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Wirte beklagen Bürokratie

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Im Detail müssen die kritischen Lebensmittel-Zutaten  aufgelistet werden.
Im Detail müssen die kritischen Lebensmittel-Zutaten aufgelistet werden. © Guido Schiek

Seit Dezember 2014 ist die Lebensmittelinformationsverordnung in der gesamten EU bindend. Alle allergenen Zutaten in Restaurant und Imbissbude müssen künftig aufgelistet werden - die Begeisterung bei den Gastronomen hält sich in Grenzen.

„Bürokratiemonster“, „Riesenverwaltungsaufwand“, „superpopulistisch“: Die Begeisterung hält sich in Grenzen, wenn Darmstädter Gastronomen über eine neue Errungenschaft der Europäischen Union reden. Es geht um die sogenannte Lebensmittelinformationsverordnung, die Ende 2011 vom Europäischen Parlament verabschiedet wurde. Seit dem 13. Dezember 2014 ist sie in der gesamten EU bindend.

Zivilisationskrankheit Allergie

Worum geht es? Um Allergien, eine sich zunehmend ausbreitende Zivilisationskrankheit. Genauer: Um Lebensmittelzutaten, die allergische Reaktionen auslösen können, sogenannte Allergene. Sie müssen künftig für sämtliche verkauften Lebensmittel aufgeführt werden – schriftlich und vollständig, für verpackte Nahrungsmittel ebenso wie für fertig zubereitete und offen servierte Speisen. In der Verordnung sind 14 Zutaten aufgelistet, die für 90 Prozent aller Lebensmittelallergien verantwortlich sind.

„Wir haben noch nie einen Kunden vergiftet“, schüttelt Karl Eisele den Kopf über den Mehraufwand, der von Restaurantbetreibern verlangt wird. Der Darmstädter Gastronom hat natürlich Erfahrung mit Gästen, die unter Unverträglichkeiten leiden. „Laktose, Gluten, Eiweiß – damit haben wir täglich zu tun. Das ist längst kein Problem mehr. So etwas wird schon bei der Reservierung erwähnt.“

„Eiseles Weinschmecker“ in der Dieburger Straße hat seinen eigenen Weg im Umgang mit der neuen Verordnung gefunden, von dem der Betreiber hofft, dass er auch einer Überprüfung durch das Veterinäramt standhält: „Wir schreiben auf die Speisekarte: Bitte fragen Sie unsere Mitarbeiter“, erklärt Eisele. Diese hielten eine Liste mit Zutaten zur Einsicht bereit. Eine einzelne Speisekarte gibt es jedoch im Restaurant, die zu jedem Gericht alle potenziell allergenen Zutaten auflistet. Auf Wunsch kann ein Gast aus dieser Karte wählen und bestellen. Bisher, sagt Eisele, habe noch keiner danach gefragt.

Ähnlich verfährt auch das „Braustüb’l“ am Hauptbahnhof. „Es gibt eine täglich wechselnde Tagesempfehlung, die Wochenkarte mit dem Mittagstisch, Veranstaltungsmenüs und mehr“, erklärt Geschäftsführer Thilo Hanke. Zutaten-Angaben in der zweimal jährlich gedruckten Basis-Speisekarte wären demnach unvollständig. Die Auflistung befinde sich daher in einer separaten Kladde, so Hanke. „Bisher hat noch niemand danach gefragt.“

Offen steht man im Orangerie-Restaurant der Neuerung gegenüber. „Es gibt keinen Anspruch auf Beibehaltung des Status quo“, sagt Mitarbeiter Florian Müller. „Die Rechtslage kann sich verändern, man muss das Beste daraus machen.“ Mit der Kennzeichnungspflicht hat Müller grundsätzlich keine Probleme. Nur die Umsetzung sei in der Orangerie schwierig, wo es keine gedruckte Speisekarte gibt. Die angebotenen Gerichte werden täglich auf eine Tafel geschrieben. „Wir haben ein schönes, in Leder gebundenes Notizbuch angeschafft“, sagt Müller. Darin würden die Zutaten eingetragen.

Im April beginnt die Saison 2015 für die Darmstädter Schausteller. Dann wird es Ernst mit der Umsetzung der neuen Lebensmittelinformationsverordnung, sagt der Verbandsvorsitzende Bernd Salm. Das Thema Allergene sei den Schaustellern wichtig. Gleichwohl klagen die Standbetreiber über einen „gigantischen Mehraufwand und Kosten für uns vor Ort“.

Was die Zutaten angeht, gibt sich Salm entspannt. „Inhaltsstoffe und Allergene wurden bei uns schon zuvor angegeben“, sagt er. Unklar sei hingegen, wie mit verpackten Speisen umgegangen werde, bei denen die Zutaten auf der Verpackung angegeben werden müssen. „Das betrifft etwa Popcorn oder Lebkuchenherzen – da muss dann hinten eine Riesenlitanei draufstehen.“ (bad)

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