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Wespen im Anflug

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Wespen sind zwar aufdringlich, aber meist harmlos.
Wespen sind zwar aufdringlich, aber meist harmlos. © dpa

Mal ist das Wespennest im Rollladenkasten, mal auf dem Dachboden. Viele Bürger sind derzeit genervt. Denn in diesem Sommer gibt es in Südhessen besonders viele der schwarz-gelben Insekten.

Sie krabbeln beim Bäcker über den Zwetschgenkuchen, sie peilen beim Grillen die Bratwurst an: Wespen gehören zum Sommer. In diesem Jahr seien es besonders viele, sagen Experten.

Ein Wespenjahr? „Definitiv ist das so“, sagt Andreas Müller, Inhaber der Schädlingsbekämpfungsfirma Ambitec in Darmstadt. Extrem viele Anrufe wegen Wespen habe er. „Das Doppelte eines normalen Jahres, mindestens.“ Davon kann auch Brigitte Martin, Wespenberaterin beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Darmstadt, ein Lied singen: „Im Moment gibt es sehr viele Anfragen.“ Auf der BUND-Homepage ist zu lesen: „Zurzeit können Anfragen nur per E-Mail beantwortet werden. Unser Telefonanschluss ist überlastet und Rückrufe sind nicht möglich.“

Die Anrufer wollen meistens nur eines: Das Wespennest im Rollladenkasten oder auf dem Dachboden soll weg. Ambitec wirbt damit, schon 2001 mit dem Öko-Zertifikat des Verbandes zur Förderung ökologischer Schädlingsbekämpfung ausgezeichnet worden zu sein. Das bedeutet: Die Firma zerstört Wespennester, aber „wir bekämpfen nicht alles“.

Müller fragt die Anrufer, ob die Wespen wirklich stören. Dann versucht er, die Leute davon zu überzeugen, dass sie das Nest einfach lassen, wo es ist. Er bietet an, die Situation zu entschärfen, zum Beispiel dadurch, dass er die Einflugöffnung verlagert, sodass die Wespen andere Wege fliegen. Ist die Angst vor Stichen jedoch zu groß oder haben sich die Tiere einen wirklich problematischen Ort ausgesucht, in der Nähe des Schlafzimmers etwa, dann setzt auch Müller Chemie ein.

Von der Umsiedlung der Nester hält er nämlich nichts. Geschehe das abrupt, würden zum Beispiel andere Insekten in der Umgebung dezimiert, ohne Chance, sich anzupassen: „Wespen sind Jäger.“ Für Brigitte Martin dagegen ist die Umsiedlung eine gute Möglichkeit. Sie bringt die Nester in spezielle Nistkästen im Wald. Man müsse schon genau wissen, was man tut, sagt sie. Wo zum Beispiel Wildbienen unterwegs sind, sind Wespen fehl am Platz: Sie sind eine Nahrungskonkurrenz.

Wespen laden sich aber auch gern zum Grillen und zur Kaffeerunde ein. Das kann man nicht verhindern, aber eine Käseglocke über den Lebensmitteln hilft. Martin hat noch einen anderen Tipp: Zitrone oder Gewürznelken auf den Tisch (da suchen Wespen das Weite) oder Fallobst mit Zucker bestreuen und abseits des Tisches präsentieren (das mögen Wespen und lassen sich davon ablenken). Und vor allem: Bereiche wie Mülltonnen peinlich sauber halten.

Bei allem Verständnis für das Unbehagen vieler Menschen: Martin verteidigt die Wespen. „Die Nester sind sehr nützlich, denn Stubenfliegen vermehren sich in diesem Jahr auch gut.“ Und die stehen – neben Raupen, Blattläusen oder Grillwürsten – auf dem Wespen-Speiseplan. 500 Gramm werden pro Tag an die Larven in einem einzigen Wespennest verfüttert. Warum es gerade so viele Wespen gibt, kann die Expertin auch erklären. Im Frühjahr, wenn die Insekten mit dem Nestbau beginnen, war es trocken und es gab keinen gravierenden Kälteeinbruch. Das ist gut für die Nester, die aus Holzstückchen und Speichel bestehen. Aber „spätestens nach dem ersten Frost ist jedes Nest verlassen“, sagt Martin. Dann ist auch das heftigste Wespenjahr zu Ende.

Informationen über Wespen gibt es auf darmstadt.bund.net. (ers)

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