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Warten auf Wiederentdeckung

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Die Lichtenberger Straße in Groß-Bieberau wird bald Teil der denkmalgeschützten Gesamtanlage im Stadtkern.
Die Lichtenberger Straße in Groß-Bieberau wird bald Teil der denkmalgeschützten Gesamtanlage im Stadtkern. © Karl-Heinz Bärtl

In Sachen Denkmalschutz kommt auf die Kommunen im Landkreis Darmstadt-Dieburg einiges zu: Die Zahl der Denkmäler wird sich durch die neue Topografie verdoppeln.

In Sachen Denkmalschutz kommt auf die Kommunen im Landkreis Darmstadt-Dieburg einiges zu: "Die Zahl der unter Schutz stehenden Gebäude wird sich grob geschätzt verdoppeln", kündigt Liane Mannhardt, Leiterin der Unteren Denkmalschutzbehörde des Kreises an.

Hintergrund ist die Neuauflage der Denkmalschutztopografie des Kreises, an der seit 2008 gearbeitet wird. "Seit 1989 gibt es dieses Verzeichnis der Kulturdenkmäler im Kreis. Es ist unvollständig, auch wenn im Laufe der Jahre ständig nacherfasst wurde, wenn etwas ins Auge fiel", erläutert Mannhardt. Bisher umfasste die Topografie 1255 Einzeldenkmale und 90 Gesamtanlagen mit rund 13 500 Gebäuden. Zu letzteren zählen vor allem die alten Innenstädte. Eine Architektin begutachtet derzeit denkmalverdächtige Straßenzüge und Gebäude in den Kommunen. Die Kosten von 26 000 Euro teilen sich Kreis und Landesamt für Denkmalpflege.

In einem Drittel der Kreiskommunen ist die Neuerfassung so gut wie abgeschlossen. Im Westen werden Alsbach-Hähnlein, Bickenbach, Pfungstadt, Mühltal sowie Erzhausen und Ober-Ramstadt in den nächsten Wochen Post vom Denkmalschutz bekommen. Im Ostkreis sind bereits Eppertshausen, Groß-Zimmern und Groß-Bieberau begutachtet worden.

"Nach der Gegenkorrektur durch das Landesamt werden die Kommunen angehört und die Eigentümer angeschrieben", sagt Mannhardt. Gegen die Einstufung eines Gebäudes als Denkmal können die Kommunen laut Mannhardt kaum vorgehen. Viele Gemeinden seien aber im Gegenteil auch stolz auf ihre alte Bebauung und werben damit.

Besonders viele Neuerfassungen gab es in Groß-Bieberau. Dort gibt es bereits mit der Marktstraße und Teilen der Jahnstraße eine geschützte Gesamtanlage. Diese wird nun nach Süden erweitert. "Dort hat es sich wirklich gelohnt. Mit der Lichtenberger Straße und dem Bereich rund um die Bachgasse werden ganze Straßenzüge neu unter Denkmalschutz gestellt." Auch in Alsbach wurden die Denkmalschützer fündig: "Zwischen Bahnhofstraße und Rosengartenstraße gibt es drei Villen auf einem kleinen Hügel inmitten eines riesigen Parks", berichtet Mannhardt. Für eine der Villen, erbaut Ende des 19. Jahrhunderts, kommt jedoch jede Hilfe zu spät. Nach 40 Jahren Leerstand sind Dach und Zwischendecken eingebrochen. "Hier müssen wir wohl einem Abbruch zustimmen", sagt sie wehmütig.

In Seeheim ist das Villengebiet zwischen Philipp-März-Straße, Zeppelinweg und Karolinenstraße ins Visier der Denkmalschützer geraten. "Die Häuser wurden zwischen 1880 und 1910 errichtet. Darunter gibt es sogar einen Bau von Albin Müller, einem der Architekten der Darmstädter Mathildenhöhe. Der war unglaublicherweise noch nicht erfasst." Mannhardt hofft, die Topografie bis Ende des Jahres abschließen zu können: "Aber da denke ich wohl zu positiv." Viele schützenswerte Kleinodien warten noch auf ihre Wiederentdeckung. (det)

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