1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Darmstadt

Weniger Maikäfer im Stadtwald

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Im Pfungstädter Forst scheinen sie die Maikäfer-Population in den Griff zu bekommen.
Im Pfungstädter Forst scheinen sie die Maikäfer-Population in den Griff zu bekommen. © André Hirtz

Der Einsatz von Gift und die kühle Witterung während der Flugzeit der Maikäfer haben die Population erheblich reduziert. Aufgrund des Rückgangs könne in diesem Jahr auf chemische Mittel verzichtet werden - diese sind bei Umweltschützern stark umstritten.

Die von Umweltschützern viel kritisierte chemische Bekämpfung der Maikäfer im Pfungstädter Wald im Frühjahr 2010 hat nicht allzu viel gebracht. Denn auch in den umliegenden Wäldern – im Darmstädter Stadtwald und im Hessischen Ried – ging die Population der Maikäfer deutlich zurück. Nicht durch Gifteinsatz, sondern durch die vor vier Jahren kühle Witterung während der Flugzeit der Maikäfer. Die Population wurde demnach auf natürliche Weise reduziert.

Kritik von Verbänden

Damals war die Population in der Klingsackertanne so dicht, dass sich die Stadt während der Flugzeit als einzige Kommune in Hessen zu einer Bekämpfung der Maikäfer aus der Luft mit dem Insektizid Dimethoat entschlossen hatte. Vor allem von den Naturschutzverbänden hat die Stadt damals viel Kritik erhalten, auch wegen befürchteter Auswirkungen auf Vögel und andere Insekten. Dennoch habe der Gifteinsatz in Pfungstadt Sinn gemacht, betonte Bürgermeister Patrick Koch (SPD) am Montag bei einer Pressekonferenz. Denn in diesem Jahr sei zu erwarten, dass die Zahl der Maikäfer deutlich zurückgehe. Das geht aus einem Gutachten hervor, dass die Stadt in Auftrag gegeben hat. Wegen der geringen Population könne dieses Jahr deswegen auf chemische Mittel verzichtet werden.

Bis zu 70 Tiere sind damals pro Quadratmeter Waldboden im Pfungstädter Wald gezählt worden, erklärt Petra Wagner vom Umweltamt der Stadt Pfungstadt und verweist auf ein Gutachten der Nordwestdeutschen Forstamtlichen Versuchsanstalt. Diese hatte 2009 den Boden vor dem Flug der Engerlinge untersucht. Die damaligen Spitzenwerte von 70 Tieren pro Quadratmeter sind bei Untersuchungen im vergangenen September auf nur noch wenige Käferlarven gesunken. Hartmut Müller, Leiter des Forstamts in Darmstadt, geht indessen davon aus, das die Maikäferplage in Südhessen ein Dauerthema sein wird. Bereits 20 bis 25 Tiere pro Quadratmeter reichten aus, um die Wurzeln der Altbäume nachhaltig zu schädigen, sodass diese absterben.

Umkehr des Trends

Momentan finde man aber höchstens vier Engerlinge pro Quadratmeter und das auch nur auf 27 Prozent der Flächen. Nur vergleichsweise geringe Flächen würde eine größere Population aufweisen, erklärt Müller. Das sei erstmals seit den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts eine Umkehr des Trends. Eine chemische Bekämpfung der Maikäferpopulation sieht Müller nur als letztes Mittel, obwohl das Gift laut Untersuchungen schon nach sechs Wochen im Boden nicht mehr nachweisbar sei. „Eine Bekämpfung darf nur die Ultima Ratio sein.“

Dennoch habe die Bevölkerung starke Vorbehalte gegen die chemische Bekämpfung der Maikäfer, so Müller weiter. Solche Aktionen seien politisch schwer durchsetzbar, die Erfahrungen mit der Bekämpfung könnten anderen Kommunen aber beim Erhalt ihrer Hochwälder helfen. (eda/hde/ers)

Auch interessant

Kommentare