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Zu Weihnachten ein neues Leben

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Massih (links) und sein Freund Philipp können wieder unbeschwert gemeinsam am Schlagzeug sitzen.andré hirtz
Massih (links) und sein Freund Philipp können wieder unbeschwert gemeinsam am Schlagzeug sitzen.andré hirtz © André Hirtz

Eine Stammzellenspende aus Israel hat den neunjährigen Massih vor dem Tod bewahrt. Heute strahlt er, rennt die Treppe runter in die Küche, um sich etwas aus dem Kühlschrank zu nehmen. Das ist Glücklichsein.

Es sind diese klaren, großen Augen, es ist dieses Lachen. So viel Lebensfreude strahlt das Gesicht von Massih aus, wenn er an seinem Schlagzeug sitzt und auf Becken und Trommel schlägt. Bis ins Wohnzimmer zwei Etagen tiefer schallt die Musik des Neunjährigen.

Seine Mutter hört die Rhythmen gern. „Das ist schön“, sagt sie und lächelt. Denn noch vor einem Jahr war es ruhig in dem Reihenhaus in der Darmstädter Heimstättensiedlung. Von Weihnachtsstimmung keine Spur. Massih, der Junge, der jetzt voller Elan in seinem Zimmer am neuen Schlagzeug sitzt, war schwer krank. In den vergangenen Monaten hat sich viel geändert. Für Massih und für seine Familie.

Der 22. Dezember 2013 war der Tag der Hoffnung. Damals kamen fast 1000 Menschen in die Turnhalle der Lichtenbergschule, um sich als Stammzellenspender bei der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) registrieren zu lassen. Und um Massih das Leben zu retten. Denn der Junge litt am sogenannten Myelodysplastischen Syndrom (MDS), einer schweren Erkrankung des blutbildenden Systems.

Diagnose war ein Schock

Die Diagnose war ein Schock. Denn es war nicht die erste schwere Krankheit, die der Junge überwinden musste. Einige Jahre zuvor war ein Hirntumor festgestellt worden. Nach Operation, Chemo und Bestrahlungen war dieser geheilt. Jetzt versprach nur eine Stammzellentransplantation Heilung. Verwandte und Freunde, Schulkameraden und Lehrer der Bessunger Schule sowie viele andere waren deshalb zum Blutabnehmen gekommen.

„Mir geht es gut“, sagt der Neunjährige nun, zwölf Monate später, während einer Musikpause. Er strahlt, rennt die Treppe runter in die Küche, um sich etwas aus dem Kühlschrank zu nehmen. Das ist Glücklichsein. Dabei sah es zunächst gar nicht danach aus. Bei der Registrierungsaktion fand sich kein passender Spender. Aber in einer israelischen Datenbank. Massihs Mutter erinnert sich noch an jenen Tag Ende Januar, als sie davon erfuhren. „Es wurde weltweit gesucht, und dann sagt der Arzt in Frankfurt, dass es einen Spender gibt.“ Sehnlichst hatte die Familie gewartet.

„Ich habe immer im Herzen gespürt, dass es gut wird“, sagt die Mutter. Auch Monate später ist sie von der Nachricht noch bewegt. Doch auf die Erleichterung folgten schwere Wochen in der Frankfurter Klinik. „Am 14. Februar hat Massih das Blut bekommen“, sagt seine Mutter. Mehr als zwei Monate blieb der Junge im Krankenhaus. Nur wenige Menschen durften in sein nur über eine Schleuse zugängliches Zimmer. Vater, Mutter und Schwester Sofia. „Das Immunsystem war auf null“, erzählt die Mutter.

Briefe halfen

„Wichtig waren für mich die Briefe und What’s-App-Nachrichten auf dem Handy“, erzählt Massih. Vor allem die Meldungen seines Freundes Philipp halfen ihm in dieser Zeit. Und die Briefe seiner Schulkameraden.

Inzwischen sind wieder ganz andere Sachen wichtig. Massih geht wieder zur Schule und ist „immer noch der Spaßvogel wie früher“, erzählt sein Freund Philipp. Massih ist froh, dass er nicht mehr Nachrichten per Handy schicken muss, sondern mit seinem Freund einträchtig auf dem Sofa oder am Schlagzeug sitzen kann.

Auch wenn sich vieles geändert hat, eines ist geblieben: Massihs Wunsch, später beim Weltraumkontrollzentrum Esoc zu arbeiten. Als Vorbereitung hat er schon einmal vor wenigen Wochen die Landung eines Roboters auf dem Kometen „Tschuri“ verfolgt.

Viel näher sind jetzt aber seine Freunde und seine Familie und die Vorfreude auf ein weitgehend unbelastetes Weihnachtsfest. Geschenke? „Dass ich gesund und zuhause bin, ist mein größtes Weihnachtsgeschenk.“ (rf)

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