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Windstille bei der Windkraft

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Rotmilane und Funkfeuer stehen den Windkraftprojekten im Landkreis Darmstadt-Dieburg entgegen. So herrscht Windstille bei der Windkraft.

Was tut sich bei den Windenergie-Projekten im Landkreis Darmstadt-Dieburg? Die Antwort ist ernüchternd: fast nichts. Einzig für die drei Windkraftanlagen auf dem Silberberg bei Ober-Ramstadt liegt dem Regierungspräsidium (RP) derzeit ein Genehmigungsantrag vor. Sonst herrscht sozusagen Windstille. Die Projekte bei Groß-Umstadt, Otzberg und Reinheim kommen nicht voran oder sind bereits abgeplant.

Auf dem Silberberg, in einem künftigen, derzeit aber noch nicht rechtskräftigen Vorranggebiet, möchte die EnBW bis 2018 drei Windkraftanlagen (WKA) mit einer Spitzenleistung von jeweils 3,3 Megawatt errichten. Die bis zu 210 Meter hohen Anlagen sollen 2018 in Betrieb gehen – und einen Beitrag für den städtischen Haushalt leisten, denn für den Standort auf kommunalem Grund und Boden wird eine ansehnliche Pacht fällig.

Wenig bis gar nichts tut sich hingegen hinsichtlich der zum Teil heiß umstrittenen Standorte Märkerwald auf Otzberger Gebiet und Reinheimer Hügelland auf Reinheimer Gebiet. Für den Märkerwald, für den zuerst der Windparkentwickler Juwi aus Reinhessen Interesse bekundet hatte und inzwischen Notus mit Hauptsitz in Potsdam als Investor gehandelt wird, scheint sich die Sache auf natürlichem Weg zu erledigen, denn über den Höhen fliegt der Rotmilan, und das gilt als ein K.O.-Kriterium. Das Vorkommen des eleganten Greifvogels über dem Reinheimer Hügelland hat auch die Entega inzwischen veranlasst, ihren Rückzug vom dortigen Projekt zu verkünden.

Entega macht Rückzieher

Keine naturschutzrechtlichen, aber andere Hemmnisse tun sich für ein kleines Windparkprojekt auf dem Binselberg bei Groß-Umstadt auf, das ein Konsortium aus Entega und Proreo errichten will. RP-Sprecher Dieter Ohl sagte auf Nachfrage: „Es gab für die drei Anlagen im letzten Jahr wohl eine Bauvoranfrage, die jedoch dann wieder vom Vorhabensträger zurückgezogen wurde. Das heißt, wir haben derzeit keinen Antrag vorliegen.“ Grund für das Zurückziehen sei offenbar eine negative Äußerung der Bundesanstalt für Flugsicherung wegen der möglichen Beeinträchtigung einer Funkfeueranlage, so Ohl.

„Wir haben sogar bereits 2013 eine Voranfrage an die Deutsche Flugsicherung gerichtet und darauf die Antwort bekommen, dass innerhalb einer 15-Kilometer-Distanz überhaupt nichts geht“, berichtet Michel Leukam, Pressesprecher des Darmstädter Energieversorgers Entega. Das Funkfeuer Charlie auf Großost-heimer Gemarkung ist nur rund 7,5 Kilometer entfernt.

Die Deutsche Flugsicherung (DFS) und das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung (BAF) beharren inzwischen strikt auf Einhaltung dieser Grenze. Axel Raab, Pressesprecher der DFS, wird dazu mit der Aussage zitiert, dass mit den vier bereits in Betrieb befindlichen Windkraftanlagen auf dem Binselberg die Grenze des Tolerierbaren erreicht sei. (hol)

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