1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Darmstadt

Wörnersteg 2.0

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Ein neuer Überweg an der Stelle der abgerissenen Plexiglas-Konstruktion soll Stadtzentrum und Darmstädter Osten verbinden.
Ein neuer Überweg an der Stelle der abgerissenen Plexiglas-Konstruktion soll Stadtzentrum und Darmstädter Osten verbinden. © Udo Nieper

Stadtplaner Udo Nieper wünscht sich eine neue Brücke über den östlichen Schlossgraben. 2,50 Meter breit soll sie sein, aus zwei sehr filigranen Stahl-Fachwerkträgern von 1,20 Meter Höhe - und gar nicht teuer.

Am 31. Juli dieses Jahres wurde der Wörnersteg abgebaut. Die Demontage der nach ihrem Konstrukteur Johann-Dietrich Wörner benannten und höchst umstrittenen Plexiglas-Stahl-Holz-Konstruktion dürfe nicht das Ende der Debatte über eine Querung von Schlossgraben und City-Ring an eben dieser Stelle sein, fordert nun Architekt und Stadtplaner Udo Nieper. „Die Grundidee, dass eine Brücke über den Schlossgraben an dieser Stelle möglich, gut, wichtig und logisch ist, darf durch den Misserfolg des Wörnerstegs nicht diskreditiert werden“, sagt er.

Sein kurzes funktionales Leben hatte der Wörnersteg im Oktober 2007 begonnen. Nachdem im Januar 2010 große Risse in den Plexiglasflanken aufgetaucht waren, entschloss sich die Technische Universität – Hausherrin im Schloss – die 28 Tonnen schwere Brücke, die eben niemals ein leichter, luftiger Steg war, zu entfernen. Nieper sieht das als folgerichtig. Die Brücke habe in ihrer Massivität und Klobigkeit als Fremdkörper gewirkt. Ästhetisch war zu diesem Konstrukt tatsächlich keine Zuneigung seitens der Stadtgesellschaft zu erwarten. Aber Nieper trennt das Scheitern dieses Überbrückungsversuchs streng von der Idee eines Brückenschlags als solchem.

Und dies keinesfalls erst seit heute. Bereits vor 25 Jahren, 1986, hat Nieper im Auftrag der städtischen Bauverwaltung in einem stadtplanerischen Grünkonzept für das Gebiet rund ums Residenzschloss eine Brücke über den östlichen Schlossgraben als wünschenswert und machbar ausgedeutet. Damals blieb die Idee unbeachtet liegen. Aber Nieper hielt an ihr fest. Deshalb taucht ein Brückchen gegenüber der Erich-Ollenhauer-Promenade auch in Planungen und aquarellierten Skizzen auf, die Nieper 1999 für ein Gutachten im Auftrag des Präsidiums der Technischen Universität erstellt hatte.

Tatsächlich gab es schon früher eine Brücke gen Osten, zwischen 1377 und 1678. Danach existierten über Jahrhunderte nur noch Brückchen in westlicher, südlicher und nördlicher Richtung über den Graben. „Nach Osten“, mutmaßt Nieper, „war später für die Großherzöge eine Brücke einfach abwegig. Hier lag die Altstadt und damit das Wohngebiet der armen Leute. In dieser Richtung schottete man sich lieber ab.“

Nieper denkt in Sicht- und Wegeachsen. Vom Stadteingang im Westen, der Magistrale der Rheinstraße mit dem Blick auf den Langen Ludwig und die Barockfassade des Schlosses, vom Weg am Darmstadtium vorbei zur Mathildenhöhe, zur Rosenhöhe und letztlich zur freien Kulturlandschaft des Oberfeldes sieht Nieper „einmalige Kontexte“. Seit den späten 70er Jahren stört der Cityring diesen Ost-West-Bezug.

55.000 Euro reichen aus

Deshalb sieht Nieper vor seinem geistigen Auge nicht nur eine Brücke über den Schlossgraben, sondern auch gleich einen Fußgängerweg über den Cityring. Die Brücke selbst sieht der Planer so: 2,50 Meter breit, aus zwei sehr filigranen Stahl-Fachwerkträgern von 1,20 Meter Höhe, „damit nicht höher als die sowieso erforderlichen Brückengeländer“. Die Kosten fürs Brückchen hat er durchgerechnet: Mit 55.000 Euro brutto, komme man hin. Nieper hält seine Vision für schnell umsetzbar. Alle Vorarbeiten für den Wörnersteg könnten übernommen werden. „Geringe Kosten, größte Gewinne“, resümiert Nieper. „Brücke und Fußgängerüberweg lägen in der Achse der Ollenhauer-Promenade städtebaulich ideal.“ (phg.)

Auch interessant

Kommentare