1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Darmstadt

Weltrekord in luftiger Höhe

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Mit ihrem Großformationssprung aus zehn Flugzeugen in 5700 Meter Höhe zeigten 214 deutschen Frauen und Männer im amerikanischen Eloy im Bundesstaat Arizona eine Höchstleistung. Auch ein Eberstädter war dabei.

Seit fast 20 Jahren ist der Eberstädter Volker Vogt (56) passionierter Fallschirmspringer. Und jetzt ist er auch Weltrekordhalter. Was ihm dieser Tage mit 213 Springerkollegen im freien Fall und in nur vier Sekunden gelang, ist Weltklasse: Mit ihrem Großformationssprung aus zehn Flugzeugen in 5700 Meter Höhe zeigten die deutschen Frauen und Männer im amerikanischen Eloy im Bundesstaat Arizona eine Höchstleistung.

Mit der wunderschönen Choreografie, die an eine riesige Schneeflocke erinnerte, verbesserte die Fallschirmgruppe deutlich ihre eigene sechs Jahre alte Rekordmarke einer 200-Menschen-Formation aus Fallschirmspringern einer Nation. Diese wurde ebenfalls über dem Flugplatz von Eloy in der Wüste von Arizona erzielt, und auch damals war der Eberstädter Vogt beteiligt.

Jetzt sind die Deutschen an die Weltspitze gesprungen: Denn bisher ist keinem anderen Land eine Formation dieser Größe gelungen. Bisheriger Weltrekordhalter war Russland mit 201 Springern. „Nur wenige Länder schafften es überhaupt, Formationen mit etwa 100 Fallschirmspringern zu bilden“, betont Volker Vogt.

An die Grenzen gekommen

Das ganze Unterfangen sei bei Temperaturen um die 35 Grad allerdings eine Tortur gewesen: „Eine psychische und physische Anstrengung“, gesteht der Vater dreier Kinder. Nach dem Briefing wurde die Formation zunächst im Laufen und dann im Liegen trainiert, „damit die Übung verinnerlicht wird, man sich das Bild einprägt“. Schließlich muss alles punktgenau stimmen, Zeit zum Korrigieren bleibt im freien Fall nicht.

„Fehler dürfen nicht gemacht werden“, sagt Vogt. Jeder hat „seine bestimmte Position“, die er in Sekundenschnelle finden muss. „Jeder Springer muss seinen Vorder- und Nebenmann suchen“. Wobei sich die Formation von innen nach außen bildet. Eine Woche lang übte die Gruppe den Sprung mehrmals am Tag.

Da kamen die 214 Menschen schon an ihre Grenzen, denn „dadurch, dass so viele Springer in der Luft sind, hat die Formation eine große Streuung“. So mancher musste dann noch einen 20-minütigen Fußmarsch zurücklegen, um wieder an den Hangar zu kommen.

Am Leib trugen sie dazu das mehr als zehn Kilogramm schwere Gurtzeug, in dem die zwei Fallschirme, Haupt- wie Reserveschirm, stecken. Bis zuletzt zitterten die 214 Deutschen, ob sie den Rekord auch wirklich aufstellen können: Zwei Mal war das Team bereits knapp am Ziel, als es jeweils ein Springer nicht an die Gruppe heranschaffte.

Nerven wie Drahtseile

Doch Fallschirmspringer sind äußerst konzentriert und haben offenbar auch Nerven wie Drahtseile. So stiegen sie am entscheidenden Tag mit zehn Flugzeugen der Marken Twinotter und Skyvan in einen wolkenlosen Himmel auf, um gemeinsam den einzigartigen Absprung zu wagen: „Es war ein guter Exit“, resümiert Volker Vogt lässig.

Nach 75 Sekunden stand der neue Rekord fest. Die Formation hielt ganze vier Sekunden, bevor die „einzelnen Sektoren“ wieder sternförmig auseinandergingen. „Es war eine Superaktion“, schwärmt Volker Vogt, der sein Geld „in der Parallelwelt“ als Finanzbeamter verdient. Die riesige Schneeflocke war hoch droben in Schwarz-Rot-Gold zu sehen.

An der Weltspitze steht damit „die größte Nationalmannschaft, die es in Deutschland gibt“, sagt Vogt stolz. Und ein Wahl-Eberstädter, der aus Kronweiler in Rheinland-Pfalz stammt, gehört dazu. (eda)

Auch interessant

Kommentare