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Wegbereiter für den Segelflug

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Von: Annette Schlegl

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1933 entwickelte die Akaflieg den Prototyp D 28, der „Windspiel“ genannt wurde, weil er nur 54 Kilogramm wog.
1933 entwickelte die Akaflieg den Prototyp D 28, der „Windspiel“ genannt wurde, weil er nur 54 Kilogramm wog. © Akaflieg Darmstadt

Die akademische Fliegergruppe (Akaflieg) der TU Darmstadt feiert ihr 100-jähriges Jubiläum. Die Student:innen konstruieren und bauen Prototypen von Segelflugzeugen.

Ihr Metier ist der Traum vom Fliegen – und das schon seit mehr als 100 Jahren. Im Jahr 1920 fanden sich an der damaligen Technischen Hochschule (TH) Darmstadt erstmals Studenten zusammen, um Segelflugzeuge zu konstruieren und zu bauen. Die Akademische Fliegergruppe (Akaflieg) Darmstadt war geboren. Seitdem tüfteln und werkeln Studenten und Studentinnen an der heutigen TU, um den Segelflug höher, schneller und weiter zu machen. Dafür gibt es heute, Dienstag, die Silberne Ehrenplakette des hessischen Ministerpräsidenten, die Darmstadts Bürgermeisterin Barbara Akdeniz (Grüne) überreicht.

Genau genommen schlug die Geburtsstunde der Akaflieg in Darmstadt schon vor 102 Jahren. Corona machte den Jubiläumsfeierlichkeiten aber einen Strich durch die Rechnung, da an der TU kaum etwas in Präsenz stattfinden konnte.

1920 schlugen einige Studenten der TH Darmstadt den Siegermächten des Ersten Weltkriegs, die Deutschland den Motorflug verboten hatten, ein Schnippchen: Sie schlossen sich zusammen, um das motorlose Fliegen unter Ausnutzung von Aufwinden zu erforschen und eigene Segelflugzeuge zu bauen. Im November 1920 wurde ein Vorstand gewählt – und die Akaflieg war gegründet. Das erste Projekt wurde in Angriff genommen: die D 1, ein Hochdecker – wobei „D“ für Darmstadt steht. Die ersten Segelflieger starteten vom Hang aus.

Das Jubiläum

Die Akaflieg holt ihren 100. Geburtstag hauptsächlich mit internen Veranstaltungen nach.

Für die Öffentlichkeit zugänglich ist eine Ausstellung auf dem Karolinenplatz am Unicampus Stadtmitte am 15. Juli. Einen Tag lang sind dort Segelflugzeug-Prototypen der Akaflieg zu sehen. ann

Mitte der 30er-Jahre entstand erstmals ein Flugzeug aus Aluminiumlegierungen, Jahre später ein Prototyp aus Glasfaser. Heute verbauen die Student:innen Kohlefasern in ihrer Werkstatt auf dem Campus Stadtmitte.

„Forschen, bauen, fliegen“ lautet das Motto der Akaflieg. Wobei das Hauptaugenmerk auf dem Forschen liege, sagt Werkstattleiter Dennis Patzig. „Wir wollen Dinge ausprobieren, die Andere noch nicht gemacht haben und die Serienhersteller, die ja ein Profitinteresse haben, nicht machen‘“, sagt er. Die Akaflieg habe selbst noch nie Segelflugzeuge gebaut, die in Serie gingen, „aber wir haben für die Serienbauer den Weg geebnet“. Werkstoffe wie Glasfaser und später Kohlefaser seien zuerst in der Akaflieg erprobt, Prototypen wie die D36 und die D38 nahezu identisch in Serie gebaut worden.

15 Studenten und Studentinnen zählt die Hochschulgruppe aktuell, die zum Fachgebiet Strömungslehre und Aerodynamik zählt. Sie kommen hauptsächlich aus dem Fachgebiet Maschinenbau, aber auch aus der Mathematik, Elektrotechnik und Mechatronik. Sie alle verbringen einen großen Teil ihrer Freizeit in der Akaflieg-Werkstatt, suchen so den Praxisbezug im oft doch sehr theoretischen Studium.

Aus versicherungstechnischen Gründen ist die Akaflieg auch als Segelflugverein gemeldet. So können die Mitglieder zu Piloten ausgebildet werden. „Fluglehrer sind bei uns ehrenamtlich tätig“, erzählt Patzig. Geflogen wird auf dem Flugplatz Heppenheim. Theoretisch könnten die Prototypen auch vom Darmstädter August-Euler-Flugplatz abheben, „aber da dürfen wir nur 300 Meter hoch fliegen und brauchen eine Genehmigung der Flugsicherung Langen“.

Derzeit wird an der D 45 gearbeitet, „ein sehr schnelles Segelflugzeug vor allem für den Wettbewerb“. Erstmals werde dabei Kohlefaser mit eingearbeitetem Epoxidharz verwendet, so Patzig. Das Material komme tiefgefroren von der Rolle, werde bisher vor allem im Rennsport benutzt. „Wir müssen gegenüber dem Luftfahrtbundesamt den Nachweis erbringen, dass das Material für den Segelflug geeignet ist“, erklärt er. Aktuell sei man aber noch nicht ganz so weit, dass der Prototyp gebaut werden kann.

Die Akaflieg ist mit ihrer Werkstatt mit Konstruktionsbüro auf dem Unicampus Stadtmitte beheimatet.
Die Akaflieg ist mit ihrer Werkstatt mit Konstruktionsbüro auf dem Unicampus Stadtmitte beheimatet. © Akaflieg Darmstadt
Die D 17 bestand im Jahr 1927 noch aus Holz, Sperrholz und Stoff.
Die D 17 bestand im Jahr 1927 noch aus Holz, Sperrholz und Stoff. © Akaflieg Darmstadt
1923 wurde die D7 „Margarete“ noch mit Gummiseil und Muskelkraft gestartet.
1923 wurde die D7 „Margarete“ noch mit Gummiseil und Muskelkraft gestartet. © Akaflieg Darmstadt

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