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Wassermangel in Darmstadt: Sensoren sollen Bäume schützen

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Von: Claudia Kabel

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Die Hitze hat Stadtbäumen stark zugesetzt. Viele sind im Sommer vertrocknet.
Die Hitze hat Stadtbäumen stark zugesetzt. Viele sind im Sommer vertrocknet. © Michael Schick

Digitale Technik soll künftig den Wasserbedarf der Bäume in Darmstadt ermitteln. Dadurch soll Wasser effektiver eingesetzt werden.

Die Dürre hat den Bäumen im Darmstädter Stadtgebiet arg zugesetzt. Zeitweise konnten dieses Jahr nur die Jungbäume gewässert werden, um sie vor dem Vertrocknen zu schützen. Die Stadt rief deshalb im Sommer Anwohner:innen auf, beim Gießen mitzuhelfen. Wie stark die Bäume in den vergangenen Jahren geschädigt wurden, zeigt sich laut Stadt auch an den Fällungen: 2018 bis 2020 mussten jährlich mehr als 500 Bäume weichen, voriges Jahr waren es 419. Für dieses Jahr liege noch keine Statistik vor.

Um die Stadtbäume künftig besser zu schützen, sollen in den nächsten Monaten an 50 ausgewählten Standorten Sensoren eingebaut werden, die die Feuchtigkeit im Boden messen. Ziel sei, die Bäume mithilfe der Technik bedarfsgerecht zu versorgen, sie so vor dem Hintergrund des Klimawandels zu erhalten und die Ressource Wasser effizient einzusetzen, teilt die Stadt mit.

„Darmstadts Stadtbäume sind durch die immer länger werdenden Hitze- und Dürreperioden bedroht“, sagt Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne). Gerade in Zeiten zunehmender Wasserknappheit müsse die Bewässerung weiter optimiert werden. Die smarte Technik verbirgt sich laut Stadt unter der Erde.

Bäume sind wichtig für das Mikroklima in der Stadt.
Bäume sind wichtig für das Mikroklima in der Stadt. © Michael Schick

Pro Baum sollen drei bis vier Sensoren in unterschiedlichen Bodentiefen und im Wurzelballen eingesetzt werden. Die kleinen, mit einem Sender ausgestatteten Geräte messen im Zeitverlauf die Durchfeuchtung der Böden. Aus den Daten werde der individuelle Wasserbedarf jedes Baums ermittelt. Die ausgewerteten Ergebnisse gelangen per Funk über das flächendeckende städtische LoRaWAN-Datennetz direkt auf die mobilen Endgeräte des Grünflächenamts. Auf diese Weise könnten die Ressourcen Wasser und Personal zielgerichtet eingesetzt werden.

Darmstadt: 1800 Bäume müssen gegossen werden

Aktuell werden laut Stadt 1800 Bäume während der Vegetationsperiode von April bis Anfang Oktober durch pauschale Wassergabe versorgt. Die einzelnen Wassergänge würden stichprobenartig mittels Bohrstock kontrolliert. Diese Kontrolle werde künftig durch das sensorische Monitoring ersetzt.

Stadtbäume werden im Schnitt 60 bis 70 Jahre alt. Wichtig seien sie besonders für das Mikroklima in der Stadt, betont Umweltdezernent Michael Kolmer (Grüne). Ob ein Baum in Darmstadt tatsächlich dieses Alter erreicht, hängt neben der Art vor allem vom individuellen Standort ab. Ein alleinstehender Baum an der Rheinstraße müsse anders gewässert werden als ein Baum im Herrngarten. Im besten Fall werde jeder Baum individuell mit Feuchtigkeit versorgt. „Durch die neue vernetzte Baumsensorik wird das in Zukunft möglich“, sagt Oberbürgermeister Partsch.

Darmstadt: Projekt „Schlaues Wasser“ wird vom Bund gefördert

Das Vorhaben gehört zum vom Bund geförderten Projekt „Schlaues Wasser Darmstadt“ und wird mit zirka 90 000 Euro unterstützt. Die Umsetzung erfolgt in Zusammenarbeit mit dem Grünflächenamt, dem Eigenbetrieb für kommunale Aufgaben und Dienstleistungen (EAD) und der Digitalstadt Darmstadt GmbH.

Langfristig soll daraus ein smartes Bewässerungssystem entstehen, mit dessen Hilfe es möglich sein wird, alle städtischen Bäume bedarfsgerecht zu versorgen.

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