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Der Wind pfeift durch die Ritzen

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Seit vor rund zehn Tagen in Pfungstadt bei Kanalarbeiten die Front eines Hauses eingestürzt ist, ist die Unglücksursache noch immer nicht geklärt. Das betroffene Ehepaar fühlt sich allein gelassen.

Bei Edelmanns in Pfungstadt ist es kalt und die Nerven liegen blank. Seit vor gut zehn Tagen die Front ihres Hauses an der Sandstraße bei Kanalbauarbeiten eingestürzt ist, hat sich nicht viel getan: Der Wind pfeift durch die notdürftige Abdeckplane, die Unglücksursache ist noch immer nicht geklärt.

"Die Situation geht uns sehr an die Nerven", beschreibt Peter Edelmann seine Lage. Die Mieter der Räume im vom Unglück betroffenen Vorderhaus sind inzwischen woanders untergekommen. Doch wegen akuter Einsturzgefahr des betroffenen Gebäudes wurde auch die Gasversorgung des intakten Hinterhauses abgestellt, in dem Edelmann mit seiner Frau Maria lebt. Die Edelmanns behelfen sich seitdem mit Heizöfen, um ihre Räume zu wärmen.

Die beiden sind enttäuscht, dass in der Zwischenzeit kaum Bewegung in die Sache gekommen ist. "Ich hatte der Stadt, der Firma und den Versicherungen eine Woche Zeit gegeben, aber getan hat sich nichts", sagt Peter Edelmann. Er befürchtet Schlimmes für sein beschädigtes Haus, da sich die Risse im verbliebenen oberen Teil des Giebels vergrößert haben.

Er habe seine Anwältin eingeschaltet und inzwischen selbst einen Gutachter beauftragt, der das Haus in Augenschein genommen habe. Außer der Notsicherung durch Stützen, die das THW unmittelbar nach dem Einsturz der Mauer angebracht hat, habe es bisher keine weiteren Sicherungsmaßnahmen gegeben.

Heizkörper könnten platzen

Das Vorderhaus gelte noch immer als einsturzgefährdet und dürfe nicht betreten werden. Daher sei es auch nicht möglich gewesen, die Heizkörper zu entleeren. Wenn es nun Frost gebe, bestehe die Gefahr, dass die Heizkörper aufplatzten und weiterer Schaden entstehe. "Ich bin durch das Unglück beruflich völlig lahmgelegt, weil ich mich derzeit nur noch um das Haus kümmern muss", klagt Edelmann.

Peter Alles, kaufmännischer Leiter der mit den Kanalarbeiten in der Sandstraße beauftragten Baufirma, erläutert, dass auf Initiative seiner Firma deren Versicherung die Sache in die Hand genommen habe. Die Versicherung des mit dem Bau des Kabelgrabens für die Stromleitungen beauftragten Subunternehmers habe sich in der Sache bislang bedeckt gehalten. Damit wolle man Bewegung in die Angelegenheit bringen. Ein Sachverständiger sei vor Ort gewesen, die Unglücksursache aber noch völlig offen.

Pfungstadts Bürgermeister Horst Baier (SPD) verweist darauf, dass sich die Stadt darum gekümmert habe, den Kontakt zum Energieversorger herzustellen. Außerdem diskutiere man darüber, eine Holzwand an der eingestürzten Mauer anzubringen. Wie Bauamtsleiter Dag Schoeyen mitteilt, wurde inzwischen eine weiträumige Absperrung der Unglücksstelle angeordnet. Bis auf die Herstellung von Hausanschlüssen seien die Arbeiten eingestellt worden. "Wir überdenken, ob vor Aufnahme weiterer Kanalarbeiten der Bauzustand anderer Häuser in der Nachbarschaft untersucht werden soll."

Auch Michael Leukam, Sprecher der Verteilernetzbetreiber Rhein-Main-Neckar, die den Auftrag für den Kabelgraben erteilt hat, verweist darauf, dass sein Unternehmen in Kontakt zu den Edelmanns steht und die eigene Versicherung eingeschaltet hat. Erst wenn die Einsturzursache geklärt sei, könne man über das weitere Vorgehen und die Zuständigkeiten entscheiden. (eda)

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