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Weniger Frühchen

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Ärzte und Krankenkassen wollen die Vorsorge für Schwangere verbessern und die Frühgeburtenrate in Südhessen senken.

Von 100 Neugeborenen kommen statistisch neun bis zehn zu früh zur Welt. Das bedeutet nicht nur Stress für die Mutter und das noch unreife Baby, das in einer Intensivstation aufgepäppelt werden muss. Dem Kind kann auch eine lebenslange Behinderung drohen. Zudem ist die Rund-um-die-Uhr-Betreuung eines Frühchens ein Kostenfaktor, auch am Klinikum Darmstadt. Rund 800 Risikobabys werden hier jährlich versorgt, davon 40 bis 50 mit einem Geburtsgewicht von unter 1250 Gramm.

Die Krankenkasse DAK, das Perinatalzentrum des Klinikums und der Berufsverband der Frauenärzte haben daher eine Kooperation vereinbart, um die Frühgeburtenrate in Südhessen um bis zu sechs Prozent zu senken. Sie wollen die Vorsorge während der Schwangerschaft erweitern und die Zusammenarbeit der niedergelassenen Ärzte mit dem Perinatalzentrum intensivieren. So früh wie möglich sollen Risikofaktoren bei Schwangeren erkannt und behandelt werden, erklärten gestern die Bündnispartner: DAK-Chef Wolfgang Philipp, Sven Ackermann als Direktor der Frauenklinik, der ärztliche Leiter der Neugeborenen-Intensivstation Georg Frey, und Klaus König, Landesvorsitzender des Berufsverbands der Frauenärzte in Hessen.

Infektionen vermeiden

Die werdenden Mütter sollen von den niedergelassenen Ärzten über mögliche Risiken einer Frühgeburt und die Leistungen der Geburtskliniken aufgeklärt werden. Besonders werden sie auf die Gefahren von vaginalen Infektionen und Schwangerschaftsdiabetes hingewiesen. Die Infektionen können zu frühen Wehen, zu einer Gebärmutterhalsverkürzung, zum Fruchtblasensprung und damit zu einer Frühgeburt führen.

Zur Vorsorge bekommt eine bei der DAK versicherte Schwangere nun Testhandschuhe zur Verfügung gestellt, mit deren Hilfe sie regelmäßig den pH-Wert des Scheidenmilieus ermitteln kann. Ein Säuregehalt von vier gilt als ideal. Weicht der Wert stark ab, ist die natürliche Infektionsbarriere geschwächt.

Auch Schwangerschaftsdiabetes ist ein Risikofaktor. Ohne Behandlung bekommen betroffene Frauen oft mehr als 4000 Gramm schwere, unreife Babys, die per Kaiserschnitt entbunden werden müssen. Im Rahmen der Kooperation bieten die teilnehmenden Frauenärzte nun einen Test an, ob die Stoffwechselerkrankung vorliegt. Zum neuen Vorsorgepaket gehört auch eine besonders frühe, zusätzliche Ultraschalluntersuchung, um die Lage des Kinds zu prüfen und Mehrlinge festzustellen. All diese Zusatzleistungen werden den Mitgliedern des Berufsverbands der Frauenärzte in Hessen von der DAK vergütet.

Wer kein DAK-Mitglied ist, muss für die erweiterte Vorsorge bezahlen. Ultraschall kostet rund 40 Euro, der Zuckertest etwa 25?Euro und das Paket Testhandschuhe um die 25 Euro. (pyp)

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