag die Gäste gruppenweise eingelassen. Vor dem Tor warten schon die nächsten darauf, in den mit Tannenzweigen und Kerzen geschmückten Hof mit Zelten und Stehtischen eingelassen zu werden. „Ein bisschen wie auf dem Weihnachtsmarkt“, sagt jemand.

Erstmals hat sich die Initiative Darmstädter helfen Darmstädtern (DhD) engagiert: 100 Portionen selbst gekochte Gulaschsuppe, Frikadellen und Brötchen gehen auf das Konto des dreiköpfigen Teams. Giuseppe hat es nicht geschafft, seinen Stollen zu essen, und nimmt ihn mit auf die Straße. Auch Klaus löffelt dort die Suppe weiter. Dass sie jetzt rausmüssen, ärgert sie nicht. Sie seien froh, überhaupt eine Feier gehabt zu haben. Wie der 24. wird? „Einsam, kalt und dunkel“, sagt Klaus. Es werde vielen so gehen.

Er schlafe in einem leerstehenden Haus ohne Heizung und Strom. Umso wichtiger sei das Angebot der Teestube. „Es hilft beträchtlich.“ Heute gab es nicht nur ein warmes Essen umsonst, sondern auch eine Tüte, die neben Konserven, Schokolade oder Shampoo auch warme Socken oder einen Schal enthält. Auf diese nützlichen Sachen habe er schon spekuliert, sagt Klaus.

Gepackt und gespendet wurden die Tüten wie seit vielen Jahren von den Frauen des Darmstädter Clubs Soroptimist International. Und auch der Fünf-Euro-Rewe-Gutschein, den die Teestube noch beisteuerte, sei „sehr interessant“, findet Klaus.

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