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Wohnungen sind knapp

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1,7 Prozent der Unterkünfte werden nicht genutzt.
1,7 Prozent der Unterkünfte werden nicht genutzt. © Claus Völker

In Darmstadt stehen relativ wenig Wohnungen leer. Die Einwohnerzahl ist seit 2000 um mehr als 6000 auf knapp 142.000 gestiegen. Fachleute sind sich einig, dass weiterer Wohnraum nötig ist. Und die Stadt, in deren Besitz die Leerstandsquote höher liegt, soll sanieren, hat aber kein Geld.

Sie sind schwierig zu finden: leerstehende Wohnungen in Darmstadt. Nach dem aktuellen Leerstandsindex des unabhängigen Beratungsunternehmens Empirica stehen in der Stadt 1,7 Prozent der 77?500 Wohnungen leer – rund 1300. Das ist laut Statistikern ein sehr niedriger Wert. In Städten wie Bremerhaven oder Wilhelmshaven liege die Quote bei fünf Prozent.

Grund für den vergleichsweise niedrigen Leerstand ist die Bevölkerungsentwicklung. In den vergangenen zehn Jahren ist die Einwohnerzahl Darmstadts um mehr als 6000 auf 141?954 gestiegen. „Dadurch entsteht Druck auf den Wohnungsmarkt“, sagt Christian von Malottki vom Institut für Wohnen und Umwelt (IWU). Selbst bei stagnierender Einwohnerzahl wäre zusätzlicher Wohnraum nötig, da es immer mehr Ein- und Zwei-Personen-Haushalte gebe. Bis zu 700 Wohnungen müssten in Darmstadt jährlich entstehen, um den Bedarf zu decken.

Geld für Sanierung fehlt

Dennoch – es gibt Leerstände, vor allem in stadteigenen Wohnungen. Unter anderem deshalb haben am Wochenende mehrere junge Leute ein leerstehendes Haus in der Heidelberger Straße besetzt, bis die Polizei das Gebäude räumte. Es ist in städtischem Eigentum, steht seit langem leer und ist zum Verkauf ausgeschrieben. Der Käufer soll es sanieren und auf den Wohnungsmarkt bringen – die Stadt selbst hat dafür kein Geld.

Die Leerstandsquote in städtischen Gebäuden liegt über dem Darmstädter Schnitt. Von den stadteigenen 900 Wohnungen, die das Immobilienmanagement (IDA) verwaltet, stehen nach Angaben von Baudezernent Dieter Wenzel (SPD) zehn Prozent leer. Selbst als Übergangsunterkünfte sind sie nach Ansicht von Wohnungsdezernent Jochen Partsch (Grüne) nicht denkbar: „Die Haustechnik fehlt. Das ist nicht menschenwürdig.“ Doch für die notwendige Sanierung fehlt das Geld.

Das ruft Kritik hervor. CDU-Fraktionsvorsitzender Rafael Reißer verweist auf die Antwort auf eine Anfrage im Parlament, wonach pro Wohnung 10?000 Euro anfielen. Das ist aus Sicht von CDU-Parteichef Ctirad Kotoucek finanzierbar, zumal ansonsten Mieteinnahmen entfielen.

Neubezug dauert zwei Monate

Margit Heilmann, Geschäftsführerin des Darmstädter Mieterbundes, sieht hingegen kein großes Problem. „Wir haben von einem systematischen Leerstand nichts mitbekommen.“ Schwierig könne es nur dort werden, wo Wohnungen saniert würden. Dieses Problem hat nicht nur die Stadt.

Der Bauverein lässt jährlich 200 Wohnungen runderneuern. Nach Angaben des Vorstandsvorsitzenden Hans-Jürgen Braun stehen zwei Prozent der 10?845 Wohnungen leer, weil die Arbeiten nicht ausgeführt werden können, wenn noch jemand darin wohnt. Weitere zwei Prozent stehen leer, weil die Mieter ausgezogen sind. Etwa zwei Monate dauere ein Neubezug im Schnitt, sagt Braun.

Auch bei den anderen Wohnungsgesellschaften sind kaum Wohnungen frei. Bei Annington sind es neun von 1490, bei der Nassauischen Heimstätte 15 von 1565. Davon ist ein Drittel wegen Sanierungen unbewohnt. „Es gibt keine Probleme bei der Weitervermietung“, sagt eine Heimstätte-Sprecherin. ( rf)

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