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Wirbel um Besuche der Henkel KG

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Die Darmstädter Versicherungsfirma Henkel KG erhitzt die Gemüter mit unerwünschten Hausbesuchen bei Eltern Neugeborener oder unerlaubter Telefonwerbung. Die Gemeinde Ober-Ramstadt und die Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs in Bad Homburg warnen.

Unerwünschte Hausbesuche bei Eltern Neugeborener, unerlaubte Telefonwerbung, Verstöße gegen Unterlassungserklärungen: Die Darmstädter Versicherungsfirma Henkel KG erhitzt die Gemüter und die Beschwerden nehmen nicht ab. Zwar stammen diese mittlerweile weniger aus Darmstadt, aber es gibt Klagen aus dem Landkreis.

So berichtet eine Mutter aus Ober-Ramstadt, dass es bei ihr im Frühsommer an der Haustür geklingelt und sich eine Vertreterin der „Kinderversorgungsstelle“ vorgestellt habe. Sie dachte, es sei jemand vom Jugendamt. Erst im Gespräch habe sich herausgestellt, dass man ihr eine Versicherung verkaufen wollte. „Als die Frau aufgeflogen war, hat sie sich relativ schnell verabschiedet.“

Eine andere Familie informierte das Ordnungsamt, nachdem der „Familieninformationsdienst“ im Juni angerufen und einen Beratungstermin angeboten hatte. Auf Nachfrage beim Unternehmen in der Spreestraße, woher die Adressdaten stammten, sei auf ein Gewinnspiel im Internet verwiesen worden, bei dem die Familie mitgemacht habe. Doch die Betroffenen konnten sich das partout nicht vorstellen. Die Gemeinde Ober-Ramstadt warnte daraufhin in einer Mitteilung vor dem „Familieninformationsdienst“ aus Darmstadt. Dahinter stecke ausdrücklich kein Angebot der Stadt.

Ehemalige Mitarbeiterin berichtet

Wie vorgegangen wurde, davon kann eine ehemalige Henkel-Mitarbeiterin berichten. Sie sei in Darmstadt und Umgebung unterwegs gewesen. Abgerechnet worden sei pro unterzeichnetem Neuvertrag. Doch als ihre Abschlüsse stagnierten und weniger wurden, sei Druck gemacht worden. Letztlich habe sie gekündigt. Die Daten über Neugeborene und ihre Familien stammten ihrer Kenntnis nach in erster Linie von Babyartikelherstellern, die Eltern Angebote machen und dabei Informationen abfragen – mittels Ausfüllkarten oder via Internet. „Von den Entbindungskliniken bekommen die das nicht.“ Auch beim Einwohnermeldeamt habe es ihres Wissens nach kein Leck gegeben.

Die Kritik an den Geschäftspraktiken zieht längst Kreise. Der Bundesverband der Verbraucherzentrale in Berlin hat gegen den Versicherer bereits 2008 per Beschluss des Darmstädter Landgerichts einen Unterlassungstitel wegen unerlaubter Telefonwerbung erwirkt. „Die Vertriebsmethoden der Firma Henkel sind gelinde gesagt umstritten“, sagt auch Peter Breun-Goerke von der „Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs“ in Bad Homburg. „In so krasser Weise sich Zutritt zu verschaffen, das habe ich nicht oft“, stellt er fest. „Aus der Versicherungsbranche ist mir bislang kein vergleichbarer Fall bekannt.“ (aw)

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