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Wege aus der Schieflage

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Das Marienhospital schloss 2015 mit einem Defizit von 2,5 Millionen Euro ab.
Das Marienhospital schloss 2015 mit einem Defizit von 2,5 Millionen Euro ab. © André Hirtz

Das Marienhospital in Darmstadt steckt tief in den roten Zahlen. Neue Strukturen und Personalabbau sollen das Klinikum retten.

Das Marienhospital in Darmstadt ist von viel Grün umgeben. Die Idylle trügt. Das Haus, das Anfang 2015 vom Klinikum Darmstadt übernommen wurde, steckt tief in den roten Zahlen.

Wie hoch das Defizit genau ist, damit will Clemens Maurer, kaufmännischer Geschäftsführer der Klinikum Darmstadt GmbH, nicht herausrücken. Er wolle keine weiteren Ängste schüren, so sein Argument. Maurer spricht lieber von einer „absoluten Schieflage“. Das heißt, es wird sich einiges ändern müssen, wenn das Haus sich wirtschaftlich tragen soll.

„Am Rädchen drehen“, nennt das Maurers Kollege, der ärztliche Geschäftsführer Steffen Gramminger. Unter anderem geht es veralteten Strukturen und Abläufen an den Kragen. Stationen werden neu organisiert und Arbeitsabläufe klarer strukturiert. Ein Beispiel ist die neue zentrale Patientenaufnahme. „Früher landeten die Notfälle direkt auf der Station“, erzählt Pflegedienstleiterin Martina Eggebrecht. Das habe oftmals ganze Abläufe durcheinandergebracht. Damit soll nun Schluss sein. Sie hat auch neue Dienstzeiten eingeführt, die flexibler und familienfreundlicher sind. „Damit können wir auch Arbeitsspitzen abfangen.“

Stellen an bundesweite Bemessung angepasst

Eine Qualitätsoffensive ist geplant, so Gramminger mit Blick auf Patientenbeschwerden der vergangenen Monate. Mehr Pflegekräfte, das machen beide Geschäftsführer deutlich, wird es am Marienhospital nicht geben. Der Stellenschlüssel werde an die deutschlandweit gängige Personalbemessung angepasst. Für jeden Mitarbeiter, der gehen muss, werde eine Lösung gesucht – die könne auch so aussehen, dass Mitarbeiter ans Klinikum wechselt. „Wir müssen die Kosten senken“, sagt Maurer. Es werde aber auch investiert.

Derzeit gehe es darum, einen Masterplan zu erarbeiten, wie man die Psychosomatik bis 2020 auf dem Gelände unterbringen kann. Einschnitte gibt es auch im ärztlichen Bereich. Beispielsweise soll die belegärztliche Abteilung am Fachbereich Chirurgie zu einer Hauptfachabteilung umgewandelt werden. „Das bedeutet nicht, dass wir uns von allen Belegärzten trennen“, so der Mediziner. Denkbar sei etwa, dass die Ärzte ihre Praxen weiterbetreiben und einen Teilanstellungsvertrag am Marienhospital bekommen. Die Belegärzte von Gynäkologie, Geburtshilfe und Anästhesie könnten weiterhin als Belegärzte arbeiten.

Ein weiterer Schritt hin zu einer langfristigen Sicherung des Marienhospitals ist für Gramminger der Aufbau von „passenden Spezialitäten“. Neu im Angebot ist die multimodale Schmerztherapie. Dabei handelt es sich um ein ganzheitliches stationäres Therapiekonzept für Menschen, die unter chronischen Schmerzen leiden. Auch die Zulassung für ambulant Behandlung gesetzlich Versicherter sei beantragt worden, erläutert Ulrike Frieß, die seit März neue Chefärztin und leitende Ärztin am Marienhospital ist.

Mit diesem Angebot schließt sich eine Versorgungslücke, nachdem das Elisabethenstift das stationäre Angebot voriges Jahr aus Kostengründen eingestellt hat. Frieß ist jedoch überzeugt, dass die Multimodale Schmerztherapie für das Krankenhaus finanziell tragbar ist. Sie hat das Konzept zuvor als Chefärztin der Klinik für Anästhesie und Schmerztherapie am evangelischen Krankenhaus Bad Dürkheim etabliert.

Den beiden Geschäftsführern ist klar, dass mit der Übernahme des von einem Orden geführten Marienhospitals ganz unterschiedliche Betriebskulturen aufeinandergeprallt sind – und dass es Zeit braucht, um Vertrauen aufzubauen.

Auch der spärliche Informationsfluss über die Zukunftspläne in der vergangenen Zeit habe zu Irritationen in der Belegschaft geführt, gibt Maurer zu. Unter anderem hatten einige Belegärzte über mangelnde Kommunikation vonseiten der Geschäftsführung geklagt. Doch man habe bewusst viele Gespräche mit den Mitarbeitern geführt und sich Zeit gelassen. „Vertrauen ist das A und O im Gesundheitswesen“, so Gramminger. (hin)

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