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Zum Wegwerfen zu schade

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Vor allem alte Elektrogeräte werden im Repair-Café wieder fit gemacht
Vor allem alte Elektrogeräte werden im Repair-Café wieder fit gemacht © Karl-Heinz Bärtl

Ein Zeichen setzen gegen die Wegwerfgesellschaft will Ober-Ramstadts Repair-Café in der Petri-Villa. Hier wird getüftelt und instand gesetzt.

„Das Café hat in sofort eingeschlagen wie ein Blitz“, sagt die Mitorganisatorin Inge Ruffer. Von Anlaufzeit keine Spur. Schon bei der ersten Öffnung im Herbst gaben sich die Leute die Klinke der Petri-Villa in die Hand. Beim dritten Termin hat sich daran nichts geändert. Offensichtlich ist das Bedürfnis groß, nicht gleich alles auf den Müll zu werfen, wenn es nicht mehr funktioniert.

Franz Ruffer hat fürs Reparieren ein Motto: „Kaputter als kaputt kann ich’s nicht machen.“ Was so viel heißt wie: Wenn er etwas zu reparieren versucht, kann eigentlich nichts mehr passieren, das betreffende Teil danach jedoch im besten Falle wieder seinen Dienst tun. Für Bekannte und Verwandte hat er schon manches wieder zum Laufen gekriegt.

So kam den Eheleuten die Idee des Repair-Cafés, wofür sich Ober-Ramstadts Seniorenbeauftragte Katrin Mohn sofort begeistern ließ. Helfer waren schnell gefunden, vor allem für alles, was sich mit „Elektro“ überschreiben lässt. Gerade da ist der Bedarf riesig, und es müssen inzwischen wie bei Behörden Wartenummern ausgegeben werden. Was nicht weiter schlimm ist, weil die Aktion ja nicht nur „Repair“, sondern auch das „Café“ beinhaltet.

Nicht alles klappt

Für das fühlt sich Inge Ruffer zuständig: „Das Reparieren überlasse ich anderen.“ Trennen lässt sich das sowieso nicht. Wartende Kaffeetrinker wie Gerlinde Riep mit ihrem Toaster sitzen geduldig an den Servicetischen und gucken neugierig zu, wie ein Uraltgerät ein neues Kabel bekommt, eine Fernbedienung auseinandergenommen und dem Navigationsgerät mit dem Lötkolben auf die Sprünge geholfen wird.

Nicht alles klappt. Andreas Knuth bedauert, dass er einen mucksmäuschenstillen CD-Player nicht wieder zum Tönen bringt. Obwohl es doch das Hobby des Ingenieurs für Nachrichtentechnik ist, „in Geräte zu gucken, um zu sehen, was drin ist“. Aber manchmal habe man ohne Schaltpläne keine Chance, gibt er zu. Herbert Gepperth hatte mehr Glück: Die kleine Spieluhr dreht sich wieder. „Jetzt brauche ich nur noch etwas Silikonspray für die Aufzugfeder“, sagt er und wirft einen Obolus in den Spendentopf. Denn repariert wird hier im Café grundsätzlich ehrenamtlich.

Nähen, Polstern, Basteln

Um ein sogenanntes Schulfunk-Empfangsgerät der früheren Firma Staudigl, bei dem der Lautstärkeregler nicht mehr funktioniert, scharen sich gleich mehrere Tüftler. „Das ist eine Antiquität“, stellen sie fest, kommen aber nicht weiter. Das Problem: „Der Apparat ist so verbaut, dass man nicht ans Innere gelangt.“

Doch auch wenn es im ersten Moment so aussieht: Nicht alles dreht sich um „Elektro“. Bertl Nowak sitzt an der Nähmaschine und flickt eine Jeans. Auch Polsterarbeiten könnte sie machen, dafür scheint aber kein Bedarf zu sein. Genauso wenig wie für das Holzarbeiten-Angebot von Joe und Mandy Trautmann unten in der Werkstatt der Petri-Villa.

Sie zeigen Verständnis: „Wer schleppt schon seinen kaputten Stuhl oder gar Schrank hierher.“ Deshalb bieten sie kreative Bastelideen an, bemalen und verzieren kleine Mandarinenkisten, fertigen Teelichter aus alten Dosen und Schlüsselanhänger aus Korken. Ihr zehnjähriger Sohn schleift gerade ein Holzherz glatt. Auch hier gilt: „Zum Wegwerfen zu schade.“ Die Resonanz ist durchweg positiv. „Gut, dass es so was gibt“, steht auf einem der Feedback-Formulare. Auf einem anderen ist zu lesen: „Und der Kuchen – da wird die Seele auch gleich repariert.“

Die nächsten Termine für Ober-Ramstadts Repair-Café in der Petri-Villa, Baustraße 41, sind am Samstag, 21. März, und Samstag, 11. April (eda)

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