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Westwald soll Bannwald werden

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Anderen Fraktionen und Naturschützern geht der Antrag nicht weit genug.
Anderen Fraktionen und Naturschützern geht der Antrag nicht weit genug. © André Hirtz

Stadt will Fläche unter besonderen Schutz stellen lassen / Kritik von Opposition

Als „Totalausfall“ hatte der Waldzustandsbericht 2006 den Westwald bezeichnet. Durch das Abpumpen ist der Grundwasserspiegel gesunken, Wurzeln haben keinen Wasseranschluss mehr. Hinzu kommt der Maikäfer-Befall. Die Folge: Bäume sterben ab, und die verbliebenen sind meist ausgezehrt. Um den Wald zu schützen, soll die Fläche nun als Bannwald ausgewiesen werden. Das will die Stadt Darmstadt mit einem Antrag an die Obere Forstbehörde, das Regierungspräsidium (RP), erreichen.

Mit dem jetzt beschlossenen Antrag nimmt die Stadt nach sieben Jahren einen neuen Anlauf, den Wald auf diesem Weg unter besonderen Schutz zu stellen. Im Stadtparlament herrscht zwar Einigkeit, dass dies notwendig ist. Strittig ist aber, wie groß die auszuweisende Fläche sein soll.

Koalition stimmt für Antrag

Streitpunkt sind die Gebiete im Westen und Osten. Der von der Stadtverwaltung vorgelegte und von der grün-schwarzen Koalition befürwortete Plan lässt dort jeweils 20 Meter breite Waldstreifen. Vor allem Naturschützer kritisieren dies. Die Westwaldallianz, ein Zusammenschluss von Umweltorganistionen, befürchtet, dass damit Platz für die ICE-Trasse im Westen und die umstrittene Westranderschließung im Osten des Waldgebiets geschaffen werden soll.

Im Stadtparlament nahmen die Oppositionsfraktionen diese Position auf. „Genau dort, wo Baupläne erwartet werden, wird Wald ausgespart“, kritisierte Bernhard Schubach von den Piraten. Durch die Grenzziehung sieht Helmut Klett (Uwiga) „wesentliche Flächen ausgespart“. Scharfe Kritik richtete Uffbasse-Vertreter Wieland Weise an die grün-schwarze Koalition: „Der Straßenbau wird für wichtiger gehalten als der Wald.“

Wie bereits die Planungsdezernentin Brigitte Lindscheid (Grüne) im Ausschuss machte der CDU-Stadtverordnete Ludwig Achenbach keinen Hehl daraus, dass die umstrittene Straße westlich der Kelley-Barracks durchaus eine Rolle bei der Grenzziehung gespielt hatte: „Die Erschließung ist notwendig.“

Als Waldfrevler will Grün-Schwarz jedoch nicht dastehen. Doris Fröhlich verwies darauf, dass im Herbst ein Waldstück am Waldfriedhof für 500?000 Euro aufgeforstet werden soll. Lindscheid hält sich zugute, dass der aktuelle Antrag deutlich größere Flächen für den Bannwald vorsehe, als im vom RP nicht befürworteten Antrag von 2006. So seien Flächen im Süden dazugekommen. Auch entlang der möglichen Westerschließungstrasse sei der Bannwald ausgedehnt und nicht vermindert worden. Entlang der A?5 sei die Grenze gleichgeblieben. Für sie bietet der aktuelle Antrag die Gewähr für „einen größtmöglichen Schutz“.

Um beim RP Erfolg zu haben, hatte sie sich ein „starkes Signal“ in Form einer breiten Mehrheit gewünscht. Dies ging nicht in Erfüllung. Nur Grüne und CDU stimmten dem Antrag zu.

Ob dem neuen Antrag diesmal Erfolg beschieden sein wird, scheint indes offen: Das Regierungspräsidium wies erst gestern darauf hin, dass schon seit 2001 in Südhessen kein Bannwälder mehr ausgewiesen worden seien. Der Wald sei „per se auch durch das Bundeswaldgesetz und das Hessische Forstgesetz geschützt“. (rf.)

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