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Wettbewerb um Patienten

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Das Klinikum will sich von kleineren Häusern abheben.
Das Klinikum will sich von kleineren Häusern abheben. © Roman Grösser

Nicht nur der Name soll sich ändern: Nachdem aus dem früheren Eigenbetrieb Klinikum Darmstadt Anfang 2010 eine gemeinnützige GmbH geworden ist, soll der Betrieb jetzt umstrukturiert werden.

Das gaben Geschäftsführer Gerhard Becker und Dierk Molter (FDP), Krankenhausdezernent sowie Vorsitzender des Aufsichtsrats, am Freitag bekannt. Das Klinikum soll zu einem zukunftsfähigen Krankenhaus der Maximalversorgung in kommunaler Trägerschaft umgebaut werden.

Dass gravierende Änderungen nötig sind, verdeutlicht das Wegschmelzen der Rücklagen, aus denen ein Teil des jährlichen Defizits abgedeckt wurde, auf einen nur noch einstelligen Millionen-Betrag.

Keine Förderung vom Land

Wie hoch das Defizit in diesem Jahr ausfallen wird, könne man noch nicht sagen, sagte Molter, weil die „belegungsstarken Monate“ am Ende des Jahres lägen. Als Ziel gab Becker vor, ab 2014 „in den positiven Bereich“ zu kommen.

Ein ehrgeiziges Bau- und Erweiterungsprogramm soll helfen, schwarze Zahlen zu erreichen. In nerhalb von zwei Jahren soll zum Beispiel der Campus in der Grafenstraße für 140 Millionen Euro umgestaltet werden.

Dazu gehört auch die Eingliederung der Eberstädter Kliniken in den Campus Grafenstraße. Als erster Schritt werde die Neurologie im April nächsten Jahres umziehen – als Interimslösung vorerst in ein vorhandenes Gebäude, bis ein großer Erweiterungsbau steht.

Ging Becker noch im Sommer davon aus, dass er mit 60 bis 65 Millionen Euro Fördermitteln aus Wiesbaden rechnen könne, sprach er am Freitag davon, dass das Land pro Jahr 120 Millionen Euro für das ganze Land zur Krankenhausfinanzierung vergeben könne und dieses Geld bereits auf acht Jahre verplant sei.

„Uns hinten anzustellen, haben wir keine Zeit mehr“, so der Geschäftsführer. Deshalb prüfe man derzeit alternative Finanzierungsquellen. Die Stadt hatte im Sommer bereits eine Bürgschaft von 70 Millionen Euro zur Absicherung von Krediten gebilligt.

Doch nicht nur baulich wird sich das Klinikum verändern. Die medizinische Behandlung soll wieder mehr in den Mittelpunkt rücken. „Wir müssen kein eigenes Catering machen oder eine Wäscherei betreiben“, sagt der Geschäftsführer. Bereiche mit großzügiger Personalausstattung würden verschlankt. „Ohne betriebsbedingte Kündigungen“, wie Molter versicherte. Auch das Finanzwesen mit Controlling, die Einkaufsorganisation und die Informationstechnologie würden komplett überarbeitet.

Angesichts des harten Konkurrenzkampfs der Krankenhäuser sprach Becker von einem Wettbewerb um Patienten. Hier sehe sich das Klinikum gut aufgestellt, werde sich aber auch weiter entwickeln müssen.

Hautkrebszentrum geplant

Martin Welte, Leitender ärztlicher Direktor, nannte als einen Schwerpunkt die Onkologie, wo beispielsweise bei der Behandlung von Blut- und Brustkrebs hervorragende Arbeit geleistet werde. Hinzu kommen soll ein Melanom-Zentrum zur Behandlung des schwarzen Hautkrebses.

„Wir wollen nicht machen, was auch die kleinen Häuser können, sondern hochkomplexe Fälle“, sagte Welte. Angestrebt würden stärkere Konturen fürs Klinikum. So habe man die Angiologie, Radiologie und Gefäß-Chirurgie zu einem Gefäßzentrum zusammengefasst.

Einen großen Schritt weiter sei man auch mit der Gründung der Neurochirurgischen Klinik, die in Zusammenarbeit mit Offenbach betrieben werde. Dies schließe eine Versorgungslücke bei der Trauma-Versorgung in Südhessen. Erste Patienten würden ab März behandelt.( ryp)

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