1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Darmstadt

Weite Wege für Deo und Seife

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Das Haus ist renoviert, der Laden steht leer – wie es an der Roßdörfer Straße weitergeht, ist offen.
Das Haus ist renoviert, der Laden steht leer – wie es an der Roßdörfer Straße weitergeht, ist offen. © Völker

Der Schleckermarkt im Woogsviertel wird nach dem Brand im Mai vergangenen Jahres nicht wieder eröffnet. Offizielle Version: Schuld sind Differenzen mit dem Hauseigentümer.

Ende Mai vergangenen Jahres war die Filiale an der Roßdörfer Straße ausgebrannt, ein implodierter Fernseher war der Grund. Anwohner hatten schon kurz danach befürchtet, dass das Feuer das Aus für den Drogeriemarkt in ihrem Viertel bedeuten würde.

„So, ist es nun amtlich?“ sagt eine Frau, die anonym bleiben will, „überrascht mich nicht.“ Am Montag hatte der Regionalbe-triebsrat von Schlecker-Vertriebsdirektor Ralf Koslowski erfahren, das Thema Roßdörfer Straße 84 sei „für Schlecker abgeschlossen“. Man habe sich mit dem Hauseigentümer, der Gemeinnützigen Aktien-Gesellschaft für Angestellten-Heimstätten (Gagfah), nicht einigen können. Die vier zuvor in dem Drogeriemarkt eingesetzten Mitarbeiterinnen, schon seit längerem in anderen Filialen tätig, würden nicht ins Woogsviertel zurückkehren.

Während die vom Brand geschwärzten Fassaden neu getüncht, verkohlte Balkongeländer und Markisen ersetzt und neue Schaufensterscheiben eingesetzt wurden, hatte Schlecker immer wieder bekräftigt, man wolle die Filiale wieder öffnen.

Dann wieder gab es anderslautende Nachrichten. Schlecker habe unmittelbar nach dem Brand den Mietvertrag gekündigt. Nein, der Mietvertrag sei zum 1. Januar ausgelaufen und nicht erneuert worden. Nein, Schlecker bemühe sich um die Verlängerung des Vertrags, doch der Eigentümer ziere sich.

Inzwischen ist der Laden ausgeräumt. Selbst der Putz wurde von den Wänden geschlagen, der Bodenbelag herausgerissen. Lose Kabel hängen von der Decke. „Schlecht ist das, eine Katastrophe!“ schimpft eine Passantin. Die meisten Woogsviertler aber, die in der Roßdörfer Straße beim Einkaufen sind, bringen das endgültige Aus mit einem anderen Grund in Verbindung: Schlecker mache auch andere Filialen zu, hat Erika Frank gehört. Und Lutz Schmidt fügt hinzu: „Denen kam der Brand doch gerade recht.“

Keine Drogerie in der Nähe

An Schwierigkeiten mit dem Hauseigentümer glaubt niemand. Obwohl es hieß, „die Miete ist zu hoch“. Das dementiert Vertriebsdirektor Koslowski. Vielmehr sei das Wohnungsunternehmen Gagfah als Eigentümer „zu keinerlei Änderungen bereit“.

Den Anwohnern sind die Hintergründe letztlich egal. Ärgerlich gerade für die älteren Woogsviertler ist, dass sie nun für Zahnbürste und Shampoo, für Deo und Seife mit dem Bus in die Stadt fahren müssen. Denn im gesamten Osten Darmstadts gibt es keinen Drogeriemarkt. „Da kommst du gerade aus der Stadt, und dann fällt dir einen, du hast das Katzenfutter vergessen“, seufzt Gerlinde Bitz. „Früher bei Schlecker war das kein Problem, da konnte man abends noch mal schnell rüber.“

Auch Hartmut Häfner schimpft: „Ausgerechnet diesen Markt gibt Schlecker auf, dabei gibt es doch weit und breit nichts.“ Tatsächlich zeigt sich die einstige Einkaufsmeile Roßdörfer Straße trostlos. Der Metzger hat aufgegeben, und das „Früchteparadies“, früher mal Bäckerei Fuhrmann, ist schon seit Monaten zu.

Die Gagfah weist die Darstellung von Schlecker zurück: „Es war so, dass Schlecker immer neue Wünsche zur Ausstattung des Ladens hatte. Wir haben auch versucht, dies zu berücksichtigen“, versicherte eine Sprecherin. „Aber irgendwann ist dann der Punkt erreicht, wo man sagt, unter diesen Umständen kann man keinen Mietvertrag abschließen.“ Verdi zufolge hatte Schlecker eine teure automatische Türschließanlage verlangt.

Derzeit verhandelt die Gagfah mit anderen Interessenten. Die Gerüchte reichen vom Bestattungsinstitut bis zum Pflegedienst. ( ers)

Auch interessant

Kommentare