Soll Welterbe werden: Der Hochzeitsturm mit den Ausstellungsgebäuden, der Platanenhain (links) und die Russische Kapelle. renate hoyer

Darmstadt

Welterbe-Antrag findet Zuspruch

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Die Stadt rechnet sich gute Chancen aus für die Bewerbung bei der Unescomit der Künstlerkolonie auf der Mathildenhöhe.

In Kooperation mit dem Landesamt für Denkmalpflege hat die Stadt Darmstadt im Januar über das Auswärtige Amt in Berlin den offiziellen Antrag zur Aufnahme der Künstlerkolonie auf der Mathildenhöhe in die Welterbeliste der Unesco eingereicht. Wie Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) am Donnerstag mitteilte, wird von der in Paris ansässigen Organisation der Vereinten Nationen im Sommer eine Delegation nach Darmstadt kommen, um den Antrag zu prüfen. Nach Angaben Partschs werden in den kommenden Monaten unabhängige Experten dem Unesco-Welterbekomitee Gutachten und einen Evaluierungsbericht mit einem entsprechenden Beschlussvorschlag vorlegen. Das Komitee wird dann im Sommer 2020 auf dieser Grundlagen entscheiden, ob die Künstlerkolonie Mathildenhöhe die Liste der derzeit 44 Welterbestätten in Deutschland erweitern wird. Oberbürgermeister Partsch sagte, er sehe „sehr gute Chancen“, dass das Ensemble im Sommer 2020 von der Unesco als Weltkulturerbe anerkannt wird.

Das Bauensemble auf der Mathildenhöhe wurde unter Großherzog Ernst Ludwig zwischen 1899 und 1914 von Künstlern wie Joseph Maria Olbrich aus Wien, Peter Behrens aus München und Bernhard Hoetger aus Paris geprägt. Diese Künstler haben in den wenigen Jahren bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs mit experimenteller Architektur, neuer Raumkunst und zukunftsweisendem Design nie zuvor gesehene Modelle von Gesamtkunstwerken entstehen lassen. Als Zentrum des Jugendstils bietet die Mathildenhöhe in zwei Ausstellungsgebäuden auch von den Künstlern entworfene Anschauungsobjekte und Alltagsgegenstände.

Auch für die deutsche Kultusministerkonferenz gilt die Mathildenhöhe als „einer der wichtigsten Ankerpunkte in der Entwicklung der Künste und der Architektur hin zur Moderne des 20. Jahrhunderts“. Mit ihren Gebäuden und Gärten aus der Zeit von 1899 bis 1914 stelle sie „ein einzigartiges architektonisches Ensemble dar, das die Wende vom Jugendstil zur Moderne eingeleitet hat“.

„Mit der Einreichung der Bewerbungsunterlagen haben wir eine weitere wichtige Hürde für die Entwicklung der Mathildenhöhe genommen“, sagte Partsch am Donnerstag. Man sei nun gespannt darauf, wie die Unesco die Unterlagen bewerte.

Teil der Bewerbungsunterlagen sind auch ein 348 Seiten umfassendes Nominierungsdossier und ein 186 Seiten umfassender Managementplan, die beide in englischer Sprache verfasst wurden. Die beiden Bücher enthalten Texte, etliche Fotos, Tabellen sowie Lagepläne. Der Aufbau der beiden Bücher folgt den Vorgaben und dem Fragenkatalog, die durch die Unesco-Konvention in einem Welterbe-Handbuch verbindlich festgeschrieben sind.

In enger Kooperation mit dem Landesamt für Denkmalpflege Hessen hat die Stadt in den Bewerbungsunterlagen dargelegt, warum sie die Mathildenhöhe – gemäß der Welterbekonvention von 1972 – für eine Kulturstätte mit einem „außergewöhnlichen universellen Wert“ hält. In den Unterlagen werden auch konkrete Konservierungsvorhaben, die weiteren baulichen und gartenpflegerischen Planungen sowie die dafür notwendige künftige Verwaltungs- und Finanzierungsstruktur erläutert.

„Auf dem Weg zum Welterbe“lautet der Titel einer Bürgerinformationsveranstaltung, zu der Darmstadts Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) für kommenden Mittwoch, 13. Februar, um 20 Uhr in das Maschinenhaus der Technischen Universität, Magdalenenstraße 12, einlädt. An der Veranstaltung werden auch Markus Harzenetter, der Präsident des hessischen Landesamtes für Denkmalpflege sowie der Darmstädter Kulturreferent Ludger Hünnekens teilnehmen.

Gegenstand der Bewerbungum die Anerkennung der Mathildenhöhe als ein Welterbe ist das Ensemble mit Hochzeitsturm, Ausstellungsgebäude, Gartenanlage mit dem Platanenhain, das Skulpturenprogramm und die Künstlerhäuser, die auf Initiative des damaligen Großherzogs Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein während der vier Landesausstellungen 1901, 1904, 1908 und 1914 gebaut wurden. jjo

www.mathildenhohe-darmstadt.de

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