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SPD will Nordanbindung

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Trotz des Votums hätte die SPD am liebsten die Vollanbindung über den Hauptbahnhof.
Trotz des Votums hätte die SPD am liebsten die Vollanbindung über den Hauptbahnhof. © Roman Grösser

Die Darmstädter Sozialdemokraten sprechen sich in einer Mitgliederbefragung mit großer Mehrheit für eine für S-Bahn zum ICE-Halt am Flughafen Frankfurt aus.

Ginge es nach einem großen Teil der hiesigen SPD, würde Darmstadt künftig über den Frankfurter Flughafenbahnhof mit dem ICE-Netz der Bahn AG verknüpft. Für diese Variante hat sich der Unterbezirk in einer Mitgliederbefragung ausgesprochen, wie der Parteivorsitzende Hanno Benz gestern Vormittag mitteilte. Als einzige Alternative war den Befragten ein ICE-Halt in der Siedlung Tann vorgeschlagen worden.

Drei Wochen hatten die 1328 Darmstädter Sozialdemokraten Zeit für die Abstimmung. 459 Stimmzettel kamen in die SPD-Geschäftsstelle zurück – 34,6 Prozent, was laut Benz „ein sehr guter Wert“ sei. Zwanzig Stimmzettel waren ungültig – offenbar aus Verdruss über die begrenzte Auswahl hatten SPD-Mitglieder „Vollanbindung am Hauptbahnhof“ daraufgeschrieben.

Von den gültigen Stimmen entfielen 83,8 Prozent auf die Nordanbindung, die eine zweigleisige S-Bahn-Strecke vom Darmstädter Hauptbahnhof zum Frankfurter Flughafenbahnhof beinhaltet. 16,2 Prozent votierten für den ICE-Halt in der Siedlung Tann. „Rechnet man das Ergebnis auf die Gesamtzahl der SPD-Mitglieder an, haben 27 Prozent für die Nordanbindung gestimmt“, berichtete Benz. Dieser Wert liegt über dem Quorum von 25 Prozent bei Volksabstimmungen.

Ungeachtet des Votums hält die Darmstädter SPD aber weiterhin am Wunsch der Vollanbindung des Darmstädter Hauptbahnhofs ans Schnellverkehrsnetz der Bahn fest: Alle ICE-Züge auf der geplanten Neubaustrecke Frankfurt–Mannheim sollen den Hauptbahnhof passieren oder dort halten. Darauf einigten sich Partei und Fraktion am Montag. Man fordere die Bahn auf, mit dieser Lösung in das Planfeststellungsverfahren zu gehen.

„Bisher“, so begründete Benz diese Haltung, „hat die Bahn ja noch nie offiziell mitgeteilt, welche Variante sie bevorzugt.“ Außerdem vertraue man weiterhin auf die sogenannte Fußnote im Bundesverkehrswegeplan, die den ICE-Halt im Hauptbahnhof festschreibe. Die SPD-Entscheidung sei nur für den Fall gedacht, dass die Bahn ihre ICE-Strecke nicht durch den Hauptbahnhof führen wolle.

Bahn soll vieles finanzieren

Den Verzicht auf den ICE im Hauptbahnhof, den Darmstadt dann anbieten würde, den soll die Bahn „als Kompensation“ belohnen: indem sie die neue S-Bahn-Strecke nicht nur auf eigene Kosten baut, sondern den Nahverkehr auf dieser Strecke und nach Mannheim auch selbst finanziert, sowie drittens alle Darmstädter Stadtteilbahnhöfe umbaut, saniert oder neu baut.

Dieses Paket will die SPD in der nächsten Sitzung der Stadtverordnetenversammlung am 7. Oktober einbringen, ihn jedoch zum gemeinsamen Entschluss „aller wesentlichen Fraktionen“ ausweiten – „damit Darmstadt gegenüber der Bahn mit einer Zunge spricht“. Die Verhandlungen mit der Bahn solle wie bisher Oberbürgermeister Walter Hoffmann (SPD) führen – er hatte, ebenso wie alle anderen im Parteivorstand, für den neuen ICE-Doppelbeschluss gestimmt. ( ers)

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