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Im Designhaus auf der Mathildenhöhe sind auch Objekte des früheren Bauhaus-Lehrers Hanns Hoffmann-Lederer zu sehen. 

Darmstadt

Wenn das Bauhaus von Weimar nach Darmstadt umgezogen wäre

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Eine Ausstellung im Designhaus in Darmstadt zeigt virtuell, wie das Bauhausgebäude von Walter Gropius auf der Mathildenhöhe gewirkt hätte.

Ein Semester lang haben Studierende des Fachbereichs Gestaltung der Hochschule Darmstadt (HDA) zusammen mit ihren Professoren und Dozenten daran gearbeitet, um eine Bauhaus-Ausstellung mit Darmstadt-Bezügen zu konzipieren. Im Zentrum der Überlegungen stand dabei nach den Worten von Fachbereichs-Dekan Kai Buchholz die Frage, wie die Beziehungen der Bauhaus-Gründer nach Darmstadt und Hessen dargestellt werden können. Buchholz hat zusammen mit seinem Kollegen, dem Hochschulprofessor Justus Theinert, die Ausstellung „Gestalt und Hinterhalt. Das Bauhaus im Spiegel der Mathildenhöhe“ kuratiert. Die Schau wird noch bis zum nächsten Sonntag im Designhaus auf der Mathildenhöhe gezeigt.

Allerdings haben es die Ausstellungsmacher bewusst vermieden, in den Jubelreigen anlässlich des hundertjährigen Bestehens des Bauhauses einzustimmen. Schließlich waren die Bauhaus-Lehrer doch sehr unterschiedlich.

Gleich am Eingang werden die Besucher mit einem Dutzend Protagonisten konfrontiert, die als lebensgroße Pappfiguren im Foyer des Designhauses stehen. In der Schau wird mit einer speziellen Brille und einer audiovisuellen Rauminstallation auch veranschaulicht, wie es ausgesehen hätte, wenn das Bauhaus Mitte der 1920er Jahre nicht nach Dessau sondern auf der Mathildenhöhe – dem jetzigen Standort des Fachbereichs Gestaltung der HDA – angesiedelt worden wäre. Denn als das Bauhaus aus politischen Gründen 1924 Weimar verlassen musste, hatten sich auch Darmstadt, Frankfurt und Magdeburg um das Bauhaus als Hochschule für Gestaltung beworben. Doch den Zuschlag erhielt Dessau.

Die Ausstellung widmet sich auch menschlichen Beziehungen und Konflikten, geistigen Hintergründen, personellen Verflechtungen, historischen Zufälle und wirkungsvollen Einflüssen.

So stellte 1908 der Architekt und Designer Peter Behrens den späteren Bauhaus-Gründer Walter Gropius in seinem Büro in Darmstadt ein, warf ihn aber zwei Jahre später wieder hinaus, wobei Gropius später erzählte, er habe selbst gekündigt. Es menschelte also sowohl auf der Mathildenhöhe wie auch im Bauhaus. Die Ausstellung verdeutlicht auch, wie vielfältig die Geschichte des Bauhauses mit der Mathildenhöhe verwoben ist. So wirkten die beiden früheren Bauhaus-Lehrer Hanns Hoffmann-Lederer und Friedrich G. Hüffner an der Werkkunstschule Darmstadt, der Vorgängerin des Fachbereichs Gestaltung. Und auf der Mathildenhöhe befand sich zehn Jahre lang das Bauhaus-Archiv, bis es nach Berlin umzog.

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