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Die Natur hat sich in den vergangenen Jahren die 1938 erbaute Kaserne zurückerobert. 

Darmstadt

Wohnen, wo einst Soldaten kaserniert waren

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Auf dem Gelände der 2008 von den Amerikanern verlassenen Cambrai-Fritsch-Kaserne entsteht in den nächsten Jahren das neue Stadtquartier „Ludwigshöhviertel“.

Die Ludwigshöhstraße im Darmstädter Stadtteil Bessungen endet derzeit an einem gelben Kasernentor. Der Zutritt ist verboten, eine Durchfahrt nicht möglich. Schon 2008 haben die Amerikaner die Cambrai-Fritsch-Kaserne und die benachbarte Jefferson-Siedlung verlassen. Seither stehen die Gebäude leer. Anfang des Jahres hat die BVD New Living, eine Tochterfirma der städtischen Bauverein AG, das 34 Hektar große Areal vom Bund im Auftrag der Stadt gekauft. Am Mittwoch nun hat Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) gemeinsam mit Armin Niedenthal, dem Geschäftsführer der BVD New Living, Jochen Krehbiehl, dem Leiter des Stadtplanungsamts, sowie Matthias Kalbfuss, dem Vorsitzenden der Geschäftsführung des Verkehrsunternehmens Heag mobilo, Journalisten bei einem Rundgang über das ehemalige Kasernengelände die Planungen für den neuen Stadtteil vorgestellt, der in Anlehnung an die benachbarte Erhebung „Ludwigshöhviertel“ heißen wird.

In den vergangenen mehr als zehn Jahren hat sich die Natur viele Flächen auf dem Gelände wieder zurückerorbert. Inzwischen sind auf etlichen betonierten Flächen kleine Bäume und Büsche gewachsen. Direkt neben den früheren Gebäuden für die Wachsoldaten am Kasernentor blühen zwei Kastanien. Nach den Worten von Bauverein-Vorstand Niedenthal ist bereits damit begonnen worden, mehrere Eidechsen auf dem Areal umzusiedeln. In einem Gebäude haben sich Mauersegler eingenistet, denen nun neue Möglichkeiten zum Brüten angeboten werden sollen, weil das aus den 1930er Jahren stammende Kasernengebäude der geplanten Straßenbahnlinie im Weg steht und abgerissen werden soll.

Auf dem Kasernengelände verwittern alte Sitzgelegenheiten. Die Fenster sind zum Teil verbarrikadiert, einige sind von unbekannten Randalierern eingeworfen worden. An mehreren Hauswänden ist mit orangener Farbe „Ultra Helene Fischer“ aufgesprüht worden.

Im neuen Ludwigshöhviertel wird nach Angaben von OB Partsch „ein sozial gemischtes, familien-, kinder-, jugend-, senioren- und behindertengerechtes Wohnquartier entstehen“. Geplant sind 1400 Wohnungen für etwa 3100 Menschen. Gemäß den Beschlüssen der Stadt werden in den nächsten fünf Jahren 25 Prozent der Wohnungen für niedrige und 20 Prozent für mittlere Einkommen errichtet. Zehn Prozent der Wohnungen sind für Genossenschaften, Bau-, Wohn- oder Seniorengruppen sowie betreutes Wohnen vorgesehen.

Auf dem früheren Kasernengelände, das eine Höhendifferenz von bis zu 60 Metern hat, sollen vier unter Denkmalschutz stehende Gebäude am zentralen Quartiersplatz erhalten werden. Fast alle anderen Bauten werden hingegen abgerissen. Vorgesehen ist, die technische Infrastruktur – wie die Versorgung mit Wärme, Strom, Wasser und Abwasser – ebenso wie die Straßen komplett zu erneuern.

Wie in der Lincoln-Siedlung wird das neue Viertel als „autoarmes Quartier“ mit einer Mobilitätszentrale, Miet- und Leihangeboten für Fahrräder und Autos geplant. Vorgesehen ist laut Heag-Mobilo-Chef Kalbfuss, die Straßenbahnlinie 3 von der Wendeschleife an der Lichtenbergschule bis zur Heidelberger Straße zu verlängern. In dem Quartier sind 910 Stellplätze für Autos geplant, von denen 700 in drei Sammelgaragen eingerichtet werden. Die für die Struktur des Stadtviertels charakteristischen Grünflächen und Baumbestände sollen erhalten bleiben und in das neue Konzept integriert werden.

Geplant sind auch die Ansiedlung von Einzelhändlern, quartiersbezogenen Dienstleistern, gastronomischen Betrieben, kulturellen, sozialen und medizinischen Einrichtungen, dazu drei Kitas, eine dreizügige Grundschule, ein Familienzentrum sowie ein Jugendhaus.

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