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Widerstand gegen Nazi-Regime: Gedenken an Carlo Mierendorff

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Von: Claudia Kabel

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Ehrengrab für Carlo Mierendorff auf dem Waldfriedhof in Darmstadt.
Ehrengrab für Carlo Mierendorff auf dem Waldfriedhof in Darmstadt. © Stadt Darmstadt

Kranzniederlegung in Darmstadt zum 125. Geburtstag. Käthe Kern - einzige Frau des Kreisauer Kreises um Wilhelm Leuschner – bleibt in der Stadt unsichtbar

Während auf dem Waldfriedhof in Darmstadt am heutigen Donnerstag des Freiheitskämpfers und Wilhelm-Leuschner-Vertrauten Carlo Mierendorff zum 125. Geburtstag feierlich gedacht wird, gibt es an Käthe Kern keinerlei Erinnerungen mehr in der Stadt.

Im Bestand des Stadtarchivs befindet sich zwar auch eine Mappe zu Käthe Kern und ihren Eltern. Diese enthalte jedoch vor allem Kopien aus Publikationen zu ihrer Biografie, teilte die stellvertretende Archivleiterin Sabine Lemke mit. Leider gingen daraus keinerlei Hinweise auf Ehrungen oder sonstige Erinnerungen von Seiten der Stadt oder engagierter Vereine für die einzige Frau der Widerstandsgruppe „Kreisauer Kreis“ hervor. „Sie scheint auch in Darmstadt vergessen zu sein“, so Lemke.

Bürgermeisterin Barbara Akdeniz (Grüne) wird am Nachmittag an Mierendorffs Grabstätte einen Kranz niederlegen. „Carlo Mierendorff hat Zeit seines Lebens gegen politische Strukturen der Ausgrenzung, Diskriminierung und Demokratiefeindlichkeit gekämpft“, hob Oberbürgermeister und Kulturdezernent Jochen Partsch (Grüne) in der Einladung zur Veranstaltung hervor.

Mierendorff wurde am 24. März 1897 im sächsischen Großenhain geboren. 1907 zog die Familie in die damalige hessische Hauptstadt Darmstadt. Er besuchte mit seinem lebenslangen Freund Theodor Haubach das Ludwig-Georgs-Gymnasium.

1914 meldete er sich freiwillig zur Teilnahme am Ersten Weltkrieg. Geehrt mit dem Eisernen Kreuz studierte er nach dem Ersten Weltkrieg in Frankfurt, Freiburg im Breisgau und Heidelberg. Im September 1930 wurde er als jüngstes Mitglied der SPD in den Reichstag gewählt und veröffentlichte mit Wilhelm Leuschner 1931 die „Boxheimer Dokumente“, die den demokratiefeindlichen Charakter der NSDAP belegten.

In einer Reichstagsrede griff er Joseph Goebbels persönlich an. Daher musste Mierendorff nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten untertauchen.

Im Juni 1933 wurde er in Frankfurt verhaftet, nach Darmstadt gebracht und dort von der SS durch die Straßen getrieben. 1938 wurde er nach Haft in verschiedenen Konzentrationslagern entlassen. Er musste bescheinigen, dass er sich jeder politischen Betätigung enthalten werde.

Widerstand gegen Nazis

Allerdings wurde er bald neben seinem Freund und früheren Chef Leuschner – Mierendorff war Pressesprecher des damaligen Innenministers gewesen – zu einem der wichtigsten Anführer eines antinazistischen Netzwerks. Er fungierte im Kreisauer Kreis als Bindeglied zwischen dem Widerstand um Leuschner und Julius Leber sowie dem bürgerlich-zivilen und dem militärischen Oppositionskreis.

Am 4. Dezember 1943 wurde Mierendorff bei einem Luftangriff auf Leipzig getötet. Sein Leichnam wurde nach Darmstadt überführt und im Grab der Eltern auf dem Waldfriedhof beigesetzt. Heute erinnert dort ein Ehrenmal an ihn. Nach Leuschner und Mierendorff sind Straßen und Schulen in Darmstadt und im Landkreis Darmstadt-Dieburg benannt. Die Widerständlerin Käthe Kern ist hingegen vergessen. cka

Kranzniederlegung zum 125. Geburtstag von Carlo Mierendorff, heute, Donnerstag, 24. März, 15.30 Uhr auf dem Waldfriedhof Darmstadt.

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