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Pizza und Eis gibt es nur noch bis Ende des Monats.
Pizza und Eis gibt es nur noch bis Ende des Monats. © Claus Völker

Michele Gargiulo ist sauer. Bis 28. Juli muss der Wirt des Michelangelo sein Bistro mit Pizzeria und Eiscafé im Carree räumen. Ein weiterer Tiefschlag in der traurigen Geschichte der mittlerweile halb leer stehenden Markthalle, die nun einen weiteren Mieter verliert.

Michele Gargiulo ist sauer. Bis 28. Juli muss der Wirt des Michelangelo sein Bistro mit Pizzeria und Eiscafé im Carree räumen. Ein weiterer Tiefschlag in der traurigen Geschichte der mittlerweile halb leer stehenden Markthalle, die nun einen weiteren Mieter verliert.

Im nicht enden wollenden Redeschwall des temperamentvollen Italieners, der mit deftigen Vorwürfen nicht spart, kristallisieren sich zwei Adressaten seines Zorns heraus, denen er gleichermaßen die Schuld am Niedergang der einst mit großen Hoffnungen gestarteten Markthalle gibt: die privaten Eigentümer und die Stadt, die sich nicht entschlossen genug der Entwicklung entgegen gestemmt habe.

Begründet wird die Kündigung mit fünfmonatigen Mietrückständen. Der Wirt will sie anfechten und beruft sich auf Vereinbarungen mit einem Mitarbeiter des Vermieters, der nach eigenen Worten im Namen des Eigentümers Fortress sprach. Angeblich arbeitet dieser Mann nun nicht mehr bei Fortress, gleichwohl erhielt Gargiulo von ihm Telefonnachrichten zu einem Zeitpunkt, an dem er schon ausgeschieden war. Eine Sprecherin von Fortress in Frankfurt gab sich gestern zugeknöpft: "Dazu geben wir keine Stellungnahme ab."

Kündigung vom Vermieter

Für den Wirt ist die Kündigung das vorerst letzte Glied in einer Kette von ständigen Wechseln von Besitzern und Zuständigkeiten. Ständig habe es neue Angebote und Konzepte gegeben. "Ich wurde betrogen, hingehalten und über den Tisch gezogen", fasst er mit Verbitterung seine Erfahrungen mit Eigentümern und Vermietern zusammen. Er will zwar vor Gericht gehen, muss aber dennoch mit seinen zwölf Angestellten raus aus der Markthalle, wo er von Anfang an vertreten war. Mehr als 500 000 Euro habe er in 13 Jahren investiert.

Wie andere Mieter beklagt der Wirt den geschäftsschädigenden Verfall der Markthalle. Die Eigentümer hätten nicht in das denkmalgeschützte Gebäude investiert. Nach vielen Geschäftsaufgaben stünden nun 60 Prozent der Halle leer. Sichtbare Abflussrohre, offene Elektroinstallationen und Stolperecken verschreckten die Kunden.

Die Stadt hat nach Meinung von Gargiulo auch nichts getan, um die Zustände zu verbessern. "Nach dem Lebensmittel- und dem Gastronomierecht, aber auch wegen des Denkmalschutzes gibt es doch genug Handhabe", wirft er den Behörden vor.

Dem widerspricht Oberbürgermeister Walter Hoffmann (SPD). Er wies gestern darauf hin, dass die Stadt seit 2007 neun Initiativen bei Fortress gestartet habe, "immer mit dem Tenor: Der Zustand ist untragbar. Wir erwarten, dass auch private Besitzer für ein sinnvolles Konzept sorgen". Alle Kontrollen, ob baurechtlicher Art oder vom Veterinäramt, hätten allenfalls kleine Beanstandungen ergeben. Das Denkmalschutzamt wiederum könne nur bei Umbauten tätig werden.

Hoffmann bestätigte, dass es "keinen Spaß" mache, mit den Eigentümern zu verhandeln, weil ständig die Ansprechpartner wechselten. Er vermutet, dass alle Mieter vertrieben werden sollen zugunsten eines neuen Konzepts, von dem seit Jahren die Rede, aber nichts zu erfahren sei. Heute stünde unabhängig von der Kündigung ein weiteres Telefonat mit Fortress an. (ryp)

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