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Wenig Chancen für Variante eins

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Minister Dobrindt (3. von rechts) besuchte Weiterstadt und informierte sich über die Situation zur geplanten ICE-Strecke.
Minister Dobrindt (3. von rechts) besuchte Weiterstadt und informierte sich über die Situation zur geplanten ICE-Strecke. © Guido Schiek

Das Ringen der Stadt Weiterstadt um die Anbindung des Güterschienenverkehrs an die geplante ICE-Trasse hat sich gelohnt. Verkehrsminister Dobrindt verwirft den Streckenverlauf.

Bei seinem Besuch in Weiterstadt hat sich Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) zwar nicht für die von Weiterstadt favorisierte Trassenführung ausgesprochen. Doch er hat angezweifelt, dass Variante eins, die in Weiterstadt auch „Katastrophenvariante“ genannt wird, eine Chance hat. „Ich halte es für eher unwahrscheinlich, dass Variante eins realisiert wird“, sagte er beim Ortstermin.

An welchem Punkt Güterzüge die Bahnstrecke Mainz-Darmstadt verlassen, um auf die ICE-Trasse östlich entlang der A5 zu stoßen und welchen Streckenverlauf sie bis dahin nehmen, ist offen. Dobrindt betonte, dass die bisherigen Varianten, die im Entwurf des Bundesverkehrswegeplans aufgeführt waren, zwar diskutiert werden können, aber nicht bindend seien.

Welche Auswirkungen Variante eins für Weiterstadt und Braunshardt hätte, hatten zuvor Weiterstadts Bürgermeister Ralf Möller (SPD) und der CDU-Fraktionsvorsitzende Lutz Köhler an Schautafeln gezeigt, die sie am Naherholungsgebiet Braunshardter Tännchen aufgestellt hatten. Nur wenige Meter vom Wald entfernt würden nachts die Güterzüge entlangdonnern, im weiteren Verlauf die B42 über eine lange Überführung kreuzen, bis sie nordöstlich von Griesheim auf die ICE-Trasse stoßen würde, die nachts vom Güterschienenverkehr genutzt werden soll. Für Weiterstadt wäre dies untragbar, finden die Kommunalpolitiker.

Güterverkehr vermehrt auf der Schiene

Rund 30 Vertreter der Weiterstädter Stadtverordnetenversammlung und des Magistrats waren zum Ortstermin mit dem Bundesminister gekommen. Bekanntlich lehnen alle Weiterstädter Fraktionen die Variante eins ab. „Selten waren sich die Fraktionen in Weiterstadt so einig bei einem Thema“, sagte Bürgermeister Ralf Möller.

Dobrindt, der auf Initiative des CDU-Bundestagsabgeordneten Charles M. Huber nach Weiterstadt gekommen war, betonte, dass er die Kritik und Nöte der Kommunen ernst nehme, sich aber nicht auf eine Variante festlegen werde. „Jede Variante hat Betroffene“, so Dobrindt. Das Projekt, das im Bundesverkehrswegeplan 2030 als Teil der „Korridorstudie Mittelrhein“ aufgeführt ist, habe einen hohen Stellenwert.

Es sei wichtig, dass es im Konsens mit den Bürgern umgesetzt werde. Dass es sinnvoll ist, den Güterverkehr vermehrt auf die Schiene zu verlagern und den Personenverkehr auf der Schiene auszubauen, unterstrich Bürgermeister Möller. Es müsse aber eine verträgliche Lösung gefunden werden. Auch Lärmschutz spiele in diesem Zusammenhang eine große Rolle.

Um zu veranschaulichen, welcher Belastung die Gräfenhäuser Bürger schon jetzt ausgesetzt sind und im Falle einer ICE-Strecke entlang der A5 sein werden, fuhren die Kommunalpolitiker mit dem Verkehrsminister nach Gräfenhausen auf eine landwirtschaftlich genutzte Brücke über die A5. Dobrindt sicherte zu, dass der Lärmschutz für die ICE-Strecke westlich der A5 gebaut werde und nicht, wie es bislang geplant war, östlich davon. „Ich bin sehr zufrieden“, freute sich Bürgermeister Möller. Er habe nicht erwartet, dass sich der Bundesverkehrsminister für eine Variante entscheidet. Aber Dobrindts Aussage, dass Variante eins für ihn unwahrscheinlich sei, sei ein tolles Ergebnis. (eis)

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